Tagesgedicht 20. März – Max Schatz

Wieder eine Nachdichtung von Max Schatz, dessen eigene Sonnette ich vor kurzem hier besprochen habe.
Diesmal ein Song von 1986 Die Kinder gehen fort von Michail Borsykin und der Gruppe Telewisor.

Die Kinder gehen fort


Eines schmutzigen Nachts, ohne sich zu verabschieden,
verlassen sie eure lächerlichen Häuser,
um für immer mit eurer absurden Welt zu brechen.
Ihr seid füreinander längst dahingeschieden,
nun wollen sie ganz unter sich sein wie Mäuse,
damit ist alles gesagt, niemand wird sich mehr rächen.

Und ein zufälliger Passant
geht schneller vorbei, jemand schließt
in Sorge die Fensterläden.
Jemand beurteilt arrogant
und flieht, und wer noch lebendig ist,
denkt ans Wichtigste im Leben.

Gesichter, ihre unschuldigen, hellen
Gesichter werden euer Befangen-
und Betrübt-Sein nicht erfahren.
Sie verlassen Richtung neue Heimat die reelle
Welt, um dort von Null anzufangen,
als gäbe es keine Vorfahren.

Die Kinder gehen fort, nein,
da ist kein Hauch von Revolution,
sie gehen einfach weg, um euch nicht zu stören.
Sie wollen nur spielen „Fortnite“,
lebt eure Leben zu Ende voll Maß und Ration,
sie werden nie zurückkehren.

Max Schatz

Hier der unverwechselbare 80ger-Jahre Elektrosound dazu:

Das Originallied Дети уходят „Die Kinder gehen fort“ bei einem Auftritt 1988