Mein Lied zur Blogparade

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Madame Flamusse hat mich freundlicherweise eingeladen, an einer Blogparade zum Thema Schreiben teilzunehmen. „Schreib an dich“ war der Titel. Mehr Infos dazu hier, im Blog “reingelesen“ (https://reingelesen.wordpress.com/2016/05/15/blogparade-erster-teil-verlosung/#comment-885)

Und das ist mein Lied dazu:

Melittas Klagegesang

Ich schreibe. Ich schreibe es. Ich schreibe es mir von der Seele.
Das Lied der hunderttausend Dinge.
Der Alltag diktiert mir seine Noten in meine Füllfeder. Laut. Bohrend.
Wie die Baustelle vor meinem Fenster.
Note für Note.
Lässt es mich nicht in Ruhe.
Not für Not.
Die Stimme aus der Tiefe.
Von ganz unten.
Von dort, wo es lauert.
Nicht Geröll, sondern dieses andere. Wie war das noch?
Gallert. Wessen Wort war das noch?
Diese schwarze Gedankenschlacke fließt in meine Kladde, direkt aus meinem Kopf.
Hauptsache raus aus dem System.
Nachts klopft es wieder an, schleicht um mein Bett. Zur Wolfsstunde heult es in mir auf.
Wenn das dunkle Tier sich an mich schmiegt, schwer und drückend, laufen die Worte wie von selbst über die Seiten.
Trippelnd, fast ohne das Papier zu berühren. Liniert, kariert, weiß, beige, egal.
Ich kann nur schreiben, wenn ich unglücklich bin.
Wer hat das gesagt? Eine Seele mit Verwandtschaftsgrad.
Das Ergebnis eines langen Lebens.
Lauter Tagebücher.
Laute Klagebücher.
Die ich fülle.
Mit nutzlosem Kram.
Mit dem, was mich aufhält und belastet.
Heute Nacht noch in den Hirnwindungen, morgen schon auf den Morgenseiten.
Meine Morgenpost und mein Abendblatt, mein Abo mit brandneuen Uraltgeschichten.
Nur raus damit.
Alles, was nicht Miete zahlt, muss raus. Das weiß doch jedes Kind.
Rrraus damit, rrrreicht nur nicht. Wort für Wort. Seite um Seite. Kladde nach Kladde.
Wenn wieder ein Karton voll ist, wird er unters Regal geschoben.
Das gibt ein schönes Freudenfeuer, nächstes Jahr zu Ostern.
Wenn nicht der Wind mir wieder einen Strich durch die Rechnung macht.
Den Schlussstrich, der keiner ist.

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Autor: Scherbensammlerin

Zwei Länder - verschiedene Identitäten - viele Sichtweisen. Ich sammle Informationsscherben über die Vergangenheit und Gegenwart und füge sie zu einem Mosaik aus Worten und Bildern.

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