Frühlingserwachen

Der Russe ist jemand, der Birken liebt, so der Titel eines Romans von Olga Grjasnowa, in dem es letztendlich doch nicht um Birken geht. Ich würde sagen, ein Russe ist jemand, der auch mal Birkensaft trinkt. Und die drei bis vier Wochen, in denen man diesen Nektar aus den Stämmen der Bäume zapfen kann, sind demnächst auch schon vorbei. Birken sind die ersten Bäume, die nach dem Winter in Saft stehen. Das bedeutet, dass bei einem großen Baum, täglich bis zu 70 Liter Flüssigkeit von den Wurzeln bis zu den Zweigspitzen gepumpt werden. In nördlicheren Gegenden, wie zum Beispiel Finnland, findet dieses Frühlingserwachen sogar ein wenig später statt, zwischen April und Ende Mai. Es heißt sogar, dass wer in diesem Zeitfenster an einem stadtfernen ruhigen Ort sein Ohr an den Stamm einer Birke hält, die Säfte rauschen hören kann.
Wer in dieser Zeit die Rinde anbohrt, muss nicht tief sein, und einen Strohhalm mit einem Einweckglas (Banka) anbringt, kann täglich bis zu drei Liter Birkensirup aus einem Baum rausholen. Sobald sich die Blattknospen öffnen, ist’s vorbei mit der Ausbeute.

Colditz, Birkensafternte
Es gibt übrigens auch schonendere Weisen den Saft zu gewinnen als die Stammmethode

Der Saft schmeckt leicht süßlich und ist leider nicht besonders gut haltbar. Er verdirbt schnell an der Luft.
Die Varianten, die man hier und heute im russischen Supermarkt oder der Auslandsabteilung der Discounter kaufen kann, sind oft mit viel Zucker oder Minze versetzt. Das ist schade, denn der eigentliche Birkensaftgeschmack ist sehr besonders und mit keinem anderen Saft vergleichbar. Der Zucker dient wohl der Konservierung…

Aber Birkensaft ist nicht nur lecker und erfrischend, er soll auch sehr gesund sein. Der Baum transportiert eben nach einem langen Winterschlaf nicht nur Flüssigkeit, sondern auch jede Menge Mineralstoffe, Aminosäuren und Spurenelemente in seine Äste und Zweige. Es ist zwar nicht durch große wissenschaftliche Untersuchungen belegt, aber es heißt, dass dieses Getränk den Organismus sanft durchspült und entwässert, nicht umsonst hat die Birke den Beinamen „Nierenbaum“.

Die Zeitschrift Brigitte preist ihn als Alternative zu Energy-Drinks und Mineralwasser (dann aber sicher die zuckerfreie Sorte): http://www.brigitte.de/figur/ernaehrung/birkensaft-1207612/

Das ist toll, denn je mehr Publicity er bekommt, desto leichter kann ich ihn bekommen. Und muss nicht darben. Denn auch ich bin eine, die den Birkensaft sehr liebt.

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Autor: Scherbensammlerin

Zwei Länder - verschiedene Identitäten - viele Sichtweisen. Ich sammle Informationsscherben über die Vergangenheit und Gegenwart und füge sie zu einem Mosaik aus Worten und Bildern.

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