Mythos von der mitgenommenen Generation, Nachtrag

Enklave. Ich muss wieder daran denken, was dieser Politiker in der Zeitung gesagt hat, dass sie sich abgrenzen, die jungen Aussiedler. Die Frage ist, ob diese Kids ohne es zu wissen, ohne es zu begreifen, sich in ihren kleinen Enklaven abkapseln, weil sie es übernehmen. Von früher. Nicht weil sie angeblich zu der mitgenommenen Generation gehören, sondern weil sie die Nachkommen sind. Nachfahren derjenigen, die sich schon immer außerhalb befunden haben. Seit Jahrhunderten schon. Außerhalb. Aber innerhalb ihrer eigenen sicheren Gemeinschaft. Mit festen Regeln und Gepflogenheiten. Das, was schon ihren Urgroßeltern bekannt war, das wiederholen sie. Ohne es zu wissen.

Prischiber_Kolonie
einmal Enklave – immer Enklave? Siedlungsflecken in der Prischiber Kolonie

Und natürlich kapseln sie sich ab, weil sie trotz einer deutschen Staatsangehörigkeit, durch den Landeswechsel Ausgewanderte sind, Migranten. Weil sie in ein Außen gedrängt werden. Mit einer Spaltung in sich. Muttersprache. Vatersprache. Kindheitssprache und die Spätersprache. Das Fremde soll eigen werden. Das Eigene wird als fremd empfunden. Von den anderen, die im eigenen Land leben und von diesem inneren Graben keinen blassen Schimmer haben. Das Eigene, dass jetzt fremd ist, soll abgelegt werden. Mach es einfach. Wie eine alte Haut. Sagen die selbsternannten Experten. Sagen die Heimischen, Kinder des Kalten Krieges, die die fremde Heimat fürchten, weil sie den Russen fürchten. Der scharlachrote Buchstabe ist tief eingebrannt in der Biografie dieser Jugendlichen. Er scheint durch, spätestens dann, wenn sie den Mund aufmachen. Daran würde ein ochsenstarker Mann zerbrechen. Wie soll ein unsicherer Teenager damit fertig werden?

Autor: Scherbensammlerin

Zwei Länder - verschiedene Identitäten - viele Sichtweisen. Ich sammle Informationsscherben über die Vergangenheit und Gegenwart und füge sie zu einem Mosaik aus Worten und Bildern.

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