Kaltbrand

Die Herkunft ist ein brennender Stempel. Manche von uns tragen ihn mitten auf der Stirn, andere tragen ihn auf der Zunge. Und wieder anderen ist er ins Herz geprägt.

Dort ist er zwar nicht so deutlich zu sehen, wird von anderen Einflüssen überlagert, verwaschen von neuen Erlebnissen, aber er drückt sich dennoch tief ein. In die Gefühle, in die Handlungen und ins Gesagte. Ein feinstoffliches Permanent-Tattoo. Niemand kann es weg lasern lassen.

Maori Moko
Maori Moko – das Gesichtstattoo macht eine Zuordnung erst möglich.

Wir können uns noch so gut integrieren, uns verleugnen, andere Identitäten überstreifen. Die vernarbte Stelle bleibt auf Dauer – sichtbar oder unsichtbar. Selbst wenn jemand sagt, meine Herkunft ist mir egal.

Und doch.

Ich müssen sie nicht wie einen Banner vor uns hertragen. Sie soll uns nicht blind leiten, nicht vor sich her treiben wie eine Sucht. Sie ist da, begleitet uns, bleibt auf ihrem Platz, irgendwo im Hintergrund. Bildet die Kulisse nicht die Handlung.

Und doch.

Mit dem Wechsel in einen anderen Sprachraum werde ich ein kleines Stück zu einem anderen Menschen. Fast unmerkbar. Das ist ein Paradox.

Same, same but different.

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Autor: Scherbensammlerin

Zwei Länder - verschiedene Identitäten - viele Sichtweisen. Ich sammle Informationsscherben über die Vergangenheit und Gegenwart und füge sie zu einem Mosaik aus Worten und Bildern.

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