Jeden Tag ein Gedicht – 5. März

Heute das Gedicht, Fotografie (Фотография) von Eduard Sprink, ursprünglich auf Russisch verfasst.

Wie es bei Menschen üblich ist, die aus und in mehreren Kulturen leben, vollführt es eine Wanderung durch drei Sprachen. Hier zeigt sich seine Übersetzung aus dem Russischen ins Deutsche, dann ins Englische und danach aus dem Englischen nochmals ins Deutsche:

Фотография

На месте, где была картина,
квадрат невыгоревших обоев.

Запылившиеся его контуры
обрамляют фотографию Времени.

Эдуард Шпринк


Foto

Dort, wo das Bild hing,
blieb ein helles Quadrat Tapete zurück.

Seine verstaubten Konturen
umrahmen die Fotografie der Zeit.

Übersetzung: Klaus Kleinmann


Photograph

here where the picture used to hang,
there is now a square of unfaded wallppaper.

its dusty contours
frame the photo of Time.

Translation:   Irina Kheyfetz

***

Fotografie

Hier, wo das Bild immer hing
ist nun ein Quadrat nicht verblasster Tapete.

seine verstaubten Konturen
umrahmen das Foto der Zeit.

Übersetzung: Andrea Lamey

 Mehr Lyrik von Eduard Sprink hier auf diesem Blog.

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Autor: Scherbensammlerin

Zwei Länder - verschiedene Identitäten - viele Sichtweisen. Ich sammle Informationsscherben über die Vergangenheit und Gegenwart und füge sie zu einem Mosaik aus Worten und Bildern.

11 Kommentare zu „Jeden Tag ein Gedicht – 5. März“

  1. Mit Freude lese ich deine Gedichtreihe. Heute tut es mir leid, dass ich das russische Original nicht verstehe – gerne würde ich die in Nuancen unterschiedlichen Übersetzungen mit dem russischen Text vergleichen und meine eigene Version verfassen können …

  2. Habe ich mich auch schon gefragt. Ist es nicht so, dass wenn Bilder abgehängt werden, darunter die Tapete dunkel ist statt hell? Und die Wand drumrum heller?
    Mir gefällt die erste Übersetzung eigentlich gut, aber wegen dieses Details, vielleicht doch die zweite. Also die zweite deutsche Variante.

  3. Danke! Ich glaube schon, dass es stimmt mit dem verblichenen Viereck. Es kommt natürlich auf die Wohnsituation an. Wenn du mit Holz oder Kohle heizt, wird die Tapete rußig werden, auch in Städten mit starkem Verkehr. Die Tapete unter dem Bild bleibt, wie sie war, in dem Fall eben hell.

  4. Im Original steht невыгоревшие, das ist so etwas wie nichtausgebleichte. nicht von der Sonne verbrannte oder so. Das lässt den Kehrschluss zu, dass das Quadrat unter dem Bild dunkel geblieben und der Rest hell geworden ist. Vielleicht ist dieses Zimmer irgendwo, wo die Sonne knallt?
    Aber schau, wie wichtig so Details sein können…

  5. Ja, solche Details machen eigentlich das Gedicht aus. Man kann sich sonst das milieu gar nicht vorstellen, in dem dieses Leben geführt wurde. „Quadrat“ hat mich auch stutzig gemacht. Ist es Quadrat oder Viereck? Bilder sind ja selten quadratisch.

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