Ein Beitrag gestern und eine Ausstrahlung morgen

Wie leicht ist es, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen. Oder zu vertöchtern meinetwegen, oder noch besser zu verenkeln. Nur kurz erwähnen muss man sie, das ist wohl schon alles. Hingucken und freundlich nicken, dann hört sie auf, an deinem Hemd zu zerren und dir andauernd ein Bein zu stellen.

Und wie leicht ist es, aus einer beleidigten Defensive herauszukommen. Noch vor einer Woche war mein Tenor: ihr wollt ja eh nichts über uns Russlanddeutsche wissen, ignoriert uns, wie man ärmliche Verwandte in abgerissenen Kleidern übersieht. Und wenn ihr über uns berichtet, dass so tief aus der Vorurteile-Schublade, so sehr unter der Gürtellinie, dass ich zwei Tage lang herumlaufe und haspelnd Luft hole und nah am Herzkasperl bin, wegen der Ignoranz seitens der Medien.

Doch an diesem Wochenende, ausgerechnet am 27. August, am Vorabend des 75. Jahrestages der Vertreibung der Wolgadeutschen aus ihren Siedlungsgebieten nach Sibirien, in die kasachische Steppe und andere unwirtliche Gebiete, ausgerechnet da kommt ein Beitrag im Fernsehen zu diesem Thema. Kurz, sachlich, informativ. Die ARD-Tagesthemen haben über diesen Jahrestag gestern um kurz vor Mitternacht berichtet. Ohne Seitenhiebe auf Demonstrationen zum Lisa-Fall. Ohne zu erwähnen, dass Russlanddeutsche sich schlecht integrieren, kein Deutsch sprechen und eh nur den russischen Boulevardmedien glauben schenken. Und auch ohne die AfD zu nennen, die es bei ihrem Wahlkampf auf Russlanddeutsche abgesehen hat. Oder sollte ich sagen Wahlfang?

Nein. Es war gut. Sachliche Berichterstattung zu einem (für uns allemal!) relevanten Thema.

Und morgen, also auch zeitnah mit diesem unheilvollen Datum, wird endlich der Film im ZDF ausgestrahlt, den ich bereits früher das Vergnügen hatte, zu sehen: POKA – heißt Tschüss auf Russisch. Unter der Regie von Anna Hoffmann ist er bereits 2012 entstanden und wurde bisher nur auf Festivals oder in wenigen öffentlichen Vorführungen gezeigt.

Gut. Die Uhrzeit ist unmenschlich. Für Frühaufsteher zumindest. Das kleine Fernsehspiel fängt erst nach Mitternacht an, aber danach ist er eine Woche in der Mediathek zu sehen und man kann ihn sich aufnehmen. Also will ich nicht meckern. Sondern Chips und Nüsschen bereitstellen.

Georg (Pasha Antonov) und Lena (Natalia Belitski) sind ein glückliches Brautpaar. Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/7840 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/ZDF/Andreas Höfer"
Noch sind Georg (Pasha Antonov) und Lena (Natalia Belitski) ein glückliches Brautpaar. obs/ZDF/Andreas Höfer  / © Jolle-Film

Hier ist noch mal der Trailer zu dem Film, ich hatte vor längerer Zeit eine Rezension darüber geschrieben. Und ab Dienstag will ich noch den Link zur Mediathek einstellen, wo er bis zum 6. September online zu sehen sein wird. Bin gespannt auf die Reaktionen! Und hier ein Interview mit der Regisseurin Anna Hoffmann auf DeutschlandRadio Kultur.

Heute sind an einigen Orten in Russland und in Deutschland Gedenkfeiern anberaumt, zum Beispiel auf einem Friedhof in Berlin Marzahn, wo ein Denkmal steht, errichtet für die Deutschen, die unter Stalin gelitten haben.

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Der 28. August letztes Jahr in Berlin Marzahn

In NRW gibt es sicherlich auch Feierlichkeiten dazu mit Musik, Kranzniederlegung und feierlichen Reden, wie es sich gehört. Und auch gestern wurden Kerzen angezündet und Lieder gesungen. In Hamburg und anderswo.

In Russland sind solche Veranstaltungen nicht mehr verboten und auch das ist doch ein gutes Zeichen.

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