Stalins Kühe, von Sofi Oksanen

Schon seit 2003 auf dem Markt. Weiß der Teufel, warum ich es erst jetzt in die Finger bekommen habe. Vielleicht weil sie dieses Jahr Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse ist und so in meinen Fokus geraten ist. Ach, in deutsch ist es erst 2012 erschienen. Na gut.

Also.

„Stalins Kühe“

Es ist eine andere Geschichte, die Geschichte von Anna und ihrer Mutter Katariina. Es ist eine andere Geschichte und eine andere Perspektive als meine. Aber es ist ein ähnlicher Kern. Sätze wie gehämmert oder wie einem russischen Soldaten in den Tee gespuckt* und Worte wie Sahne.

Tallinn liegt in Estland, gegenüber von Helsinki. Nur etwas Wasser dazwischen und dennoch Welten.
Es gibt Russen und es gibt Esten und manchmal sind die Esten schlimmer als die Russen, obwohl sie diejenigen sind, die verhören und sich wie die Schweine aufführen.

Es gibt Esten, die aus den Wohnungen derjenigen, die abgeholt wurden, Dinge herausholen und sie in die eigenen Wohnungen bringen. Und solche, die diese Wohnungen ganz in Besitz nehmen, nachdem jemand geholt wurde. Von den Russen.
Und dennoch, in diesem anderen erkenne ich eigene wiederkehrende Muster. Eine verlorene Welt der Kindheit, die verheimlicht wird. Eine Kindheit mit Vogelmilch-Konfekt und saurer Sahne und Sauerkrautsuppe. Die absurden Handlungen der Erwachsenen im Sowjetregime und ein Kind, das sich zwischen den Welten befindet.

Die Geschichte entfaltet sich langsam, doch stoßweise, hinter dem Schweigen, hinter Annas Fressorgien. Hinter ihren Bulimieattacken. Sie kommt zum Vorschein ohne sich pädagogisch hervorzutun, sie muss nicht die Fäden von Ursache und Wirkung verketten. Und darin liegt das Große dieses Romans, dass er verbindet ohne zu verbinden. Und letztendlich eine Geschichte erzählt, die man so nicht nacherzählen kann in einem Atemzug. Und Stalins Kühe kommen übrigens nur einmal vor, irgendwo in einem Nebensatz.  Aber ich will nicht zuviel erzählen, obwohl, wahrscheinlich haben alle außer mir dieses Buch eh schon gelesen.

 

*das ist ein Bildzitat aus dem Roman.

Sofi Oksanen: „Stalins Kühe“. Aus dem Finnischen von Angela Plöger. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2012, 489 S., 22,99 Euro

 

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Autor: Scherbensammlerin

Zwei Länder - verschiedene Identitäten - viele Sichtweisen. Ich sammle Informationsscherben über die Vergangenheit und Gegenwart und füge sie zu einem Mosaik aus Worten und Bildern.

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