Ein bißchen Frieden – Ukraine fehlt und Russland siegt, naja fast…

Ich wollte nur kurz mal reinzappen, aber der Contest hat mich doch in seinen Bann gezogen. Spannend fand ich, dass diesmal soziale und politische Themen durchblitzten. So wie bei dem Lied der ungarischen Sängerin, die sich mit ihrer Friedensbotschaft eindeutig auf den Ukraine Konflikt bezog, ebenso wie das Lied „One Million Voices“ von Polina Gagarina aus Russland.
Lange Zeit sah es so aus, als würde ihr Beitrag von den Wählern honoriert werden, möglicherweise genau wegen dieser Message. Russland bekam ständig hohe Punktzahlen – Ungarn seltsamerweise gar nicht…

Dennoch wird das russische Team dieses Jahr den Grand Prix d’Eurovision nicht mit nach Hause nehmen, auch wenn es lange Zeit den Anschein hatte, doch irgendwann hat sich das Blatt gewendet und Måns Zelmerlöw konnte sich mit seiner multimedialen Performance auf dem ersten Platz halten und wurde Sieger. Hoffentlich nicht nur wegen der atemberaubenden Spezialleffekte.

Dabei hat Polina Gagarina doch alles gegeben, ihr Kleid verfügte sogar über den für das diesjährige Grand Prix typischen keilförmigen Ausschnitt, der knapp vor dem Bauchnabel aufhört, kombiniert mit einem überlangen bauschigen Rock – Le Dernier Cris beim Grand Prix. (Anne Sophie aus Hamburg zeigte übrigens genau denselben Ausschnitt und landete – unverdient? – auf dem vorletzten Platz.)

Polina Gagarina mit ihrem Song  - One Million Voices
Polina Gagarina mit ihrem Song – One Million Voices

Ich will nicht unken, obwohl mich die Emotionalität, die Gagarina am Ende ihres Auftritts und vor allem im „green room“ an den Tag legte, als sie eine reelle Chance auf den ersten Platz hatte, etwas unangenehm berührt hat. Zugegeben, sie hat nicht ein leichtes Liebeslied, sondern ein Anti-Kriegslied gesungen. War das ein wagemutiges politisches Statement?

Manchen Kommentatoren stößt es beim diesjährigen Grand Prix sogar auf, wenn ‚die russische Kandidatin über Neustart und Hände, die sich verbinden singt, während in der Ostukraine Separatisten Regierungstruppen bekämpfen.‘

Der Journalist Karoun Demirjian schreibt beispielsweise in der Washington Post:
And when sanctions and diplomacy won’t do, Europe can always be trusted to settle its political scores in the arena of an annual singing competition.
Frei übersetzt: Wenn Sanktionen und Diplomatie nicht greifen, kann man davon ausgehen, dass Europa seine politischen Probleme in der Arena eines jährlichen Gesangswettbewerbs löst.

Hier geht’s weiter zu seinem post…

Eine junge Mutter (das hat der Kommentator einzig bei ihr extra betont), die ein Lied gegen den Krieg singt, den ihr eigenes Land gegen ihr Nachbarland führt. Das hat ihr nicht wenige Sympathien gebracht. Und ich kann verstehen, dass es für sie ziemlich aufwühlend gewesen sein muss. Aber in diesem Glamour-Dom schien es irgendwie fehl am Platz. Sogar der armen Conchita Wurst, die sich kurzzeitig neben sie gesetzt hatte, um ein wenig zu plaudern, war diese tränenreiche Gefühlsdemonstration nicht ganz geheuer und sie verzog sich recht schnell wieder.

Mir hat das Aufeinandertreffen von Ukraine und Russland bei diesem Contest gefehlt, aber die Ukraine hatte keinen Vertreter geschickt, und ich meine sogar, dass Kiew beim Voting gefehlt hat. Ist etwa der Krieg dafür verantwortlich, dass das Land vom Grand Prix ausgeschlossen wurde? Oder war ich einfach nur so k.o. an diesem Abend, dass ich den Punktegeber aus der Ukraine verpasst habe? Nein, bei Wikipedia ist zu lesen:

Währenddessen bleibt die Ukraine der Veranstaltung aus finanziellen Gründen und aufgrund der aktuellen Situation im Land fern.

Mit einem Verweis auf eine weitere Wiki-Seite, mit dem Titel: Krieg in der Ukraine seit 2014.

Schade. Bestimmt hätte die Ukraine dieses Jahr viele 12 Points gekriegt. Mit oder ohne tiefen Ausschnitt. Es wäre doch eine Sensation, wenn sie gewonnen hätten und 2016 die Schow auf dem Maidan stattfinden würde. Das wäre ein politisches Statement. Aber nein, lieber umschiffen wir das minenreiche Gewässer und die Ukraine ist gar nicht erst dabei.

Der russische Telefonkandidat war jedenfalls mehr als peinlich. Er hat sich gemeldet mit einem fröhlichen: Hello Europe, this is Mother Russia speaking. Was angesichts der ganzen osteuropäischen und baltischen Interpreten und der Teilnehmer vom Balkan so ziemlich unangebracht war. Und dann hat dieser Witzbold noch gesagt seine Douze Points, die Twelve Points go to … Russia! Bevor er sie doch Italien mit ihrer schmelzigen Klassik-Pop-Ballade zugesprochen hat. Haha!

 

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Autor: Scherbensammlerin

Zwei Länder - verschiedene Identitäten - viele Sichtweisen. Ich sammle Informationsscherben über die Vergangenheit und Gegenwart und füge sie zu einem Mosaik aus Worten und Bildern.

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