Sibirische Kälte

Sobald sich eine Welle mit Schnee und Kälte über unser Land legt, wird von sibirischen Winden geredet, die uns angeblich heimsuchen. Dabei kommt sibirische Kälte bei uns hier im Norden Deutschlands nicht wirklich an. Und auch kein Schnee, höchstens ein paar Flocken.


Ist schonmal jemandem aufgefallen, dass in jeder Gruppe aus Russlanddeutschen mindestens einer oder eine aus der Gegend von Omsk kommt? Vielleicht bin ich besonders hellhörig in dieser Hinsicht, aber Tatsache ist, es stammen relativ viele von dort.

Weshalb ich darauf komme? Weil es einen Blog über Sibiriendeutsche gibt, der diejenigen anhand von Interviews und Portraits präsentiert, die in Sibirien leben oder aus Sibirien stammen.

Land und Leute aus einem besonderen Blickwinkel: http://sibiriendeutsche.tumblr.com

Ins Leben gerufen hat ihn eine junge Frau aus Österreich. Magda Sturm hat in Wien Vergleichende Literaturwissenschaft und Slawistik studiert. Und als vor einigen Jahren eine Stelle als Redakteurin (des Instituts für Auslandsbeziehungen) in Omsk ausgeschrieben war, hat sie sich kurzerhand beworben. Aus einem Jahr Aufenthalt sind nunmehr fast vier geworden.

Sie schreibt für deutschspachige Zeitschriften in Russland, arbeitet als Kulturvermittlerin und betreibt in ihrer Freizeit den Blog.

Viele Gesichter tauchen hier auf, viele Leben werden erzählt. Manche der Portraitierten halten die Kochkunst ihrer russlanddeutschen Großmütter in Ehren und machen ihrerseits einen Blog mit russlanddeutschen Gerichten, andere forschen zu ihren Wurzeln und wieder andere, meist die ältere Generation, erzählt aus einer vergangenen Epoche.

In einem Interview kommt aber auch der Hamburger Fotograf Jörg Müller zu Wort, den ein Fotoprojekt zu deutschen Auswanderern des 19. und 20. Jahrhunderts in das sibirische Dorf Litkowka geführt hat.

Seit mehr als zwei Jahren ist der nun Blog online und wächst stetig, seit Herbst 2018 ist er  kein reines Freizeitprojekt mehr, sondern ein offizieller Bestandteil von Magdas Arbeit für das Institut für Auslandsbeziehungen. Seitdem führt sie auch Workshops im Deutsch-Russischen Haus in Omsk durch: mit Schülern, Studenten und demnächst voraussichtlich auch mit Kindergartenkindern, die in dieser Institution Deutsch lernen.


Historisches, Kulinarisches oder einfach nur Menschliches ist auf dem Blog zu finden. Es ist spannend, dass unter den Deutschstämmigen in Sibirien eine Rückbesinnung auf die deutsche Kultur stattfindet und zwar auf die alte Dörfliche kultur ihrer Ahnen. Aus der Ferne wirkt es wie ein Kultur-Konzentrat. Vergleichbar einem dickflüssigen Sirup, wobei wir wieder bei Rezepten wären.

Russlanddeutsche Schnitzsuppe mit Trockenfrüchten. Foto: EckArtRezept (zum YouTube-Video)

Mini-Interview mit Magda Sturm

Magda Sturm 2017 bei einer Ausstellung über die Urvölker Sibiriens.


Ich fragte sie nach kulturellen Unterschieden, denen sie in Sibirien begegnet sei. Ihre Antwort:

Nachdem ich vor meinem Sibirien-Aufenthalt schon ein halbes Jahr in Krasnodar war, und Moskau und Sankt Petersburg besucht hatte, sind mir kulturelle Unterschiede nicht mehr so stark aufgefallen. Und je länger ich in Omsk lebe, desto schwerer fällt es mir auf diese Frage zu antworten. Bei meiner ersten Russlandreise schien mir schon, dass man in Russland im öffentlichen Raum erst mal reservierter ist, weniger lächelt und nur dann offener wird, wenn man jemanden besser kennt. Aber eine gewisse Grantigkeit sagt man ja auch den Wienern nach.

Am Anfang war ich es zum Beispiel nicht gewohnt, dass Telefonate so abrupt enden. Nach einem »Davaj, davaj« oder »Choroscho« ist schon alles gesagt. Ich habe am Anfang ein paar Mal irritiert aufs Handy geschaut, ob mein Gesprächspartner denn wirklich schon aufgelegt hat. Auch die E-Mails sind weniger ausgeschmückt, weniger Höflichkeitsfloskeln und Konjunktive. Der Inhalt beschränkt sich einfach auf die wesentliche Information. Und anfangs fand ich etwas gewöhnungsbedürftig, dass Männer Männern beim Grüßen die Hand reichen, es aber nicht üblich ist, dass Männer Frauen die Hand reichen. Aber inzwischen fällt mir das alles gar nicht mehr auf.  Mir sind in Russland jedenfalls schon viele sehr gastfreundliche Menschen begegnet.

Dass ich russischer geworden bin, glaube ich aber nicht. Ich bin nur insofern sibirischer, als ich in Österreich manchmal aus Gewohnheit viel zu warm eingepackt aus dem Haus gehe. Es ist schon etwas dran an dem Spruch »Ein Sibirier ist nicht jemand, der nicht friert, sondern jemand, der sich einfach gut anzieht.« Je länger ich hier bin, desto wärmer ziehe ich mich an.

Und auf die Frage danach, was sie mitnehmen wird, wenn sie wieder zurückkehrt antwortet sie:

Als Nicht-Kaffeetrinkerin gefällt mir die Teekultur in Russland. Seit ich in Russland bin, trinke ich viel lieber offenen Tee als den in Päckchen. Das macht schon viel Unterschied. In den russischen Cafés käme niemand auf die Idee eine Tasse heißes Wasser und einen Teebeutel zu servieren. Besonders die Teejurten in Sibirien mag ich. Ich hatte während meiner Zeit in Potsdam bei Berlin schon öfter die Tadschikische Teestube in der Oranienburgerstraße besucht. Die Atmosphäre dort fand ich einfach toll. Und die Teejurten in Omsk und Nowosibirsk sind auch sehr gemütlich, richtige Oasen. Man zieht die Schuhe am Eingang aus, sitzt auf dem Boden auf Polstern, trinkt Tee, isst Petschenje, hört ethnische Musik – dort kann man richtig gut entspannen.

In der Jurte. Foto: Magda Sturm

Man hört in der Omsker Teejurte zum Beispiel Musik von Radik Tyulyush, einem tuwinischen Kehlkopfsänger, den ich auch mal bei einem Konzert in Omsk gehört habe. Seine Musik und die seiner früheren Gruppe Huun-Huur-Tu gefällt mir sehr gut.

Obwohl mir als Österreicherin die Berge in Omsk und Umgebung fehlen, finde ich auch die Steppenlandschaft total schön. Es ist faszinierend, wie lange man mit dem Zug durch die Landschaft fahren kann und man sieht nichts als schnurgerade Straßen, endlos weite Steppe, nur ein paar Birkenbäumchen. Und ich mag den Winter in Sibirien mit dem vielen Schnee und Eis total gern. Ich nehme auf jeden Fall alle gefütterte Kleidung nach Österreich mit, die ich mir hier gekauft habe. Die trotzt auch mal minus 40 Grad.

Tee in einer Jurte. sehr sibirisch und sehr gemütlich. Foto: Magda Sturm
Kleines Extra zum lauschen, Sibiriendeutsche auf Deutschlandfunk

Gut einhundert Jahre nachdem die ersten deutschen Siedler nach Russland ausgewandert waren, wurde 1893 das erste deutsche Dorf in Sibirien gegründet. Es waren also schon Siedlungen da, bevor die Deportationswellen weitere hundertausend Menschen aus den Kolonien an der Wolga und aus dem Kaukasus und Repatrianten aus der Ukraine hierherspülten.

Ende letzten Jahres hat sich der Deutschlandfunk in einer Sendereihe mit Sibiriendeutschen beschäftigt. Einige sehr schöne Kurzfeatures von Frederick Rother sind hierbei entstanden. Wer möchte kann da reinhören, der Anmach-Button ist unten rechts am Foto. Ich hoffe, diese Sachen sind noch länger aus Sendung:

1. Das deutsch-russische Haus in Omsk

2. Bruno Reiter, Landrat im Gebiet Assowo

3. Alexandrowka, das erste deutsche Dorf in Sibirien

4. Eine deutsche Bäckerei in Sibirien

5. Sergej, der Rückkehrer

Mit Minus vier Grad herrscht heute keine sibirische Winterkälte bei uns. Es ist höchstens so, wie im Gebiet Omsk Ende Oktober.

Übrigens können die Sommer in Sibirien ziemlich heiß werden, bis zu 35°. Kontinentalklima eben. Aber wenn heuer wieder so ein heißer Sommer kommt wie letztes Jahr, wird sicher niemand bei der Wettervorhersage von sibirischer Hitze sprechen. So viel sei gewiss.

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Schule machen – mBook über Russlanddeutsche

Mitte März ist ein multimediales Schulbuch (daher auch das kleine m vor dem Book) erschienen, das mBook russlanddeutsche Kulturgeschichte. Es ist kostenfrei und ohne zusätzliche Software im Internet abrufbar und besteht aus neun Kapiteln, darunter zum Beispiel Der Mensch als Wanderer, Identitäten und Heimaten oder Russen und Deutsche. aufgerufen kann es einfach werden unter: http://mbook.schule

Mit Fangfragen wie dieser wird der wissenschaftliche Grundton etwas aufgelockert:

Die Inhalte sind vielfältig und weit gestreut: es werden Vorurteile  behandelt aber auch gewichtige Fragen aufgeworfen wie: Sind Identitäten frei wählbar oder festgelegt? Mein Lieblingskapitel ist natürlich 6.4 Der Große Terror und die ‚5. Kolonne‘. Die einschneidenden Jahre 1937 und 1941 werden hier besprochen. Spannend: das Kapitel darüber, wie die Deutschen in Russland 1941 zwischen die Fronten geraten, führt zu einer Diskussion über die Doppelstaatlichkeit heute. Aktuelle Bezüge fehlen also nicht.

In dem Abschnitt Heimat geht durch den Magen sehen wir der Redaktion dabei zu, wie sie einen Borsch‘ nach dem Rezept der russlanddeutschen Oma Berg zubereitet und im Unterkapitel Kleider machen Leute werden in einer Modenschau unter anderem Fufaikas vorgeführt, das sind wattierte Jacken, die von den Lagerinsassen im Winter getragen wurden. Neben den Rüschenkleidern des 19. Jahrhunderts kommen auch Bastschuhe vor, sogenannte Lapti. In Russland seit je her typische Armeleute-Schuhe. Die Arbeit an dem Lernbuch war ein Work in Progress: während der Recherchen im Museum in Detmold entdeckt das Team im Archiv einige alte Kleidungsstücke und die Idee für die Moderstrecke wird geboren.

In multimedialen Einsprengseln, Videos und Audio-Aufnahmen kommen Personen zu Wort, wie die ehemalige Leiterin des Museums für Russlanddeutsche Geschichte Katharina Neufeld oder der Vorsitzende der Landsmannschaft in NRW Alexander Kühl. Die Redaktion spricht also nicht nur von Russlanddeutschen, sondern hat auch mit ihnen gesprochen. Überhaupt waren die Recherchen sehr umfassend – das Institut für digitales Lernen hat seit 2015 an diesem mBook gearbeitet. Ganz unten auf einer Einleitungsseite stellen sich die Autoren und die Autorin vor und berichten darüber, wie sie an das Thema herangegangen sind und was es bei ihnen ausgelöst hat.

Es wird schnell deutlich, dass es trotz wissenschaftlicher Herangehensweise nicht nur um historische Fakten geht, sondern die Geschichte in einen größeren Kontext eingebunden wird. Anhand des Schicksals dieser hin und her gebeutelten Volksgemeinschaft werden Themen behandelt, die weit mehr Menschen betreffen und universell sind.

Marcus Ventzke, einer der Autoren des mBooks, schreibt im Blog Multimediales Lernen dazu: die Geschichte der Russlanddeutschen enthält viele Orientierungsanlässe, um über die Grundfragen menschlichen Lebens und Zusammenlebens nachzudenken. Frieden und Krieg, Freiheit und Unterdrückung, Konflikt und Ausgleich, Sesshaftigkeit und Migration, Diktatur- und Demokratie-Erfahrungen: all das sind Themen, die weit über die Geschichte der Russlanddeutschen hinausgehen und daher für alle Lernergruppen interessant sind.

Fehlt was?

Nicht alle scheinen glücklich mit dem Ergebnis zu sein. Ein russlanddeutscher Historiker, Dr. Hist. Alex Dreger, kritisiert das Projekt, in dem er auf Ungenauigkeiten hinweist und den Autor*innen Verallgemeinerungen vorwirft. (Einige seiner Hinweise wurden sogar schon in das mBook aufgenommen, denn da es digital ist, kann es nachträglich verändert werden.)

Herr Dreger hängt seine Kritik hauptsächlich an der Frage auf, wer die Russlanddeutschen wirklich seien. Natürlich keine Russen und keine Migranten, sondern Deutsche. Diese Tatsache würde ihm wohl noch zu wenig betont. Möglicherweise entspricht die Einstellung der Redaktion zum Thema Nationalität und Nationalstaat nicht seinen Vorstellungen.
Das ist wohl ein grundsätzliches Problem und würde zu weit führen, es in einem Satz abzuhandeln oder gar zu lösen.

Es ist wohl schwerlich zu erwarten, dass in einem Schulbuch alle Feinheiten der Geschichte, alle Kontroversen und alle Widersprüche und Seitenwege auftauchen. Es ist ein didaktisches Werk für Jugendliche und kann nicht umfassend sein. Es vermittelt. Und es muss so gestaltet sein, dass es anspricht und nicht durch Bleiwüsten anödet. Das wirkt bei Eingeweihten dann vielleicht wie eine Verallgemeinerung.

Im mBook werden zum Beispiel Vorurteile gegenüber Russen aufgeführt. Zurecht wie ich finde, denn nicht selten werden wir mit ihnen in einen Topf geworfen. Herr Dreger fürchtet, dass das Aufgreifen der Vorurteile (insbesondere des des Wodkakonsums) ein falsches Licht auf die Russlanddeutschen wirft und den russlanddeutschen Schülerinnen und Schülern eher mehr Anfeindungen bringt als weniger.

Anstatt zu würdigen, dass sich ein Team hingesetzt hat und sich über Jahre mit unserer Geschichte auseinandergesetzt und ein qualitativ so hochwertiges Ergebnis präsentiert, krittelt er an Kleinigkeiten herum.
Möglicherweise braucht es ein eigenes Buch, um die Bereitschaft von ehemals unterdrückten Minderheiten zu beschreiben, sich latent mißverstanden und ignoriert zu fühlen und hinter jeder Hecke eine Beleidigung und mangelnde Wertschätzung zu wittern. Dieses Phänomen resultiert wohl aus einem kollektiven Trauma, dass diese Minderheit erlebt hat. Aber auch die Beschäftigung mit diesem Thema würde die Kapazität eines Schulbuches sprengen.

Die Macher*innen des mBooks stellen jedenfalls Stereotype über Deutsche mit denen über Russen gegeneinander. In Kapitel 2.2 heißt es:

Ein weiteres Stereotyp über Russen lautet, dass sie eher nach einer starken, verbindenden Gemeinschaft streben, nicht so sehr nach dem Ausleben individueller Freiheit. Vielleicht liegt das an der Kälte und Weite des Landes oder am Kollektivdenken in der Sowjetunion; vielleicht ja auch an den gesellschaftlichen Veränderungen und Verwerfungen seit Zusammenbruch der Sowjetunion.
Viele Russen scheinen einen starken, manchmal auch übergriffigen Staat akzeptabel zu finden, solange dieser Staat das Versprechen einlöst, sich um seine Bürger zu kümmern. Gleichheit wird als gesellschaftliches Ziel höher geschätzt als Freiheit.

Ich finde die Stereotypen eher witzig und treffend, die Nähe zu Russland ist doch nicht zu leugnen. Wieso denn? Wir sind halt keine waschechten Teutonen, wenn man uns in Seifenlauge taucht, kommen ganz andere Schichten zutage. Aber die sind doch nichts, was uns peinlich sein sollte. Eher umgekehrt. Nicht nur den Hang zur Gemeinsamkeit haben die Russlanddeutschen aus Russland mitgebracht. Oder die Trinkfestigkeit. Sondern eine Angewohnheit, die im mBook unerwähnt bleibt: das Aufdrängen von Nahrung durch die Herrin des Hauses. Teller werden aufgehäuft, du kannst nicht aufstehen, bevor du platzt. Schlimm ist das! Und auch irgendwie typisch. Doch, auch das taucht auf, in Kapitel 3.4, wo gesagt wird, wenn du zu Russlanddeutschen eingeladen bist, sieh zu, dass du mit leerem Magen hingehst. Nun gut.

Meine persönlichen Nachbesserungsvorschläge wären: Begriffe wie Trudarmija oder Sondersiedlung, die im Text auftauchen und kurz erläutert werden, auch im Glossar aufzunehmen. Auf Kommunalka oder Komsomol würde ich verzichten, von mir aus. Aber Wenn schon Lapti (Bastschuhe) erwähnt werden, warum nicht auch Walenki (Filzstiefel)?

Als einer Angehörigen der betroffenen Gruppe wird mir höchstens nicht stark genug betont, dass die Deportation bis in die Mitte der 50er Jahre gedauert hat. Und danach die Menschen zwar frei ziehen konnten aber nicht mehr zurück in ihre angestammten Gebiete und nicht die Sowjetunion verlassen durften. Oh. Ich glaub, es taucht wohl auf. Weiter unten. Es ist halt auch so viel Stoff, dass ich es kaum schaffe, mich da durch zu kämpfen – allein 33 Unterkapitel und wenn man es ausdrucken würde, 470 Din A4 Seiten! (Keine Sorge, es gibt ein kurzes Erklärungsvideo, was die lila- und grünunterlegten Texte für Funktionen haben, aber für digital natives, also die meisten Schüler*innen ist das Gebilde wohl selbsterklärend.)

Orte der Verbannung multimedial erfahren

Das „mBook russlanddeutsche Kulturgeschichte“ geht auf eine Initiative des Landesbeirates für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen zurück. Aber dennoch hat kein/keine der Autor*innen einen russlanddeutschen Hintergrund. Es wird spürbar, dass hier eine Gruppe von außen beleuchtet wird. Wie durch einen Filter. Aber vielleicht ist es kein Nachteil. Sie bleiben sachlich und verlieren sich nicht in Befindlichkeiten oder Sorgen ums Nichtverstandenwordensein.

Ein Russlanddeutscher würde bestimmte Dinge kaum so formulieren: Sie besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit und dennoch beginne ich dieses Buch mit einem Kapitel über Migranten. Warum?

Um sie im nächsten Moment in einen Kontext zu stellen:

  • Erstens ist die Geschichte der Russlanddeutschen auch eine Geschichte der Wanderung. Aus ganz unterschiedlichen Gründen haben Russlanddeutsche immer wieder ihren Wohnort verlassen (manchmal freiwillig, manchmal gezwungenermaßen), um an einem anderen Ort zu leben. Um diese Geschichte zu verstehen, brauchen wir die Begriffe, die ich in diesem Kapitel vorgestellt habe. 
  • Zweitens sind die Russlanddeutschen heute in Deutschland oft in Situationen, in denen sie sich mit dem Begriff ‚Migrationshintergrund‘ auseinandersetzen müssen. Sie müssen oft einen Kampf darum führen, als ‚richtige Deutsche‘ akzeptiert zu werden. Diese Erlebnisse teilen sie mit den Nachkommen von Migranten, die seit ihrer Geburt in Deutschland leben.  

Auch ich hätte einiges sicher anders verfasst, unter das Foto der Bastschuhe hätte ich geschrieben:

Solche Lapti trugen die Sondersiedler im Sommer, bei Minus 40° hatten sie Walenki, gewalkte Filzstiefel. Was glauben Sie, wie viele Zehen da trotzdem abgefroren sind. Einmal das war schon in den Siebzigern und Sondersiedlungen längst aufgelöst, da bin ich mit meinem Vater im Bus gefahren und habe die Galosche zu meinem neuen Filzstiefel verloren. Er musste bis ins Depot fahren und da, welch ein Wunder, hat er meine Galosche auch gefunden! Aber wir sind an diesem Tag viel zu spät zum Abendessen gekommen.

So hätt ichs gemacht!

Ich bin keine Schülerin mehr und auch keine Lehrerin. Ich habe das mBook als eine durchgearbeitet, um die es geht. Habe dabei Bekanntes entdeckt und auch neue Details erfahren. Es wurden sogar einige neuralgische Punkte berührt, mit denen ich mich gedanklich schon länger rumschlage, und zwar eher „hinten“ im Book, wobei man bei multimedialen Werken ja nicht wirklich von vorne und hinten sprechen kann. Aber in den letzteren Kapiteln, wo es um ‚russlanddeutsche Identität heute‘ geht, finde ich zwei Aussagen, die etwas, das mich umtreibt, auf den Punkt bringen:

Deutsch sein

Das klingt banal, ist es aber nicht. Für Deutsche ohne Migrationshintergrund ist das Deutschsein oft etwas nebensächliches, eher ein Randaspekt der eigenen Identität. Russlanddeutsche haben zum Deutschsein einen anderen Bezug. Über lange Zeit wurden sie (oder ihre Eltern und Großeltern) für ihr Deutschsein diskriminiert, verfolgt und manchmal getötet. Und seit ihrer Ankunft in Deutschland müssen sie darum kämpfen, als Deutsche anerkannt zu werden. Nicht als deutsche Staatsbürger – das sind sie. Aber dafür, von ihren Mitmenschen nicht länger als ‚Russen‘, sondern als Deutsche wahrgenommen zu werden.

Hier das zweite Zitat:

Opfer sein

Ein Identitätsaspekt für viele Deutsche ist es, Nachkomme von Tätern – Nationalsozialisten, Kriegstreibern, Völkermördern – zu sein. Die Russlanddeutschen zählten nun aber nicht zu den Tätern, sondern zu den Opfern der großen Verbrechen des 20. Jahrhunderts (siehe Kapitel 6). Es ist aber nicht leicht, in Deutschland über deutsche Opfer etwa des Zweiten Weltkriegs zu sprechen. Das heißt, dass russlanddeutsche Erinnerungen und Erfahrungen nur selten mitgeteilt und gehört werden.

Wobei das mit dem Opfer-Täter Prinzip natürlich nicht immer so klar ist. Aber es ist ein Schulbuch und kann nur eine gewisse Widersprüchlichkeit aufweisen. Dennoch werden hier zwei wesentliche Merkmale oder Unterschiede benannt, die die Russlanddeutschen von den Einheimischen trennen, denn sie wirken befremdlich. Das Pochen aufs Deutschtum und die Opfermentalität.

Klar würden unsere Autor*innen und unsere Historiker andere Akzente setzen, aber manchmal lernen wir mehr über uns selbst, wenn wir von außen gespiegelt werden. Und hier geschieht es mit einem wohlwollenden, respektvollen Blick. Der Schleier der Ignoranz ist zerrissen (Sorry, der Sprachschimmel geht mit mir durch!), jetzt kann ich unter die böswilligen Kommentare auf Facebook immer setzen: hier schau mal, da lernst du was. Mit einem Link oder einem Zitat.

Pastor Edgar Born in einem Videointerview

Unwissenheit schafft Vorurteile und Verstehen führt zu Verständnis. So sagt der Interviewpartner in einem Video, Pastor Edgar Born, Aussiedlerbeaftragter der evangelischen Kirche:

…unter den Jugendlichen, die mit dieses Buch mitbenutzen werden, werden Russlanddeutsche sein, die überhaupt nicht vertraut sind mit ihrer Geschichte, mit der Geschichte ihrer Volksgruppe, und die werden verstehen lernen.

Und auch die anderen, die von hier, werden vielleicht einen Grundrespekt entwickeln und hoffentlich nicht mehr vorschnell dreckige Russen oder Putinversteher rufen, nachdem sie die Zusammenhänge kennen.

Der erste Schritt in die Schulen ist geschafft! Es wurde aber auch langsam Zeit. Nun wird es sich erweisen, ob dieses mBook Schule machen wird!

Hier geht’s zur Hauptseite, von wo aus auch der Weg zum mBook nicht weit ist:
https://mbook.schule/rd/mbook/

Blog digitales Lernen:
http://blog.multimedia-lernen.de/das-mbook-russlanddeutsche-kulturgeschichte/

Endstation Leipzig

Am Dienstag vor einer Woche ist eine Delegation mit dem Kleinbus nach Leipzig gefahren. Genauer gesagt, in die Ortschaft Лейпциг im Ural, keine 300 km von Tscheljabinsk entfernt. Gestartet sind sie in Leipzig/Sachsen. Dazwischen liegen 3925 Kilometer oder 48 Stunden, wenn man die kürzeste Strecke nimmt und ohne Pause fährt.

Leipzig_Ural
Nicht täuschen lassen: dieses Leipzig liegt im Ural

Der Grund: Im ersten Leipzig steht das Völkerschlachtdenkmal, das an die Befreiungsschlacht gegen Napoleon vor rund 200 Jahren erinnert, im zweiten soll dieses Monument im Maßstab von 1:25 nachgebaut werden.

Ausgedacht hat sich diesen Nachbau in Miniatur der Filmemacher Nasur Yurushbayev zusammen mit der Leipziger Bürgerinitiative Brücke der Kulturen e.V.
Vor einigen Jahren ist er auf einer Reise durch den Ural auf dieses andere Leipzig gestoßen und hat herausgefunden, dass es anlässlich der Völkerschlacht so benannt wurde und dass einige seiner Bewohner, Kosaken aus dem Ural mitgekämpft und auch ihr Leben in der Schlacht vor 200 Jahren gelassen haben.

So kam er auf die Idee, eine Brücke zu schlagen und auch in dem kleinen Leipzig mit seinen ca. 8 km Durchmesser und 760 Seelen ein Völkerschlachtdenkmal aufzustellen, etwas kleiner natürlich. Einen Stein vom echten Denkmal hat er bereits als Grundstein aufgestellt.

Um in diesen Zeiten, die nicht gerade von warmen politischen Gefühlen zwischen Deutschland und Russland geprägt sind, ein Zeichen der Freundschaft zu setzen und auf diesen Nachbau hinzuweisen, fährt jetzt der Bus 4000 km mit den Botschaftern des Friedens an Bord. Am 11 Juli wollen sie wieder zurück sein aus Leipzig.

Hier ist eine Bildergalerie mit Eindrücken aus dem Ural.

Und hier ein Youtubefilm über das Dorf und den Denkmalbau (ca. 6 min):

Leypsig im Ural
Und hier ein Youtubefilm über das Dorf und den Denkmalbau (ca. 6 min).

 

Die junge Frau und der Fluss

  1. Mai 2015 Tver – Die britische Fitnesstrainerin, Schauspielerin und Abenteurerin Laura Kennington will in einem Kajak dem Lauf der Wolga folgen. Gestartet ist sie vorgestern in der Nähe von Tver und will im August an der Mündung zum Kaspischen Meer ankommen. Das sind insgesamt 2300 Meilen oder 3700 und ein Kilometer.
eine Frau, ein Boot - 2300 Meilen die Wolga entlang
eine Frau, ein Boot – 2300 Meilen die Wolga entlang

Kennington, die als Kind neben Hugh Grant in About a Boy vor der Kamera gestanden hat, nennt diesen Trip Caspian Challenge. Sie hat die Absicht, ganz ohne Hilfe von außen auszukommen, sie nennt es selfsufficiant, das heißt soviel wie auf sich selbst gestellt und nur mit eigenem Proviant und aus eigener Kraft heraus.

Die 28-Jährige wird täglich an die 12 Stunden paddeln und schätzt, dass sie für diese Reise ca. drei Monate brauchen wird. Also Safe the Date! Auf ihren Bericht bin ich schon jetzt sehr gespannt. Übrigens der Hintergrund dieser Reise ist ein wohltätiger Kennington sammelt Geld für Waisenhäuser.

Hier kann man ihrer Fahrt auf einer Landkarte folgen: http://z6z.co/caspianchallenge

 

70 Jahre danach – Erinnerungskultur

In diesen Tagen sind sieben Jahrzehnte vergangen, seit die deutsche Wehrmacht kapituliert hat und damit die Schrecken des zweiten Weltkriegs offiziell vergangen sind. Es häufen sich die Beiträge und Meldungen, die Thementage und Gedenkreden im Radio, in den Zeitungen im Fernsehen. Die Gedenkmaschinerie ist angelaufen.

‚Es ist alles gesagt, oder?‘ fragt Oliver von Wrochem provokativ, einer der Leiter des Seminars Täter, Mitläufer, Zuschauer in der Familie, das ich im April diesen Jahres besucht habe.

‚Medial ist das Thema präsent‘, führt er weiter aus, ‚die Gedenkveranstaltungen sind ritualisiert. Aber es gibt immer noch eine mangelnde Auseinandersetzung in den Familien. Man sieht nicht genau hin.‘

Es gäbe zwar ein großes Wissen über die Verbrechen, aber es werde nicht mit der eigenen Familiengeschichte verbunden. Doch die Teilnehmer des Seminars wollen genau das. Hingucken, weil die vorherigen Generationen nicht hingucken konnten. Um zu überleben? Vielleicht.

Nun trafen sich die Nachkommen von möglichen und tatsächlichen Tätern und Mitläufern schon zum 14. Mal auf dem Gelände des ehemaligen KZs Neuengamme. Die Teilnehmerzahlen sind steigend. Diese Veranstaltung ist im Moment noch einmalig in ganz Deutschland und wird zwei Mal jährlich, im Frühjahr und im Herbst angeboten. Das nächste Mal Anfang Oktober.

Ich war im April dort, weil ich hoffe herauszufinden, was mein deutscher Großvater im Krieg (das heißt in der Zeit nachdem er aus der Ukraine nach Deutschland geholt wurde bis zu seiner Auslieferung durch die Alliierten und der Inhaftierung in einem sowjetischen Gefangenenlager), erlebt, gesehen und getan hat. Ich habe allerdings nicht viel Hoffnung, dass ich viel in den Archiven finden werde. Es gibtzwar einige Familienerzählungen, aber, so habe ich in diesem Seminar auch mitbekommen, auf die ist nicht immer Verlass.

Ich war auch dort, weil ich gehofft habe, zu lernen wie ich mit dem, was ich rausfinden könnte, umgehen kann. Es geht mir nicht um Schuld. Es ist eh die Frage, wie viel Handlungsspielraum die einzelnen Beteiligten in solchen diktatorischen Regimes hatten. Die Frage, so lerne ich in dem Vortrag von Dr. von Wrochem, ist nicht ob, sondern warum? Leider ist es sehr wahrscheinlich, dass ich keinerlei persönliche Aufzeichnungen finde, nichts, woraus ich schließen kann, wie mein Opa damals gedacht hat.

Nochmals.

Es geht nicht um Schuldzuweisung. Obwohl ich, seit ich halbwegs erwachsen bin, ein diffuses Gefühl von Schuld mit mir trage, das ich nicht näher einordnen kann. Vielleicht möchte ich dieses Gefühl, das sich wie ein Nebel über viele Jahre auf mich gelegt hat, näher beleuchten und ihm seinen Stachel nehmen. Aus der Distanz betrachten. Auflösen.

Hilfreich finde ich Sätze, die nach Begegnungen von Menschen aus Täterfamilien mit solchen, die von den Opfern abstammen, herausgearbeitet haben.

In Hamburg gibt es diesen speziellen Dialog wohl seit 2013, als auf dem hiesigen Kirchentag der Sohn eines Polizisten aus der NS-Zeit mit der Tochter einer KZ-Insassin zusammentrafen. Aber ich meine, es gibt solche ähnlichen Treffen auch weltweit.

Im Mai letzten Jahres wurden jedenfalls bei einer solchen Zusammenkunft in Neuengamme jedenfalls Ergebnissätze formuliert, die, wie ich finde die Frage nach Schuld oder Verantwortung bündig beantworten:

Die Kinder von Tätern und die Kinder von KZ-Häftlingen müssen mit den Folgen einer Vergangenheit umgehen, für die sie keine Verantwortung tragen.

Sie können und sollten gemeinsam handeln, damit die Verbrechen, die ihre Eltern verübt haben oder erleiden mussten, sich nicht wiederholen.

Seminare wie das im April und auch Veranstaltungen wie Forum Zukunft Erinnerung, das heute und morgen auf dem Gelände von Neuengamme stattfinden, ebnen den Weg zu einer verantwortungsvollen, persönlichen Erinnerungskultur jenseits der offiziellen Verkündigungen.

Klingt pathetisch. Sorry. Ich meine einfach, es tut gut, sich mit anderen in einem geschützten Raum mit Tabu-Themen zu befassen und auszutauschen. Ich habe viel gelernt an diesem Wochenende auch wenn ich noch immer nichts Konkretes zu meiner eigenen Spurensuche gefunden habe.

Ich habe versprochen, keinerlei Details aus den sehr persönlichen Gesprächen öffentlich zu machen. Das Thema ist sensibel. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wie ich in diesem blog, der ja auch öffentlich ist, mit meiner eigenen Geschichte umgehen kann. Wie viel gebe ich preis? Es gibt Scherben, die wehtun, ihre Kanten sind scharf.
Wir werden sehen.

Mehr Infos zu den Seminaren der Gedenkstätte Neuengamme hier und hier.

Neues vom Jahr der deutschen Sprache

Hier einige aktuelle Termine für das Jahr der deutschen Sprache in Russland.
Für alle, die aus aus der russischen Föderation zugeschaltet sind oder vorhaben dorthin zu fahren: Lexikon der Literatur, Emil und die Detektive und eine Autorenlesung.

«Поэтическая диВЕРСия» в Москве, Санкт-Петербурге и Нижнем Новгороде  

14 мая и 16 мая

Двенадцать поэтов из России и Германии встретятся в Гёте-Институте в Москве, чтобы перевести стихотворения друг друга на родной язык, не владея при этом языком партнера. Такой подход может на первый взгляд показаться абсурдным, однако он основывается на особой методической концепции – «поэтической диВЕРСии». При помощи устных переводчиков поэты работают над передачей своих произведений на другом языке в творческом диалоге, рассказывая друг другу стоящие за стихами истории. Результаты «поэтической диВЕРСии» двенадцать поэтов представят 14 мая на литературном перформансе на дизайн-заводе FLACON, а затем 16 мая в Нижнем Новгороде и Санкт-Петербурге.

http://deutsch2014-2015.ru/verschmuggel/

 

«VERSschmuggel» in Moskau, St. Petersburg und Nischni Nowgorod

14. und 16. Mai

Jeweils sechs Poeten aus Deutschland und Russland kommen für drei Tage zusammen, um paarweise ihre Gedichte in die jeweils andere Sprache zu übertragen – ohne die Sprache des anderen zu verstehen. Das mag zunächst absurd klingen, beruht jedoch auf einem methodischen Konzept – dem „VERSschmuggel“. Mit Hilfe eines Sprachmittlers arbeiten die Lyriker im poetischen Dialog an den Übersetzungen ihrer Werke und erzählen sich dabei gegenseitig die Geschichten, die hinter ihren Gedichten liegen. Die Ergebnisse präsentieren die zwölf Dichtkünstler am 14. Mai auf einer literarischen Performance im Moskauer Design-Werk FLACON sowie am 16. Mai in Nischni Nowgorod und St. Petersburg.

http://deutsch2014-2015.ru/de/versschmuggel-de/

 

Театральное представление «Эмиль и сыщики – вчера и сегодня» в Оренбурге

22 мая, 16:00

По инициативе кафедры немецкой филологии и методики преподавания немецкого языка Оренбургского государственного университета студенческая театральная группа совместно с учениками 7-8 классов четырех оренбургских школ готовят постановку по классическому произведению детской литературы Эриха Кестнера «Эмиль и сыщики». Они инсценируют две главы, связав их между собой фигурой рассказчика. Участники дополнят историю вымышленным продолжением истории Эмиля в настоящем. На этот раз расследование приведет его не в Берлин, а в Москву, где он встретится с новой командой сыщиков.

http://deutsch2014-2015.ru/yemilisyshhikivcheraisegodnya/

 

Theateraufführung «Emil und die Detektive – gestern und heute» in Orenburg

22. Mai, 16.00 Uhr

Auf Initivative des Deutschlehrstuhls der Orenburger Staatlichen Universität bringt die studentische Theatergruppe mit Schülern der 7. und 8. Klassen aus vier Orenburger Schulen den  Kinderbuchklassiker von Erich Kästner „Emil und die Detektive“ auf die Bühne. Sie inszenieren jeweils zwei Kapitel der literarische Vorlage, die durch einen Erzähler miteinander verbunden werden. Darüber hinaus inszenieren die Studierenden eine Fortsetzung von Emils Geschichte in der Gegenwart. Diesmal führt ihn sein Fall nicht nach Berlin, sondern nach Moskau – und auch dort trifft er auf eine Gruppe Detektive.

http://deutsch2014-2015.ru/de/emil-und-die-detektive-gestern-und-heute/

 

Авторские чтения: Рихард фон Ширах в Москве и Новосибирске

14 мая, 18:30 и 18 мая, 19:00

По приглашению Гёте-Института мюнхенский писатель Рихард фон Ширах (*1942 г.р.) представит в Москве и Новосибирске свою научно-популярную книгу «Ночь физиков», вышедшую в 2012 году. С увлекательностью триллера книга повествует о десяти немецких физиках-ядерщиках из окружения Гейзенберга, Гана, Вайцзеккера, которые в полной уверенности в собственной непогрешимости работали над созданием «урановой машины» и в результате оказались втянутыми в военные преступления. Вплоть до своего ареста американцами весной 1945 года ученые были убеждены в том, что они – единственные, кто держит в руках ключ к «атомной бомбе».

http://deutsch2014-2015.ru/avtorskie-chteniya-i-literaturnye-vstr-2/

 

Autorenlesungen: Richard von Schirach in Moskau und Nowosibirsk

14. Mai, 18.30 Uhr und 18. Mai, 19.00 Uhr

Auf Einladung des Goethe-Instituts stellt der Münchner Autor Richard von Schirach (*1942) in Moskau und Nowosibirsk sein Sachbuch „Die Nacht der Physiker“ aus dem Jahr 2012 vor. Darin erzählt er spannend wie in einem Thriller von zehn deutschen Atomphysikern um Heisenberg, Hahn und Weizäcker, die sich bei ihren Forschungen an einer „Uranmaschine“ für unfehlbar hielten und dabei in Kriegsverbrechen verstricken ließen. Bis zu ihrer Verhaftung durch die Amerikaner im Frühjahr 1945 waren sie überzeugt davon, dass nur sie den Schlüssel zur „Atombombe“ in der Hand hielten…

http://deutsch2014-2015.ru/de/autorenlesungen-und-literarische-treffen-mit-dem-schriftsteller-richard-von-schirach/

Different Wars – eine Ausstellung in Planung

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Helden oder Täter? Schulbücher spiegeln das nationale Gedächtnis wieder

Die Perspektive macht den Unterschied. Zeitgeschehen und Geschichte wird in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Zeiten ganz anders wahrgenommen.

In Litauen werden die Ereignisse des zweiten Weltkriegs ganz anders aufgefasst und beschrieben als etwa in Italien. Und diese Sicht legt sich am ehesten in den Geschichtsbüchern nieder. Mit genau diesem Phänomen beschäftigt sich ein Projekt namens „Different Wars“.

Projektträger ist der Deutsch-Russische Austausch e.V. aber an der Organisation und Ausführung sind viele internationale NGOs beteiligt wie zum Beispiel die KARTA (Warschau), Memorial aus Moskau und Italien oder die Gesellschaft zur Förderung der deutsch-russischen Beziehungen mit Sitz in Münster.

Als Ergebnis ist eine Sammlung geplant, bei der Texte, visuelle Materialen, Fotodokumentationen und echte Geschichtsbücher aus den am Projekt beteiligten Länder ausgestellt werden. Die gemeinsame Sprache ist Englisch, der Auftakt der Ausstellung ist zwar Berlin, doch danach wandert sie auch durch Städte der anderen Länder.

Die Frage, wie aus verschiedenen Blickwinkeln das nationale Gedächtnis erwächst, ist bestimmt sehr spannend. Fakt ist, dass das Projekt noch am Anfang steht und die Ausstellungsmacher aber noch Sponsoren und private Unterstützer zur Realisierung ihres Projekts suchen. Ich wünsche Ihnen sehr viel Erfolg und freue mich schon jetzt auf die Ausstellung in Berlin. Hier sind mehr Infos dazu: https://www.betterplace.org/de/projects/27930