Секретики – kleine Geheimnisse

Die Bonbon-Papierchen (фантики) von der Schokoladenfabrik Roter Oktober haben mich auf eine Idee gebracht. Lange war sie vergessen, diese Sommer-Kleinmädchen-Beschäftigung. Andere, die in Russland der letzten Jahrzehnte aufgewachsen sind, werden sich noch erinnern.

Unser Spiel hieß Секретики (Sekretiki) oder kleine Geheimnisse und ging so:

Man nehme etwas das zu verstecken sich lohnt: Blumen, Blätter, kleine Steine oder eben bunte Papierchen mit schönen Bildern. Dann suche man sich eine Glasscherbe, nicht zu klein. Es ist eigentlich egal, ob aus weißem, grünem oder braunen Glas. (Übrigens habe ich mir nie die Finger an einer solchen gefundenen Scherbe geschnitten, obwohl mich meine Mutter sicher gewarnt hatte, aber wenn das Kind behutsam mit dem Glas umgeht, passiert nichts). Ich weiß übrigens gar nicht mehr, ob sie es als Kind schon gespielt hat. Ich werde sie mal fragen…

Dann suche man sich irgendwo einen Ort, im Hof, im Garten, bei einer Baumwurzel oder im Sand und grabe eine kleine Mulde hinein, nicht zu tief, groß genug für die Glasscherbe und das zu versteckende Gut. Die Erde darf nicht zu festgestampft sein oder zu kalt so wie jetzt, im Februar. Zu matschige Erde geht auch nicht. Es ist eindeutig was für den Sommer.

In diese Mulde lege man den Schatz, decke ihn mit der Glasscherbe zu und schütte die abgetragene Erde wieder drauf. Jetzt kommt der Kinderfinger zum Einsatz und rubbelt an einer oder mehreren Stellen kleine Fensterchen frei, ganz behutsam und vorsichtig. So entsteht das kleine Geheimnis.

Das unterirdische Exponat kann übrigens wieder zugedeckt werden. Es ist ein echter vergrabener Schatz. Man kann das Wissen für sich behalten oder es mit einer Freundin teilen.

Man kann mehrmals am Tag zu der Stelle gehen und mal nachgucken, ob der Sekretik noch da ist oder ob andere Kinder ihn entdeckt und geplündert haben.

Heute würde man das wohl Upcycling nennen. Oder Landart. An diesem Spiel kann man erkennen, wie reich und arm unsere Kindheit war, wenn uns Scherben und Bonbonpapierchen als Spielzeug dienten. Reich an Einfallsreichtum. Arm an online bestelltem Spielzeug. Ich glaube, dass ab einem gewissen Alter, sieben oder acht, die Mädchen das Interesse an diesem Spiel verlieren. Irgendwo im Netz habe ich gelesen, dass das eine rituelle Handlung sei, die Kinder vollziehen, weil sie das, was für sie einen besonderen Wert hat, vor den Augen der anderen und vor den Erwachsenen verbergen, ihr eigenes Reich schaffen. Und einer schrieb sogar, dass bei diesem Spiel die Angst vor dem Tod spielerisch aufgenommen wird.

Aber ich weiß nicht, ich assoziere mit diesem Spiel Sonne, in der Erde graben und diese schönen bunten teilweise glitzernden Papierchen. Für mich ist es reine Nostalgie.

Und wenn das Wetter und die Wärme es erlaubt, werde ich mal Bilder davon machen und eine richtige kleine Anleitung machen. So kann die Tradition des Scherben Sammelns weitergehen.

Autor: Scherbensammlerin

Zwei Länder - verschiedene Identitäten - viele Sichtweisen. Ich sammle Informationsscherben über die Vergangenheit und Gegenwart und füge sie zu einem Mosaik aus Worten und Bildern.

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