Das große Schweigen

Wenn man bedenkt. Wir sind vier Millionen. Unter euch. Mitten unter euch. Das sind gute fünf Prozent aller Einwohner dieses Landes. Und mit keinem Wort tauchen wir in der Medienlandschaft auf. Bitte widersprecht mir, und überzeugt mich vom Gegenteil. Nein, Helene Fischer gilt nicht.

Aber ich sehe es doch. Oder eben nicht. Nichts. Nada. Niente. Nitschewo!
Vor gut zehn Jahren waren Aussiedler-Jungs noch in der Presse als harte Drogendealer oder als Psychopaten, die Steine von Autobahnbrücken werfen. Und jetzt. Das große Schweigen.

Gut, Europa wird aus den Angeln gehoben. Epedemien erschüttern Afrika, die Wirtschaft ist überall dabei, den Weg allen Irdischen zu gehen. Aber trotzdem. Irgendwo eine klitzekleine Nachricht. Im Sommerloch. In den Provinzblättern. Eine Randnotiz. Aber nein. Nichts. Rein gar nichts.

Aussiedler ist ein Unthema. Ein NoGo. Übern Tellerrand gerutscht und auf dem Teppich vergessen. Mit der Schuhspitze aus Versehen verrieben mit dem hübschen Rankenmuster. Noch nicht mal darunter gekehrt. Einfach uninteressant. Was ist das Gegenteil der Präposition IT-?

Igitt-? Oder einfach nur egal-?

Heul doch!!!

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Tu ich ja.

Soll ich etwa annehmen, dass alle meine vier Millionen Mitaussiedler so  gut integriert sind, dass sie sich nicht von den Einheimischen unterscheiden und herzlich aufgenommen sind in der bundesrepublikanischen Gesellschaft? (Ich habe nicht geschrieben Multikulti-Gesellschaft, bitte mir das zugute halten!)

Schön wärs. Also, zum großen Teil ist es sicher so. Wir haben Jobs, Familie, wohnen immer schöner und gehen irgendwo einkaufen. Verbringen unsere Freizeit in Freizeitparks wie alle anderen auch. Aber sind wir so vollständig assimiliert? Bleiben keine Wünsche offen?

Warum werden wir denn dann unterschlagen? Mit keiner Zeile gewürdigt?

Warum wird nicht der Aussiedler des Jahres gewählt, weil er sich für aussiedlerische Belange einsetzt oder kulturell irgendwas erreicht? (Es wird übrigens der Aussiedler des Jahres gewählt, seit Jahrzehnten schon, ich glaub seit 1952 oder so, muss mal nachgucken, aber die Abstimmung und die Veranstaltungen finden unter den Einheimischen so wenig Resonanz, dass ich vierunddreißig Jahre lang Aussiedlerin gewesen bin, bevor ich überhaupt mitbekommen habe, dass es sowas gibt!)

Soll ich etwa annehmen, dass Aussiedler so bescheiden sind und keinerlei Aufhebens von sich machen aus jahrhundertelangen Erfahrungen mit diversen diktatorischen Gesellschaftsformen. So ist es.

Aber dennoch. Nicht ein Wort. Nicht ein kleines: Hallo, euch gibt’s auch noch! Oder: Was macht eigentlich mein Nachbar, der Aussiedler?

Soll ich etwa annehmen, dass das Thema Aussiedler einfach zum Gähnen langweilig ist? Wer hat da genickt? Das will ich gar nicht sehen. Nicht das Thema ist langweilig, sondern wie es präsentiert wird. So ein kleiner Genozid am Rande von Europa, irgendwo hinter dem Ural und in den Flachländern Sibiriens kann durchaus seine malerischen Seiten haben. Seine erzählerischen Höhen. Seine fotogenen Qualitäten. Auch wir haben uns im Gulag Frostbeulen geholt! Ich meine natürlich nicht WIR im Sinne von ich, aber WIR im Sinne von die Vorväter und Urgroßmütter. Da steckt vielleicht ein Stoff drin, Plots für mindestens fünf Kinofilme. Die eh keiner guckt. Die werden nämlich nicht im Primetime TV gezeigt. Höchstens nach Mitternacht. Wieso eigentlich?

Die Kinder und Jugendlichen haben mit Ressentiments auf dem Schulhof zu tun. Das ist wenigstens eine Reibungsfläche. Nicht schön. Aber sie werden wahrgenommen. Als Fremdkörper. Als Ungleiche unter Ungleichen. Sie werden gesehen. Als Russen. Aber immerhin.

Und der Rest. Gut, einmal war eine Aussiedlerin beim Frauentausch auf RTL II. Ich habs recherchiert. Aber wer guckt das von euch? Ha. Also alle.

Und sonst. Schweigen im Walde. Im Bücherwald sowie in der Medienlandschaft überhaupt. Halt, nein, ich lüge, Wolfgang Herrndorf, der hat einen Aussiedlerjungen als Protagonisten in „Tschick“ gehabt. Puh! Gerettet. Na dann ist ja alles gut. Frauentausch und ein Roman, der relativ bekannt ist. Dann war ja die ganze Aufregung umsonst. Dann nehme ich alles zurück.

Vergessene Opfergruppe

Vor einigen Jahren kam ich in Deutschland zufällig mit einem älteren Mann ins Gespräch. Als er merkte, dass ich mit schwäbischem Akzent sprach,  fragte er mich:
„Woher sind Sie denn?“
„Aus Russland.“
„Gab es denn dort Deutsche?“
„Ja, etwa drei Millionen!“ (S.84)

Was sich anhört, wie ein weiterer Aussiedlerwitz, oder dessen bittere Variante,  ist ein Zitat aus dem Buch  „Mein Herz blieb in Russland“ – Russlanddeutsche erzählen aus ihrem Leben.

Darin sind exemplarisch 34 Erfahrungsberichte versammelt, aus den unterschiedlichsten Regionen und von Menschen aus mehreren Generationen. Solchen, die in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts geboren wurden und die Zwangskollektivierung und „Deportationen hinter den Ural oder den Zwangseinsatz in der berüchtigten  Arbeitsarmee miterlebt haben, aber auch solchen, die 60 Jahre später zur Welt gekommen sind und ihre eigenen Erfahrungen mit Russland gemacht haben. Keine Angst, neben den traumatischen Erlebnissen ist auch die Rede „von erfreulichen und hoffnungsvollen Ereignissen, wie dem geglückten privaten und beruflichen Neuanfang in Deutschland.“

Schicksal für Schicksal wird aufgerollt, andere Namen, andere Generationen, andere Geburtsorte und doch kreist sich alles um das unheilvolle Datum im Juni 1941. Es ist der Wendepunkt im Leben jeder der Familien. Die deutschen Truppen marschieren in Russland ein und Stalin befiehlt die sofortige Deportation aller in Russland lebender Deutschen nach Kasachstan und Sibirien. Für Bewohner der Wolgaregion und anderer Gebiete bleibt keine Möglichkeit zur Flucht. Die Schwarzmeerdeutschen bleiben noch in ihren Dörfern und ziehen erst 1943  in zwei großen Trecks Richtung Westen als die russische Armee die Gebiete zurückerobert.

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Klassenfoto der Schule Nr. 18 aufgenommen 1941, kurz vor dem Tag, der alles ändern wird
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1968 und eine Generation später: entspannte Sitmmung im Pionierlager Artek

Aus der Pressemitteilung des Verlages: „Auch das 20. Jahrhundert, …, kennt wenige schriftliche Zeugnisse – in Deportation, Gefangenschaft, Zwangsarbeit, in den nachfolgenden Jahren entsagungsreichen Wiederaufstiegs in einer Sowjetunion des Kalten Krieges dachte man ans Überleben und nicht an Dokumentation. Briefe und Tagebuchaufzeichnungen gingen weitgehend verloren, die offiziellen Dokumente der Vertreibung – Deportationsbefehle, Haftunterlagen, Passierscheine, Essensmarken, Entlassungspapiere etc. – ruhen in regionalen Archiven. So bleiben in der Tat nur die Erinnerungen der Betroffenen, vor allem der älteren Menschen.“

Um so wertvoller sind diese Erinnerungen, die in diesem Buch versammelt sind. Denn sie bilden eine „Geschichte aus dem Gedächtnis“, damit wir nicht vergessen, wie es gewesen ist. Drüben. Damals. Wir sehen nur die Ausprägungen dessen. Die Menschen die hier ankommen und sich anpassen oder eben nicht, Menschen mit einem mehr oder weniger starken Akzent. Sie klagen nicht, meistens. Wenn hier alle wüssten, was sie durchlitten haben, genau weil sie Deutsche auf dem falschen Territorium und zur falschen Zeit waren, würden sie  sie niemals mehr „Russen“ nennen. Auch nicht so dahergesagt. Auch nicht im Scherz. Niemand würde sich nach der Lektüre dieses Buches erdreisten, zu sagen: „Jeder, der auch einen deutschen Schäferhund besessen hat, hat doch rübergemacht.“ Ich weiß, ich schweife ab. Die Bitterkeit steigt hoch und ich habe diesen Satz auch schon seit gut zehn Jahren nicht mehr gehört. Weiter im Text.

Ich musste nicht weinen, als ich es in einem Rutsch gelesen habe. Nein. Die Sprache, in der diese zum Teil unsagbaren Dinge erzählt werden, ist klar und sachlich, nicht anklagend.  Aber mir wurde auf einmal deutlich, dass das, was mein Vater aus seiner Kindheit  und Jugend erzählt, nicht das Schicksal eines einzelnen ist, den es besonders schwer getroffen hat. Es waren viele. Tausende. Hunderttausende, die so hin und her geworfen wurden, vergessen von der Geschichte. Sie haben trotzdem studiert, haben sich weitergebildet und überlebt. Haben sich verliebt und Familien gegründet. Ein fast normales Leben. Aber die Erlebnisse eines Lagers oder einer Verschickung kann sich keiner aus dem Gesicht wischen. Das prägt.

Und da kam noch mal ein anderes Gefühl auf. So viele haben das durchgemacht und kein Mensch weiß was darüber. Nur die Familien selbst. Vielleicht. Aber ich bezweifle, dass darüber beim Frühstückstisch gesprochen wurde, so wie es bei uns üblich war. Wo aus heiterem Himmel mein Vater darauf kommt, dass im Frühling, diejenigen, die  im Winter gestorben sind,  aus dem Schnee schmolzen und dann erst begraben werden konnten. Ich weiß gar nicht mehr, wie er darauf kam. Vielleicht haben wir über das Wetter geredet, darüber, dass der Frühling dieses Jahr so früh da war. Und dann in unser Brötchen gebissen.

Am Anfang steht eine Einführung in das Thema und am Ende der Zeitzeugenberichte befindet sich noch ein nützliches Glossar, in dem Begriffe, Personen oder Orte erklärt werden, die für Nicht-Aussiedler eher nicht geläufig sind. Banja oder Babuschka werden viele kennen, aber wer weiß, was mit Rabfak, DOSAAF oder Burshuika gemeint ist?

Das Buch 2012 ist im Zeitgut-Verlag erschienen. Es ist nicht einer der großen namhaften Verlage, was allerdings eher gegen die namhaften Verlage spricht, sondern ein kleiner Spartenverlag, der sich auf historische Themen und Zeitzeugenberichte spezialisiert hat. (Sparten– wird zu meinem Lieblings-Präfix, sehe ich grade. Bin ich eine Sparten-Deutsche? Vermutlich). Dennoch ist es eine gute Entwicklung, dass Geschichte und Lebensberichte dieser nicht grade kleinen Bevölkerungsgruppe publik gemacht werden. Wurde auch Zeit.

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„Mein Herz blieb in Russland“ – Russlanddeutsche erzählen aus ihrem Leben
Herausgegeben von Larissa Dyck und Heinrich Mehl.
34 Erinnerungen, 448 Seiten mit mehr als 60 Fotos und Dokumenten, 40 Seiten Wissensbereich mit kleinem Russland-Lexikon, vielen Karten, Ortsregister, Literaturverzeichnis, Zeitgut Verlag, Berlin. ISBN 978-3-86614-145-2, Euro 12,90

Nemez der Film out now

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NEMEZ ist ab sofort online auf iTunes, Amazon und Co. erhältlich!Und ich wollte mich schon darüber aufregen, dass solche Spartenfilme nirgendwo zu sehen sind und man Aussiedler-Themen eh untern Tisch fallen lässt. Aber nein.

Hier gibt’s die Übersicht der Plattformen:
http://nemez-film.de/VoD.html

Ein Aussiedler-Witz

In einem Bauunternehmen arbeitet ein Aussiedler. Der hat eine Cheffin, die ihm am Freitag mittag zu seinen zahlreichen Aufgaben auch noch die Dokumentation aufbrummt.

Er beschwert sich, dass er das unmöglich noch vor dem Feierabend schaffen kann.
Da sagt sie ihm, es sei nicht ihr Problem.

Und er so auf russisch: „Ну, пошла ты на хер!“*
Und sie so zu ihm: „Nein Woldemar, nicht nachher, sofort, wenn ich bitten darf!“

 

 

*(Nu, poschla ty na cher! Was so viel heißt wie, geh doch zum Teufel!)

Wieder so ein Eugen

Es ist so, dass viele Aussiedler ganz andere Vornamen haben als die Leute hier. Die älteren ganz altertümliche, wie Melitta oder Waldemar, die jüngeren welche, die aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt wurden und ebenso altbacken klingen. So trifft man also 20ig-Jährige, die Walter heißen oder eben Eugen. Da Evgenij ein sehr beliebter Name in Russland war und ist, nicht nur wegen Eugen Onegin (von Puschkin), taucht dieser Name, der in Deutschland sogar nicht flott klingt, ganz oft bei Russlanddeutschen auf. Immer wenn es eine Gruppe Aussiedler gibt, ist mindestens ein Eugen dabei. Zu dem Themengebiet „Eugen“ hat der junge Fotograf  Eugen Litwinow übrigens eine wunderbare Serie und ein Buch gemacht.

In Anlehnung an Eugène Ionesco (wieder so ein Eugen) und sein absurdes Theater habe ich dazu auch einen Dialog entwickelt:

E1:      Hallo, Eugen?

E2:      Ja, wer spricht da?

E1:      Hier ist auch der Eugen, Eugen Schatz.

E2:      Dem Harold Schatz sein Sohn?

E1:      Nein, dem Bruno sein Sohn.

E2:      Ach, der Eugen, was kann ich für dich tun?

E1:      Wir machen da doch eine Party, und Eugen, der Bruder vom Albert, hat gesagt, du hast noch eine Lichtmaschine da, die würden  wir uns gern ausleihen.

E2:      Das stimmt, ich habe mir eine Anlage gekauft, aber ich hab sie nicht hier, ich habe sie verliehen.

E1:      Ach, an wen denn?

E2:      Na, an den Eugen, Eugen Schatz.

E1:      An den Sohn von Harold?

E2:      Nein, an Eugen, den Sohn von Albert.

E1:      Der Albert, der wo mit der Valli verheiratet ist?

E2:      Nein, der wo mit der Irma verheiratet ist, weißt du, aus Karaganda. Deren Tante Ottilie damals nach dem Krieg in Deutschland geblieben ist.

E1:      Ach der, den ruf ich gleich an.

Zwei Stunden später…

E1:      Hallo, hier ist der Eugen, der mit der Lichtmaschine.

E2:      Ach du, gut dass du anrufst. Da rief vorhin so ein Eugen an, der wollte sie sich ausleihen.

E1:      Nein, nein, ich bins, der Eugen, der gestern angerufen hat und eine haben wollte, Eugen Schatz.

E2:      Ach so, DER Eugen!

E1:      Ja, du hast doch gesagt, Eugen hat die Lichtmaschine, der andere Eugen Schatz.

E2:      Ja.

E1:      Dem Albert Schatz sein Sohn, der mit der Irma verheiratet ist.

E2:      Ja, das habe ich, was ist denn mit ihm. Hat er die Anlage nicht mehr?

E1:      Nein, dieser Eugen kennt dich gar nicht.

E2:      Na, sowas. Aber ist das nicht der Eugen Schatz aus Karaganda, der Schlosser ist und einen Bruder hat, der Albert und einen, der Otto heißt? Und sein Vater, Albert ist mit der Irma verheiratet, deren Tante damals nach dem Krieg in Deutschland geblieben ist.

E1:      Doch, er hat wohl einen Bruder der Albert heißt und einen der Otto heißt und sein Vater ist mit Irma verheiratet, deren Tante damals in Deutschland geblieben ist.

E2:      Na also.

E1:      Aber die Tante, die damals im Westen geblieben ist, hieß gar nicht Ottilie. Sie hieß Eugenie und war mit dem Eugen, den du meinst über ein paar Ecken sogar verwandt, die beiden Urgroßväter haben vor 1941, vor der Vertreibung im selben Dorf in der Ukraine gelebt, im Saporoshje, bei Dnipropetrovsk. Sie waren Cousins zweiten Grades.

E2:      Welche Cousins denn?

E1:      Na, Otto Schatz und Eugen Schatz, der Bruder von Harold.

E2:      Aber dann hast du den richtigen Eugen doch gefunden!

E1:      Nunja, den einen Cousin haben doch die vom NKWB geholt, noch unter Stalin.

E2:      Ja genau! Und seine Frau und die Kinder…

E1:      Seine Frau und die Kinder sind damals nach Archangelsk verschleppt worden. Und einer der Söhne hat nach der Kommandatur Ingenieur studiert, in Karaganda. Das war der Großvater vom Eugen Schatz, dem Bruder von Otto und dem Albert. Aber dieser Eugen, der konnte deine Anlage nicht genommen haben.

E2:      Und warum denn nicht?

E1:      Na sie sagen, dass dieser Eugen, der wo in Karaganda gelebt hat, Epileptiker war und noch bevor er dreißig war, in den Brunnen gefallen ist.

E2:      Ja, ja, die Brunnen von Karaganda sind schon tief. Aber was macht ihr denn jetzt ohne Lichtmaschine?

E1:     Ich habe sie schon woanders geliehen. Von dem Cousin von Eugen, der in den Brunnen gefallen ist, Otto.

E2:      Dem Otto Schatz, der LKW Fahrer ist und der mit Larissa verheiratet ist?

E1:      Ja genau dem. Kennst du ihn?

E2:      Klar, das ist ein Cousin von mir. Der Sohn von meinem Onkel Albert.

E1:      Du bist auf jeden Fall zur Party eingeladen. Die ist am kommenden Samstag, dem 20sten. Kommst du?

E2:     Da kann ich nicht. Da bin ich schon eingeladen. Beim Eugen. Eugen Schatz, der mit…

E1:      Äh. Jetzt komm ich nicht mehr mit. Also dann, Paka.

E2:      Ja dann, Paka. Und viel Spaß!

Integrationstest (Beta)

Bin ich gut integriert?

Bei aussiedler.blogspot.de kann jeder Aussiedler (und auch jeder Nicht-Aussiedler) den ultimativen Integrationstest machen. Ich habe ihn schon hinter mir und musste schmunzeln. Beim ersten Mal habe ich es  noch auf eine Prozentzahl von über 80 geschafft. Aber heute bin ich nur bis 42 % gekommen. Fast schon ein Grund, wieder auszuwandern.

Wenn man auf der Page landet, einfach nach oben scrollen, der Test ist der erste Text der Seite.

Ganze 15 Fragen zeigen an, ob man in Deutschland angekommen ist. Das ist eine einmalige Gelegenheit, auch für sogenannte Hiesige, mal zu prüfen, wie deutsch sie eigentlich sind.

Der blog ist einige Jahre alt, aber die Stories, die da noch drauf sind finde ich sehr erhellend und erheiternd.

Wer also außerdem wissen möchte wie …

– anno 2005 Gerhard Schröder Platz eins der Liste der berühmtesten Aussiedler belegte?

– ein gewitzter Aussieder fast eine neue Sprachreform angeschoben hätte?

– und Grigorij Samsonow sich über Nacht in einen Deutshcne verwandelt hat?

…kann sich auch die Geschichtensammlung durchlesen, die dem Integrationstest angeschlossen ist.

Lüstig.

Die Angst ist Gast an ihrem Tisch

Immer wieder sucht es sie heim. Dieses Gefühl. Dumpfe Angst oder Melancholie. Immer wieder führt sie sie selbst herbei, diese Situationen, die dem Gefühl erlauben hervorzutreten und sich auszuagieren. Ob sie will oder nicht. Fast zwanghaft schon.
Sie legt ihr Leben so, damit sie in Abständen denken kann, dass sie vor dem nichts steht und von vorn beginnen muss. Neubeginn ist oft verbunden mit Hoffnung, mit Gelingen mit Mut und Beherztheit. Nicht so bei ihr. Möglicherweise hats auch mit ihrem Thema zu tun. Mit dem Verschleppungssyndrom. Sie ist auf ihre Weise ein Ghost Whisperer. Sie kann sie zwar nicht sehen oder hören, die Geister, aber sie muss fühlen, was sie gefühlt haben. Immer wieder. Was ist das für ein Gefühl? Wo sitzt es? Wodurch wird es ausgelöst?

Dieses Gefühl des Verlustes. Des daneben seins. Des das ist nichts für dich. Ein gutes Leben. Ein guter Job? Das ist nichts für dich. Du wirst es nie erreichen. Und wenn du dir was aufbaust, wird es dir genommen. Also versuchs gar nicht erst.

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Sie ist doch fast hier aufgewachsen, ist hier erzogen worden. Ist auf deutsche Schulen gegangen. Sie hat humanistische und fortschrittliche Bildung genossen. Seit ihrer Jugend kennt sie Geschichten von Optimisten, die alles und Pessimisten, die nichts erreichen. Also weiß sie im Grunde, wie es läuft, was man machen muss. Von zig Disney Filmen, wo es heißt, glaub an dich, hab vertrauen und arbeite hart, dann wird es funktionieren. Das ist auch in ihrem Gehirn verankert. Und es wirkt. Ist zumindest mächtig genug, um ihr ein schlechtes Gewissen zu machen. Im Sinne von, du glaubst nicht fest genug, du versuchst es nicht genug, du arbeitest schon mal gar nicht hart genug.

Und dennoch. Irgend ein perfides Programm lässt sie immer wieder zu diesem Abgrund laufen. Lässt sie zweifeln, verzögern, verhindern. Nur um diese Angst zu spüren. Dass alles sinnlos ist und sie mal wieder vor einem Scherbenhaufen steht. Die Angst ist Gast an ihrem Tisch.
Woher hätte sie denn das Vertrauen nehmen können? Ihre Eltern gaben ihr Liebe, aber Vertrauen und Zuversicht war leider nicht mit im Gepäck. Eher die Gewissheit zu scheitern. Zu verlieren. Ohne dass sie es explizit genannt hätten, es war eher so ein Grundgefühl.
Auch wenn es nicht ihr eigenes ist. Auch wenn diese Lage, in die sie sich hineinmanövriert, um zu leiden, ererbt ist. Überliefert. Ein besonderer Nachlass. Warum dann nicht den Schalter einfach umkippen und gut ist? Arividerci liebe Angst, oder noch besser, ciao und lass dich hier nicht mehr sehen. Ihr Mantra müsste lauten: ich habe Vertrauen, es wird alles gut. Aber es hat in Wirklichkeit einen anderen düstereren Klang.

Geht es anderen mit ähnlichen Lebenswegen  auch so wie ihr? Sie wollen kein Haus. Ein Haus könnte genommen werden. Sie wollen keinen erfüllenden Beruf. Denn dann riskieren sie glücklich zu sein. Und das wäre ja Verrat. Verrat an denen, die gelitten haben. Die ihr Haus verloren, die nicht die Möglichkeit hatten, einen guten Beruf auszuüben, weil sie in Sondersiedlungen Bäume gefällt haben für Onkelchen Stalin, den Großen Gewinner des Vaterländischen Krieges.
Also spielt sie das Leidensszenario bis zum Erbrechen, sie beherrscht die Klaviatur aus Krankheit, Armut, Mangel und Versagen. Sie erfindet trickreiche Möglichkeiten, sich selbst zu sabotieren. Und wagt nie den nötigen Schritt.

Stimmen aus dem OFF zischen ihr zu:

Das bildest du dir nur ein.

Du suhlst dich in deinem eigenen Leid.

Triefst ja vor Selbstmitleid.

Siehst die Schuld nur bei den anderen, den Eltern, Stalin, Hitler.

Hör auf, dich immer nur mit dir selbst zu beschäftigen & dich zu bemitleiden.

Das bringt doch nichts. Diese ganze Nabelschau.

Falsch! will sie ihnen zurufen, diesen Gegenstimmen.

Es ist nicht Selbstmitleid. Es sind die anderen mit denen sie Mitleid hat. Die vor ihr da waren. Die mit 27 Jahren grade ihr Haus fertig gebaut haben als der Krieg in ihr Dorf kam. Und sie weg mussten, in eine ungewisse Zukunft. Auf eine Ost-West-Dyssee, die unfreiwillig war. Verbannung Verschickung. Exil. Und wieder zurück. In die Sondersiedlungen dann.

„Mir sind Raabe. Mir sind dem Stalin ssai Raabe,“ sagte der Großvater. Sie stellt sich Männer mit spitzen Nasen und schwarzen plusterigen Mänteln vor. Edgar Allan Poes „Nevermore“ im Hintergrund. Er meint aber was ganz anderes, der Opa, er meint das russische Wort: Rab. Sklave. Nicht die Slaven sind Sklaven gewesen in ihrer Familie. Sondern aufgegriffene Deutsche. Aus den deutschen Kolonien auf russischem Boden. Inwieweit sie in den Komplot des zweiten Weltkrieges verwickelt waren, sei dahingestellt. Aber danach fragte eh keiner. Deutscher? Fritz? Also, ab nach Sibirien mit dir oder in den Ural. Dawei, dawei! Alle gleich schuldig durch ihre Geburt. Egal ob Männer, Frauen oder kleine Kinder. Zivilgefangene. Das ist ein Euphemismus für Arbeitssklaven. Aber warum sich aufregen? In jedem Krieg werden Gefangene gemacht.

Vollster Arbeitseinsatz bei minimaler Entlohnung. Das ist ihr liebstes Wirtschaftsmodell bis heute. Bietet ihr jemand niedrige Arbeit an, für kein oder wenig Geld, wird sie hellhörig. Her damit. Das kenn ich. Das verdien ich doch auch. Ich werde schön fleißig sein, nicht aufmucken und keine Forderungen stellen. Ein Schälchen (miska) Suppe und ein Kanten (chaika) Brot. Und schon lauf ich auf Hochtouren. Einmal Sklave immer Sklave. Die Mentalität hat sie mit dem Gerstenbrei gelöffelt, mit dem Kefir in Flaschen eingesogen. Von außen gesehen, geht sie vielleicht aufrecht. Aber innerlich ist sie tief gebeugt. Ihre Aufopferungsbereitschaft ist grenzenlos. Vielleicht sollte sie einen Verein gründen: Sklaven ohne Grenzen. Selbstausbeutungen, Erniedrigungen und Beschimpfungen inklusive.

Wie lange dauert es wohl bis sich eine solche Mentalität rauswächst? Nach wie vielen Generationen entsteht wohl sowas wie ein gesundes Ich-Gefühl? Ich bin hier. Ich nehme mir den Raum, den ich brauche. Ich nehme mir das, was mir zusteht. Hey, wem gehört die Welt?
ICH.WILL.DAS.HABEN.

 

Kleinkinder machen das schon im Sandkasten. Kleinkinder hier. In dieser Zeit.

Statt dessen: Nein, nein, gehen Sie ruhig vor, ich stelle mich ganz hinten in der Reihe an. Entschuldigung, sie haben mir auf den Fuß getreten. Ach so, ja nehmen Sie ruhig. Ich brauch es gar nicht. Gehört Ihnen. Falsche Bescheidenheit. Als Höflichkeit interpretiert. Als Schwäche verachtet.

Sie atmet ganz flach, nur kein Aufsehen erregen. Sie redet ganz leise, fast unhörbar. Nur nicht auffallen. Sie schaut zu Boden, sie tritt ganz sacht auf.

Wer mit seinen Worten oder Taten auffällt, weckt die Aufmerksamkeit der Mächtigen. Gefahr. Wer sich etwas erarbeitet, zieht sich die Mißgunst anderer zu. Gefahr. Wer sich groß macht, wird plattgemacht. Das sind Erfahrungswerte von Generationen. Aber es kann doch nicht sein, dass diese Überlebensstrategien der 30iger und 40iger Jahre aus einer Diktatur noch immer greifen? Was für eine Horror-Vorstellung. Gefühlsmäßig 70 bis 80 Jahre zurückzuliegen. Wie alt bist du? Minus 73.  Aber sie braucht sich ja nur zu beobachten. Vom Charakter her will sie was Besonderes sein. Muss sie, sonst geht sie vor die Hunde. Das familiäre Psychogramm hat aber was ganz anderes in sie gepflanzt. Bloß nicht hervortreten, nicht auffallen, wenn dir dein Leben lieb ist. Sich klein halten, nicht zu viel wollen, nicht viel erreichen –  sonst droht Enttäuschung oder Gefahr. Such es dir aus. Das sitzt. Das sitzt tief. Subkutan. Das ist ihr Fersensporn, ihr Stachel, der sie daran hindert den Wettbewerb aufzunehmen, einfach durchzustarten. Noch immer.
Aber es hilft nichts. Sie muss sich bewerben, sie muss was verdienen. Sie muss sich wieder in diese Situation begeben.

Angst beiseite schieben. Aber wie?

Die Eugenisierung schreitet voran!

Dass junge Aussiedler oft einen neuen eingedeutschten Namen verpasst kriegen, ist ja hinlänglich bekannt. Aus Aljöna wird Helena, aus Vitalij wird Walter und aus Sergej Sigfried oder Sigismund. Und aus dem in Russland allseits beliebten und sehr schnittigen Namen Jewgenij oder Shenja wird, na?  Eugen!

Dieses Phänomen hat ein junger Fotograf aus Berlin zum Anlass genommen ein sehr spannendes Projekt zu realisieren. Er heißt selbst Eugen, Eugen Litwinow.

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mehr unter: http://www.mein-name-ist-eugen.com

 

In seinem Buch stellt er Portraits von dreizehn jungen Männern vor, die ihren modernen Namen Jewgenij oder Shenja in Eugen umwandeln mussten, sobald sie nach Deutschland kamen. In Interviews befragt er sie über ihre Zeit in Russland und wie sie mit der Namensänderung leben. Und einige wissenswerte Tatsachen zum Namen Eugen werden ebenfalls erwähnt. Dieses Buch ist für alle Eugens ein Muss, für alle anderen ein Vergnügen!

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© Eugen Litwinow

 

Nemez – ein Kinofilm von Stanislav Güntner

Gesehen gestern im Rahmen des kleinen Fernsehspiels im Zweiten Deutschen Fernsehen.

Ein junger Russlanddeutscher, Dima, lässt sich in Berlin auf kriminelle Machenschaften ein. Er arbeitet für den georgischen Kunstdieb Georgij, der ihm den Spitznamen „Nemez“ gibt. Dima wird erwischt und landet im Gefängnis. Wieder draußen, verliebt er sich in die Kunststudentin Nadja (nur der Name ist russisch) und sucht einen Weg mit der Vergangenheit als Kunstdieb abzuschließen, die ihn immer wieder einholt.

Wir erfahren, dass er den Einbruch nur mitgemacht hat, um seinem Vater, der Geologe ist und in Berlin als Taxifahrer arbeitet, das nötige Startkapital zu beschaffen, damit er ein eigenes Taxiunternehmen gründen kann. Doch der hat eh andere Pläne, er will zurück nach Russland, will wieder in seinem Beruf arbeiten.

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© Filmschaft Maas & Füllmich und Nominal Film

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ist der erste Film, den ich gesehen habe, in dem ein Russlanddeutscher die Hauptrolle spielt. Seine Herkunft und seine Konflikte werden leise und unaufdringlich thematisiert. Ich habe dennoch vieles wiedererkannt. Die Coolnes der Jungs, wie die Mutter ihm noch mehr auf den Teller tut. Pelmeni essen. Auch die Idee mit der Gefrierkammer. Schön.

Vielleicht kommt er so echt rüber, gerade weil der Film mit echten Russlanddeutschen, also (zum Teil) mit Laienschauspielern besetzt ist. Aber das sorgt auf jeden Fall für die nötige Authentizität. Man merkt, dass Regie und Drehbuch nicht von Leuten stammen, die die russische Seele nur aus Konsalikverfilmungen kennen und deutsche Schauspieler als Klischeerussen auftreten lassen, die mit einem aufgesetzten Akzent grammatikalisch korrekte aber typisch deutsche Sätze drechseln.

Für meinen Geschmack ist Dimas Grund, kriminell zu werden,  nämlich um das Leiden des Vaters zu beenden, einen Tick zu altruistisch.
Dennoch. Starke Bilder. Wie Dima sich an die Glocke hängt, das Motiv der Leiter, die durch den ganzen Film zieht. Starker Auftritt der beiden Hauptdarsteller.

Meine Mutter, die ebenfalls lange wachgeblieben ist, um ihn zu sehen, ist hellauf begeistert. Wie gut sie gespielt haben, Dima und Nadja auch. Sie erzählte mir am Telefon, nicht nur für deine Generation, für Leute meines Alters hat er auch was zu sagen, der Film. Für die Älteren. Da sieht man ja, wie stark die Kinder mit den Geschichten von den Eltern verwickelt sind.

Schade, dass ich nicht rechtzeitig gelesen hab, dass man über Twitter mit dem Regisseur Kontakt aufnehmen kann. Ich hätt ihn so einiges fragen können. Zum Beispiel wenn der Georgier Dima Nemez nennt, also Deutscher in Anlehnung an seine Herkunft, was ist mit den anderen Jungs, die er für seine Diebereien einspannt. Sind die denn keine Russlanddeutschen? Aber unwichtig. Spitznamen haben ihre eigenen Gesetze.

Was mich irritiert ist, dass die Mutter bei ihrem Sohn bleibt und den Mann ziehen lässt.

Ein russlanddeutsches Märchen. Ein edler Junge, gute Anlagen, der abgerutscht ist und seinen Weg sucht. Ich hätte dem Film vermutlich ein böseres Ende verpasst. Aber Dima kommt ja auch nicht ganz mit heiler Haut davon.

Das Aufbleiben hat sich gelohnt. Auch wenn ich es schade finde, dass dieser Film nicht um viertel nach acht läuft, außer auf einem Spartensender, den ich nicht reinbekomme.

Und auf ARD wurde fast zeitgleich eine Doku zum Thema Deutsche in Polen gezeigt. Sicherlich reiner Zufall. Die Programmdirektoren haben sich wohl kaum abgesprochen und gesagt, nun machen wir mal nen Vertriebenen/Aussiedler-Abend.

Nein, ich will mich nicht beschweren. Super.

mehr Infos

http://www.nemez-film.de/trailer.html

Nomen est Omen I

Aussiedler. Das klingt doch irgendwie doof. So unsexy. So wenig schnittig und modern. Möchte man so genannt werden? Nicht wirklich. Gibts eine Alternative? Spätheimkehrer, wird kaum benutzt, nicht viel toller. Oder Russlanddeutsche. Ich weiß nicht, welchen Begriff ich schlimmer finden soll. Aus der Werbung weiß man, ein Produkt kann noch so toll sein, ohne einen attraktiven Namen wirds nicht gekauft. Das ist wie beim Thema Handarbeit. Handarbeitszirkel gibt’s nicht mehr. Alle betreiben Do It Yourself und sind in Sachen Handmade unterwegs, oder Crafting. Aber wäre ein Anglizismus hier passend? Settlers? Planters? Homesteaders. Nö.
Aus-siedler so wie Aus-länder, aber das sagt man ja nicht mehr. Mit Migrationshintergrund heißt es in einer politisch korrekten Schreibweise. Die große Frage: haben Aussiedler einen Migrationshintergrund? Ich würd sagen, aber sowas von! Mindestens sieben Generationen des Umherziehens und Heimkehrens und wieder verschleppt werdens. Also nicht nur mit Migrations- sondern sogar mit Deportationshintergrund. Die Nachkommen sind aber nicht Exdeportierte. Wie fasst man das alles zusammen und fügt es zu einem schnittigen Begriff?

Siedeln ist eher altbacken, Die Siedler, klingt schon besser, gibt es aber bereits als Spiel. Und eigentlich triffts Aussiedler auch nicht auf den Punkt. Eher Über-Jahrhunderte-hin-und-her-Geschobene oder Zickzackkulturwechsleruebergenerationenmitungeloestentraumataimgepäck. Ein bisschen sperrig. Und die Abkürzungen? ÜJahiuheGes oder Zizakuwis oder ZZKWs. Vergiss es. Die Alteltern und deren Eltern waren ja Kolonisten (nicht zu verwechseln mit Kolonialisten!) Also vielleicht Ex-Kollis aus der Ex-UdSSR? Bäh!

Gibt es Beispiele in der Natur? Zum Beispiel einen Ameisenstamm, der von seinem Volk abgeschnitten wurde, weil auf einer einsamen Insel gestrandet und dann nach Jahrzehnten wiedergekehrt? Gibts da einen Namen für? Sicher nicht. Die alteingesessenen Ameisen würden die Neuankömmlinge sicher zerbeißen bevor sie auch nur Hallo sagen. Wegen Konkurrenz und Darwin und so.

Einfache Vertriebene sinds nämlich auch nicht. Nicht mehr. Zwischen 1941 und 1945 vielleicht und die nächsten 12 Jahre, nachdem Stalin den großen Vaterländischen Krieg gewonnen hat. Wie wärs mit Landwechsler, Umverpflanzte, Umhergetriebene oder Wurzellose. Pflanzen, die leben ohne in der Erde zu wurzeln. Wie Efeu. Aber Efeu ist ein Parasit. Und das ist ein Schimpfwort und trifft es auch nicht. Außerdem sind Aussiedler sehr auf Wurzeln bedacht. Erde und Eigentum sind vielen wichtig. Irgendwo angekommen zu sein und einen Platz zu finden. Verlorene Söhne und Töchter, endlich heimgekommen.

Endlich-Angekommene oder Willkommene wäre nett als Name, ist wohl aber zu viel verlangt von den Hiesigen. Den deutschdeutschen Mitbürgern. Im Gegensatz zu den Russlanddeutschen, auch so ein seltsamer Begriff. Ist auch nicht zutreffend. Denn die meisten kommen aus Kasachstan, wohin die Wolgadeutschen deportiert wurden, die Alteltern stammen vom schwarzen Meer, die Nachkommen sind in Sibirien gelandet oder im Ural. Gilt der Ural eigentlich noch als Russland? Ich glaube er liegt schon jenseits. Also Russlanddeutsche, die nie in Russland waren, außer vielleicht bei einer Städtreise nach Moskau oder St. Petersburg/Leningrad.  Das sind Feinheiten. Aber Sprache ist bekanntlich das Kleid des Geistes. Und wir wollen doch modisch bleiben, oder?

Wildost-Pioniere klingt wie Wildwest-Pioniere, irgendwie abenteuerlich. Sogar Dissidenten hört sich spannender an. Oder Conquistadores, mutig und wichtig. Kolonialisten und Imperialisten, fies aber irgendwie auch stark. Das Wort Aussiedler dagegen hat so einen muffigen Beigeschmack, langweilig und irgendwie nichtssagend. Naja, ein Glück in etwa 100 Jahren haben sich alle schön integriert, sich vermischt mit den Hiesigen und den anderen und dann ist die Bezeichnung kein Thema mehr. Und in der Zwischenzeit?

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