Starttermin unbekannt: Poka – heißt Tschüss auf Russisch

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Eine weite Reise steht Lena noch bevor © Jolle Film

Wieder eine russisch-deutsche Liebesgeschichte im Film. August 1989 – Georg, ein in Kasachstan lebender deutscher Lehrer, verbringt seinen Ernte-Einsatz in einer kasachischen Sowchose. Dort begegnet er Lena, der Tochter von Paschkin, dem Direktor dieser Sowchose. Als Komsomolzin und Kind eines hohen Kaders wurde sie ebenfalls dazu verdonnert, den Sommer über dort zu arbeiten, unfreiwillig, sie will sich eigentlich nicht mit diesen Landeiern abgeben. Doch wie es so oft kommt, die beiden verlieben sich trotz allem ineinander und treffen sich heimlich. Ihre Liebe wird auf eine harte Probe gestellt, als Georgs Familie einen Aufnahmebescheid in die BRD bekommt und Lena merkt, dass sie ein Kind erwartet.

Mit „Poka – heißt Tschüss auf Russisch“ ist Anna Hoffmann ein wundervoller Film über Aussiedler gelungen. Er beginnt in Kasachstan und wechselt in eine schwäbische Turnhalle, die in ein provisorisches Aufnahmelager umfunktioniert ist. Mit Duschkontainern auf dem Schulhof. Jeder, der eine ähnliche Reise durchgemacht hat, wird vieles wiedererkennen. Die staubigen Pisten der kasachischen Steppe mit den großäugigen, rundkurvigen LKWs ebenso wie die ersten Schritte in dem neuen Land, wo vieles befremdlich ist und beileibe nicht den überzogenen Vorstellungen entspricht, die man vorher davon hatte.

Bald fangen wir richtig an zu leben“, sagt Georg zu seinem Bruder Mischa kurz vor der Ausreise, „aber die beschissene Steppe wird mir fehlen.“

Es gibt eine wunderschöne Überleitung von Ost nach West. Statt das Gewühl auf dem Flughafen nachzuerzählen, blendet die Kamera von einem Kühlschrankinneren in Kasachstan mit Reihen von selbstgemachten Pelmeni zu dem grellbunten Inhalt eines Geräts in der Notunterkunft, wo unzählige Packungen übereinandergestapelt sind.

Überhaupt ist der Film voll mit feinen Beobachtungen von Menschen, wie sie reden und wie sie sich aufeinander beziehen. Die Spannungen zwischen den frisch verheirateten Paaren sind ebenso minutiös gezeichnet wie die Blicke und Wortwechsel zwischen dem Vorsitzenden der Sowchose Sergej Paschkin und dem deutschen Familienoberhaupt Alexander Weber. Die beiden Väter werden dargestellt von den in Russland bekannten Schaupielern Gennadi Vengerov, der leider dieses Jahr verstorben ist und Jurij Rosstalnyj, der bei uns schon mal in einem Tatort zu sehen ist – als fieser Schurke der Russenmaffia.

Georg Weber ist Lehrer für Physik und Sport und wie bei so vielen werden seine Diplome in Deutschland nicht anerkannt und er muss in einer Fabrik anfangen, wo er ausgestanzte Metallreste wegfegt. Doch er lässt sich nicht entmutigen.

Hauptdarsteller Pasha Antonov, der derzeit in Hamburg beim Musical „Das Wunder von Bern“ zu sehen ist, überzeugt als Wandler zwischen den Welten ebenso wie Natalia Belitzki als Lena, die bereits als siebenjährige nach Deutschland kam und in vielen Film- Fernseh- und Theaterproduktionen auch ohne Akzent auftritt. Die Bilingualität aller Darsteller verleiht diesem Epos übrigens genau die richtige authentische Note, die viele Filme zum Thema Russland vermissen lassen. Hier aber wechseln die Darsteller je nach Situation oder Land locker vom Russischen ins oft holprige Deutsche – mit den damit verbundenen Verwicklungen und Komplikationen.

Die Nebenrollen sind bis zu den Statisten stark besetzt, eine gelungene Mischung aus Profis und Laiendarstellern. So wird zum Beispiel Georgs Bruder Mischa von Thomas Papst gespielt, der im Film so herrlich bedröppelt gucken kann und im echten Leben als Singer-Songwriter in Berlin lebt und einige Stücke zu dem Soundtrack beigesteuert hat. So zum Beispiel das Lied “Ветер степей“ (Steppenwind), das im im Aufrag der Regisseurin für diesen Film geschrieben wurde und im Abspann zu hören ist:

„Poka- heißt Tschüss auf Russisch“,  entstanden in Koproduktion mit dem Kleinen Fernsehspiel des ZDF, stand bereits bei zahlreichen Festivals im Wettbewerb (so beim 35. Filmfest Max Ophüls Preis 2014 und dem 24. Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern 2014 und beim Film Festival Cottbus 2014 ) und hat in Mecklenburg-Vorpommern den Förderpreis der DEFA-Stiftung und in Cottbus den Preis als Bester Jugendfilm gewonnen (dieser Preis wurde übrigens von einer deutsch-polnischen Jugendjury vergeben). Außerdem war er für den Prix Europa 2014 nominiert.

Um so erstaunlicher ist es, dass er für die breiten Massen weder im Fernsehen noch im Kino zu sehen ist. Dabei zeigt er einen wichtigen Teil der Geschichte von russlanddeutschen Übersiedlern und könnte, packend und identitätsstiftend wie er ist, durchaus zum Kultfilm avancieren. Könnte, würde, sollte. Ich schreibe im Konjunktiv. Dabei wünsche ich diesem Film und uns allen, dass er in nächster Zukunft einen Verleih und einen Sendeplatz (nein gleich mehrere Sendeplätze) findet. Und dass ich in der Zukunftsform folgendes über ihn berichten kann:

Der Film ‚Poka…‘, einer der ersten ernstzunehmenden Streifen über die Aussiedlerwellen der Neunziger Jahre, wird dann und dann auf ZDF und ARTE ausgestrahlt, er kommt dann und dann in die Kinos und so und so viele haben ihn gesehen und waren begeistert!

Ich verspreche, sobald ich die Ausstrahlungstermine für Kino oder Fernsehen erfahre, gebe ich sie hier und auf der Facebookseite von ‚Scherben sammeln‘ bekannt.

Als kleiner Vorgeschmack hier schon mal der Trailer:

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© Jolle Film

Poka – heißt Tschüss auf Russisch, (Deutschland, Kasachstan 2014),

Regie: Anna Hoffmann

Darsteller: Pavlo Pasha Antonov, Natalia Belitski, Gennadi Vengerov, Jurij Rosstalnyj, Thomas Papst, Regina Kletinitch, Patrick von Blume uvm.

Starttemin: unbekannt

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Ziemlich daneben und dennoch ein Volltreffer

Mal sehen, was in meiner Parallelwelt so los ist. Bei U-Tube ist vor ca. einem Jahr ein Videoblogger aufgetaucht, der sich Russak nennt. Russak mit der AK in Rucksack, um genau zu sein. Er trägt immer diese Russenmütze mit Ohren, mal in weiß, mal in schwarz und ist eigentlich ein Computerspielfreak, soviel ich das verstanden habe. Und zwar präferiert Monsieur irgendwelche Ballerspiele. Ne Flasche mit Hochprozentigem ist auch immer in Griffnähe. Da werden alle Clischés bedient, aber auf (ich hoffe) selbstironische Weise.

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Ich dachte zuerst, er sei auch ein Aussie, so wie ich, weil sich die jungen Aussiedler in Abgrenzung zu den Russen (die ja Russkij oder Russkaja genannt werde)  gern als Russaki bezeichnen. Aber dieser junge Typ heißt Artjom ist grade mal 16 (echt?) und scheint kein Aussiedler zu sein. Einen chübschen Aakzennt hat er dennoch. Bratjuchas und Seströnkas, so begrüßt er seine Gemeinde. Plietscher Junge. Er hat sogar ein eigenes Label und verkauft Kaputzenpullis mit seinem Emblem.

Und wenn mich auch die Welt der Ballerspiele nicht sonderlich interessiert, dieser Russak hat einige Beiträge auf Lager, die wirklich komisch sind. Wenn man keine Berührungsängste mit politischer Unkorrektness und Mat-Ausdrücken hat. (Mat = ultraprollige russische Flucherei). Muss halt den starken Macker machen, ist klar.

So versucht er einmal eine computeranimierte Frau anzubaggern, was wirklich witzig ist, weil total absurd. Er beschimpft sie auf die übelste Weise und fragt sie im nächsten Moment, ob sie ihm auch Pelmeni  (fleischgefüllte Teigtaschen) kochen könnte. Oder nein, umgekehrt. Jeder halbwegs selbstbewussten Frau fällt darauf doch nur eins ein! Aber seht selbst:

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Ich mach dich klar, Baby

Wem dieser Beitrag dennoch zu prollig ist, mag sich lieber das hier ansehen, eine Wiener Band, die sich Russkaja nennt und fetzigen Turbo Polka fabriziert. Da bleibt kein Tanzbein unterm Tisch!!! Versprochen

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Russkaja Energija

 

Völkerwanderung – morgen auf 3Sat

Kurzmeldung:

Morgen, am Dienstag, dem 15.9. um 18:30 zeigt 3Sat eine aktuelle Sondersendung mit dem Titel:

Völkerwanderung 2.0

Eine Aussiedlerfamilie aus Detmold wird auch vorgestellt. Aber es geht sicher in erster Linie um die neuen Flüchtlingswellen, die Europa erreichen.

Mehr Infos: http://www.presseportal.de/pm/6348/3117946

17.11.1988 Der Parlamentarische Staatsekretär beim Bundesminister des Innern, Dr. Horst Waffenschmidt, besucht die Landesstelle Nordrhein-Westfalen für Aussiedler und Zuwanderer in Unna/Massen.
Aussiedler (mit Horst Waffenschmidt) im Übergangslager Unna – 1988

Der Moderator geht

30.8.-2.9.1988 SPD-Parteitag in Münster, Halle Münsterland

Mit 93 Jahren verstarb in dieser Woche der Ostexperte Egon Bahr, der bis zuletzt seine moderaten und klugen Sätze zum Zeitgeschehen beigesteuert hat. Diese kurze Doku zeigte die ARD zum Abschied:

http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Zum-Tode-von-Egon-Bahr-Egon-Bahr-Zeug/Das-Erste/Video?documentId=30170958&bcastId=799280

Anstelle von Blumen und Kränzen hat seine Witwe, Adelheid Bahr, in seinem Namen um eine Spende für das ost-west-forum des Vereins Gut Gödelitz e.V. gebeten.

Ein kleiner Ausschnitt aus der Satzung dieses Vereins:

Wir wollen erreichen, dass die Menschen aus beiden nun vereinten Teilen Deutschlands besser informiert sind über die jeweils andere Gesellschaft, die sie sozialisiert und geprägt hat. Über ihre persönliche Geschichte, durch Berichte über die ganz anders gearteten Lebenswelten wollen wir Neugierde wecken, Kenntnisse vermitteln und Verständnis für das Andere, das Fremde – vielleicht auch für das Befremdliche fordern und Toleranz einüben.

Dies geschieht unter anderem über Vorträge, Colloquien oder Biografie-Gespräche zwischen Menschen aus beiden Teilen Deutschlands und anderen Ländern.

Miteinander reden, bleibt demnach bis zum Schluss sein politisches Programm. Und sogar darüber hinaus.

 

Trolle und andere Unwesen

Kannten wir Trolle bisher aus den Verfilmungen von Tolkien, so infiltrieren diese ruppigen Wesen jetzt diverse soziale Netzwerke in Russland und im Zarubesh (im nicht russischen Ausland) und streuen Asoziales. Wie nicht anders von Trollen zu erwarten.

beware of troll
beware of troll

Dass Trolle sich im Netz rumtreiben ist nicht neu. Es sind die Störer, die notorischen Rechthaber und die Abgeber unqualifizierter Kommentare, die zumeist unter die Gürtellinie gehen. Eine relativ neue Entwicklung ist, dass sich Regierungen dieser Mechanismen bedienen und ganze Büros mit verdingten Berufs-Trollen unterhalten. Im Schichtdienst und mit sorgsam ausgeklügelten Strategien.

Sie verbreiten nicht nur die Meinung des Staates, für plumpe Propaganda werden sie nicht bezahlt. Gut ausgebildete Trolle streuen zwischen Posts von Kuchenrezepten und romantischen Kinofilmen ein, wie schlimm die Zustände im europäischen Ausland sind, sie hetzten gegen Ukrainer oder verunglimpfen Politiker. Sogar fingierte Nachrichten-Sender und Radiostationen mit falschen Filmchen werden zur Verstärkung der Beweislage herangezogen. Und das alles getarnt als Agentur zur Internet-Analyse. Fast filmreif.

Vor einigen Monaten hat sich eine ehemalige Mitarbeiterin so einer Troll-Fabrik aus St. Petersburg in der West-Presse darüber geäußert und die Fakten offen gelegt. Die waren schon vor Jahren durchgesickert, aber jetzt kamen die Bekentnisse aus dem Mund einer schönen Überläuferin. Vom Troll zur Aktivistin, eine interessante Karriere.

Hier ist ein Spiegel Interview mit Ludmilla Sawtschuk und ein Bericht  der FAZ über russische Trolle.

Es ist durchaus nicht verwunderlich, dass es bezahlte Provokateure und Aufhetzer gibt. Die sogar als Oppositionelle auftreten und für Putin und seine Linie stänkern – und das zwölf Stunden täglich.

Was mich allerdings wundert ist, wie leicht man auf sie reinfallen kann. Dachten wir doch, soziale Netzewerke sind bloß Herde für subversive Meinungen und Informationen. Wie beim arabischen Frühling.

Fühlen wir uns zu sicher, plaudern wir zu vertraut mit unseren 80 Freunden? Wer weiß, ob nicht auch ein kleiner fieser Troll darunter ist. Nicht unbedingt nur von Putins Gnaden.

Zum Ausklang hier die russische Band Mumiy Troll mit der Ballade Takije Devotchki, (Solche Mädchen) für Ludmilla Sawtschuk und ihren Mut:

https://www.youtube.com/watch?v=3W9jobWqq8g

Stalins Stimme und Putins Rocker

Meine Mama war ein Kleinkind in Sibirien als der große vaterländische Krieg, wie er in Russland genannt wird, vorbei war. Das, woran sie sich am ehesten erinnern kann, war die einprägsame Stimme des allseits bekannten und beliebten Radiosprechers, Jurij Borisowitsch Levitan.

Im Westen wurde Levitan Stalins Stimme genannt. Meine Mutter sagt auf jeden Fall, dass ihr immer noch Schauer über den Rücken wandern würden, wenn sie diese Stimme hört. Sie beschreibt es so: ‚Draußen stand ein Radio, damit alle Leute konnten jeden Tag hören Nachrichten von Krieg und natürlich jeden Tag traurige. In Radio war ein Diktor (Sprecher), seine Stimme war mächtig, wenn ich jetzt diese Stimme hören werde, kriege ich Gänsehaut.‘

Er fing seine Ankündigungen immer mit Goworit Moskwa, Es spricht Moskau an. Hier der sechsminütige Beitrag zum Akt der Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Levitan wäre  übrigens vor einigen Monaten 100 Jahre alt geworden.

Jurij Borisowitsch Levitan
Das Gesicht zu der Stimme: Jurij Borisowitsch Levitan

Ich vermute, dass das Lied ‚Das ist der Tag des Sieges‘ gesungen von Lestschenko bei den meisten älteren Russen ebenfalls Gänsehaut auslösen würde. Aber ich möchte es hier grade nicht vorstellen.

Andere Barden, die nationalistisch gesinnten Nachtwölfe, auch Putins Rocker genannt, sind letztes Wochenende aufgebrochen, um den Weg von Moskau nach Berlin auf ihren Motorrädern zurückzulegen. Die Band und ihr Tross wollen genau am 8. Mai, in der deutschen Hauptstadt ankommen. In Russland ist das der offizielle Tag des Sieges. ‚Ziel ist es, das Andenken an diejenigen zu ehren, die beim Kampf gegen den Faschismus gefallen sind‘, so der Organisator Bobrowski.

Die deutsche Regierung ist nicht amused, sie droht der Rockband und ihrer Entourage mit Einreisesperren, falls sie die Veranstaltungen zum Ende des Krieges stören wollen. Es heißt, es sei ein Anliegen, dass der Tag in Würde begangen werde, die Aussöhnung liege im Kerninteresse der Regierung, nicht die Konfrontation.

Auch andere Länder, durch die die Biker rattern wollen, sind nicht begeistert vom wilden Durchgangsverkehr. Der Spiegel berichtet, dass polnische Regierungsvertreter in der ‚Siegesfahr‘ eine Provokation sehen und ihnen die Einreise verweigern.

Und die Wölfe fallen anders als die Hells Angels zum Beispiel nicht durch kriminelle Handlungen auf. Sie sind orthodox gläubig, nationalistisch und homophob. So steht es zumindest bei Wikipedia. Sie stellen sich im Ukraine Konflikt deutlich auf die Seite Russlands und bezeichnen die pro-ukrainischen Streitkräfte als Faschisten. Jetzt wollen sie in ganz Europa Soldatengräber besuchen und an den „Blutzoll“ im Kampf gegen Hitler erinnern, der mit 27 Millionen Toten bezahlt wurde. Aber sie kommen nicht weit. Es sieht ganz so aus, als müssten sie ihre Motorradtour abbrechen.

Jedenfalls scheint es tiefsitzende Ängste zu wecken, dass die Ankunft von 15 Bikern so viel Staub aufwirbelt und das auswärtige Amt sogar von Gefährdung der Sicherheit spricht. Die Russen kommen. Anscheinend noch immer ein sensibler Punkt. 70 Jahre sind vergangen und doch kommts einem vor wie ein Wimpernschlag. Ich frage mich wirklich, was diese wilden Kerle machen können, um die nationale Sicherheit zu gefährden. Andererseits, sie sind mit einer Stalinflagge aufgebrochen. Dass sein Gesicht bei den Feierlichkeiten siegessicher von der Fahnenstange weht würde ich mir auch nicht so gern ansehen.

Es geht um etwas mehr als einem Dutzend Rocker (andere Medien sprechen von 20), die durch Europa fahren. Was hat die Band angekündigt, warum diese Empörung auf allen Seiten? Was macht ihren Besuch so explosiv? Wenn in Hamburg Harley-Days sind, sind hunderte von ihnen auf den Straßen. Ohne Kravalle.

Für weitere Infos. hier sind zu einem Spiegel Artikel und zwei Beiträge von tagesschau.de und von heute.de.

 

 

Russisch Brot und Kommunalka

Nach einiger Zeit der Ebbe hier auf diesem blog, habe ich mal wieder Wasser auf meine Mühlen bekommen: fluter. ein Jugendmagazin, das von der Bundeszentrale für politische Bildung rausgegeben wird, hat im aktuellen Frühjahrsheft Russland zum Thema.

Die Aufmachung des Magazins ist erfrischend jung und die Berichte weitgefächert. Homosexualität in russischen Metropolen wird ebenso aufgegriffen wie „Mat“ (Schimpfsprache) oder das Leben in einer Kommunalka. Die Koordinaten reichen von den Ländern des Baltikums über Alaska hinauf in den Weltraum. Also weit übers russische Territorium hinaus, aber mit Bezug dazu.

Russland-Klischees werden mit spitzer Nadel aufgenommen und so kleinmaschig und bunt verstrickt, dass ein neues Muster entsteht. Zum Beispiel der Umgang mit dem „bösen Russen“ in Hollywood-Filmen – man denke da an Iwan Drago (alias Dolph Lundgren) als Stalones Widersacher bei Rocky IV.

Allein die Überschriften der online-Ausgabe: Norilsk – no fun! Oder Menschen, die auf Birken starren. Federleicht und dennoch ungelogen, eine Wohltat nach soviel panikmachender und distanzloser Berichterstattung aus der letzten Zeit. Hier bitte weiterlesen: http://www.fluter.de/de/144/thema/

Eine Fotostrecke hat’s mir heute besonders angetan:

Die in Bulgarien aufgewachsene Fotografin Eugenia Maximova hat eine Reihe über einen besonderen Totenkult gemacht: Grabsteine, die in fotorealistischer Weise die Verstorbenen in der Blüte ihres Lebens abbilden. Eine russische Besonderheit an der Grenze zum Kitsch.

Eugenia Maximova
Neoklassizismus auf dem Gottesacker – Foto von Eugenia Maximova

Das Magazin-Abo gibt es übrigens kostenlos unter: http://www.fluter.de/abo

Einzelne Hefte kann man aber auch kostenlos nachbestellen bei bestellungen@shop.bpb.de
oder unter
Publikationsversand der Bundeszentrale für politische bildung/pbp
Postfach 501055
18155 Rostock

Achtung: Nachbestellungen von über einem Kilo Papiergewicht werden für einen Unkostenbeitrag von 4,60 Euro verschickt.