Spruch der Woche: Kater Wassjka

Kot i Powar, Illustration von Aleksandr Deineka, 1922
Kot i Powar, Illustration von Aleksandr Deineka, 1922
А Васька слушает, да ест. Doch Wassjka hört zu und isst weiter.

Der Satz stammt aus einer Fabel von Iwan Andrejewitsch Krylow aus dem Jahr 1812 und ist ein geflügeltes Wort dafür geworden, stillschweigend in seinem Tun fortzufahren. Gegen alle Anfeindungen oder Widerstände. Die Fabel handelt davon, wie ein Koch in die Kneipe geht und den Kater Wassjka in der Küche lässt, damit er die Mäuse verjagt. Der jedoch macht sich selbst über das Essen her. Als der Koch zurückkehrt und das sieht, lässt er eine Schimpftirade auf den Kater los. Nennt ihn Dieb, nennt ihn Verderbnis, nennt ihn Pest und offenes Geschwür.

Dieser jedoch lässt sich nicht beirren und fährt fort, bis er das komplett Huhn verputzt hat.

Der Kater hört zu und isst.

Viele Kater heißen heute Wassjka und dieser Spruch ist Teil der russischen Kultur geworden. Nur keine Reaktion zeigen und sein Ding durchziehen. Halt mal, wird asiatische Verschlagenheit nicht auch so beschrieben? Die Katzenhaltung bewahren. Jetzt wissen wir wer schuld hat: Kater Wassjka!

Nett ist er ja wirklich nicht: er nimmt den Koch nicht ernst. Und er ist ein Dieb.

Aber uns täte im übertragenen Sinn etwas von Wassjkas Seelenruhe gut. Nicht beirren lassen, nicht stören lassen von Anfeindungen, von lautem Geschimpfe in der Welt.

Gilt auch für Kritik. Nicht aufbegehren und kämpfen, einfach weitermachen und alles an sich abprallen lassen.

Ist das nun Subversion oder Passivität?

Subversion oder schnödes Ignorieren des anderen?

Egal, einfach hinhören und weiter schmausen. Zum einen Ohr rein und zum anderen raus.

Manchmal tut das gut.

Autor: Scherbensammlerin

Zwei Länder - verschiedene Identitäten - viele Sichtweisen. Ich sammle Informationsscherben über die Vergangenheit und Gegenwart und füge sie zu einem Mosaik aus Worten und Bildern.

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