Aussiedler-Witz: Rettich

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Хрен – ein Gemüse mit vielen Konnotationen.

Neulich ist meine Bahn ausgefallen und ich sollte, um nicht auf die Regionalbahnen ausweichen zu müssen, ein neues Ticket kaufen, das doppelt so teuer war wie die ganze Fahrt zuvor. Aber anstatt mich aufzuregen, habe ich nur debil gelächelt und während der gesamten Fahrt ab und zu laut aufgelacht, die ganzen fünfeinhalb Stunden lang. Der Grund, nein nicht ein neuer Drogencocktail, sondern das Anekdotenbuch von Papa Schulz. Besser als jede chemische Substanz.

Als ich das erste Mal Witze daraus vorgestellt habe, habe ich schon geschrieben, dass sie für Einheimische und für Russen eigentlich nicht zu verstehen sind. Man braucht ein Sprachen- und Mentalitätenmischmasch wie ihn Aussiedler oder länger hier lebende Menschen aus der russischen Föderation haben. Aber vielleicht geht es ja doch?

Hier ein Beispiel:

У немца с русским возник конфликт, позвали переводчика.
– Эр хат майне Ур гекляут, – возмущается немец.
– Вы украли у него часы? – спросил переводчик.
– Нужны они мне? – ответчает русский.
– Эр браухт ди Ур. – перевёл переводчик.
– Данн золь эр зи бецальен, – ответчает немец.
– Вы должны ему за них заплатить деньги, – перевёл переводчик.
– Здрасьте, я ваша тётя! – засмеялсья русский.
– Эр хат гезагт, эр ист Ир Фервандтер, – перевёл переводчик.
–  Данн золь эр ди Хельфтэ бецальен, – настаивает немец.
– Заплотите ему половину, он согласен. – перевёл переводчик.
– А хрена он не хочет? – спросил русский.
– Эр виль мит Гемюзэ вецален, – перевёл переводчик.

 

Nun hat sich der Übersetzer in dem Witz soviel Mühe gegeben und alles plichtschuldigst übersetzt und es kommt nur Grütze dabei raus:

Ein Deutscher und ein Russe haben einen Konflikt, man ruft den Übersetzer.
– Er hat meine Uhr geklaut, empört sich der Deutsche.
– Haben Sie seine Uhr geklaut, fragt der Übersetzer.
– Brauch ich sie?,  antwortet der Russe.
– Er braucht die Uhr, übersetzt der Übersetzer.
– Dann soll er sie bezahlen, antwortet der Deutsche.
– Sie müssen ihm dafür Geld geben, übersetzt der Übersetzer.
– Tagchen, ich bin deine Tante, lacht der Russe.
– Er hat gesagt, er ist Ihr Verwandter, übersetzt der Übersetzer.
– Dann soll er die Hälfte bezahlen, insistiert der Deutsche.
– Zahlen Sie ihm die Hälfte, er ist einverstanden, übersetzt der Übersetzer.
– Und Rettich will er nicht?, fragt der Russe.
– Er will mit Gemüse bezahlen, übersetzt der Übersetzer.

 

 

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Autor: Scherbensammlerin

Zwei Länder - verschiedene Identitäten - viele Sichtweisen. Ich sammle Informationsscherben über die Vergangenheit und Gegenwart und füge sie zu einem Mosaik aus Worten und Bildern.

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