Sprachabtausch

War 2013 das Jahr der russischen Sprache in Deutschland, so macht seit September diesen Jahres die deutsche Sprache einen Gegenbesuch. In der gesamten Föderation finden bis zum nächsten Herbst Workshops, Wettbewerbe und Lesungen statt, am 13. und 14. September nahmen beispielsweise an die 3000 Schüler live an der „größten Deutschstunde der Welt“ teil (weitere 1000 waren online zugeschaltet) und auch die Sendung mit der Maus hat Moskau einen Besuch abgestattet. The Maus herself hat beim großen Bildungsfestival „Deutsch hoch drei“ im Eremitage-Garten ihren spröden Charme versprüht und mit den Augen geklimpert.

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Würdige Vertreterin der deutschen Sprache in Moskau: die Maus

Im November sind zum Beispiel zwei Autoren und zwei Autorinnen aus Deutschland beim Literaturfastival „Weißer Fleck“ in Nowosibirsk zu Gast. Die Gegenwartsliteraten, die das Goethe Institut ausgesucht hat, sind Marcel Beyer, Ann Cotten, Angelika Meyer und Roman Ehrlich. Neben Lesungen aus eigenen Werken, beschreiben sie in Form von Essays, was für sie den Reiz der deutschen Sprache ausmacht. Und zwar als Material und Werkzeug für ihr literarisches Arbeiten. Mit Studenten wollen sie anschließend ihre Ausführungen diskutieren.

Auf der diesjährigen Moskauer Buchmesse (vom 26. bis 30. November) bekommt die deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur einen Sonderstatus: am deutschen Gemeinschaftsstand werden Neuerscheinungen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland vorgestellt.

Zwar ist der politische Dialog zwischen den beiden Ländern aus gegebenem Anlass etwas angespannt, doch um so mehr scheint ein wenig PR für Goethe, Schiller und Co. unentbehrlich zu sein. Schade nur dass, ja ja, ich weiß, immer muss ich meckern, die Deutschen aus Russland etwas unterrepräsentiert sind. Dabei gibts viel zu erzählen. Schon 1727 wurde von ihnen die erste deutsche Zeitung in Moskau gegründet und bis 1891 an den Schulen in den Kolonien der Unterricht in deutscher Sprache ablief. Es wäre auch mal spannend zu erörtern, inwiefern der Gebrauch ihrer Muttersprache den Deutschstämmigen nach dem zweiten Weltkrieg erschwert beziehungsweise komplett unterbunden worden ist. In der Sowjetunion war es über Jahrzehnte undenkbar und mitunter sogar gefährlich miteinander in der Öffentlichkeit deutsch zu sprechen. Und dennoch haben Großeltern die Sprache an ihre Enkel weitergegeben. In jeder Region, Bessarabien und der Ukraine, der Wolgaregion und dem Kaukasus wurden eigene vom Hochdeutschen abgeschottete Idiome weitervererbt, die sich nicht nur lustig anhören, sondern auch eigene Vokabeln für „moderne“, sprich nach 1804 aufgekommene Worte wie zum Beispiel „Fahrrad“ haben. Ich schlage vor, falls diese Aktion in den nächsten hundert Jahren wiederholt wird, einfach mal ein Nebenfestival zu gründen und nicht „Weißer Fleck“, sondern gleich „Blinder Fleck“ zu nennen.

 

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Autor: Scherbensammlerin

Zwei Länder - verschiedene Identitäten - viele Sichtweisen. Ich sammle Informationsscherben über die Vergangenheit und Gegenwart und füge sie zu einem Mosaik aus Worten und Bildern.

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