Von wegen früher!

Baba Anna wollte von der Vergangenheit nichts mehr wissen. Sie wollte lieber vergessen. Diese jungen Leute, die immer nur das Alte aufwirbeln wollten, die nur von damals sprachen. Aufarbeiten? Was denn aufarbeiten? Die Vergangenheit war vorbei. Tot. So wie alle, die in ihr gewesen waren. Sie, Anna Rickert, wollte sich nicht mehr damit abgeben. Wozu? Sie wollte sich in der Gegenwart einrichten und für die Zukunft planen. Nicht immer nur jammern, wie schlimm es früher gewesen war. Sogar Leute, die hier geboren wurden oder die erst geboren waren, als alles vorbei und wieder gut war, fingen schon damit an. Was hatten sie denn damit zu tun? Wollte nicht einsehen, dass es besser war für alle zu vergessen. Das alles. Die Winter. Den Hunger. Die Worte. Die Schläge. Nein. Sie wollte nichts mehr davon wissen. Sie hatte ihre Wohnung. Alles in weiß, alles an seinem Platz, kein Stäubchen. Das Kissen auf dem Bett hochkant mit der Spitze nach oben. Sie hatte Tomaten auf dem Balkon und Blumen.

Die Vergangenheit ist doch tot. Und alle die darin gewesen waren auch.

Sie hatte ihre Enkel und ihre kleine Rente. Was wollte sie mehr? Und nachts, wenn sie schreiend aufwachte war eh niemand mehr bei ihr, den es stören konnte. Der Artur, ja der war schon fort. Die Leber hat das nicht mehr mitgemacht bei ihm. Auch er wollte vergessen, auf seine Weise. Aber gejammert hat er dann nie oder sie geschlagen. Oder die Kinder. Er saß nur ruhig da und trank. Stierte vor sich hin. Sie wusste, sie musste ihn dann in Ruhe lassen. Er machte es mit sich aus. Er war kein besonders guter Ehemann, kein besonders guter Vater. Aber auch kein schlechter. Nicht so wie Jurij, der Mann ihrer Tochter Irina. Der war ein Schläger. Ein Fuligán. Aber der durfte Irina und die Kinder eh nicht mehr sehen. Er musste wegbleiben. Damit war alles gut.
Aber was hatte das alles mit dem zu tun, was früher war? Jurij, der Mann ihrer Tochter war einfach nur ein Nichtsnutz und ein Grobian. Von wegen, er hat das nicht verkraftet. Was denn verkraftet? Die hatten es doch gut? Kamen mit Mitte Zwanzig hierher. Er hätte sich doch mehr bemühen können? Ihm wurden nicht alle seine Diplome fortgenommen wie ihr und ihrem Mann. Er hätte es hier doch zu was bringen können. Aber so. Um die Enkelchen tat es ihr leid, so ganz ohne Vater. Aber sie machten sich ganz gut. Lernten fleißig. Hatten alles, was sie brauchten. Diese Tablets und auch sonst alles. Die Zimmer waren doch voll mit Sachen. Und jedes Jahr kamen welche dazu. Das hatten sie nicht gehabt, damals in Bursolprom, in der Verbannung. Aber nein, sie wollte nicht so anfangen, wie die anderen Alten, die zu diesen Treffen kamen. Zum singe und verzähle, wie sie sagten. Und was sangen sie? Russische Lieder! Was anderes kannten die etwa nicht? Nein, nur zwei Mal war Anna mitgegangen, aber dieses Gejammere, diese Klagen, dort hat man uns nichts gegeben und hier gibt man uns auch nichts, das war ihr zuwider. Lieber allein bleiben. Die Hiesigen, die hatten ja auch ihre Treffen, aber da fühlte sich Anna nicht wohl. Sie verstand deren Probleme noch weniger als die der Unsrigen. Hauptsache sie wusste, wer sie war. Ist doch egal, wer was sagte. Ob russisch oder deutsch. Halb russisch halb deitsch, kommt der Vater mit der Peitsch. So war das bei ihnen damals. Dialekt haben sie gebabbelt, aber uff deitsch. Später ging das nicht mehr. Nur noch zuhause mit den Kindern. Doch die wollten bald keine Deutschen sein. Wollten sich assimilieren. Wollten sich verstecken. Und hier wollen sie plötzlich alles aufarbeiten. Sollen lieber arbeiten gehen, nicht aufarbeiten, dann kamen die auf keine dummen Gedanken nicht. Nein, Anna wollte von der Vergangenheit nichts wissen. Ihr ging es doch gut. Was vorbei war, war vorbei.

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Willkommen im Club oder Eine Weihnachtsgeschichte im Januar

Ich habe letztes Jahr im Januar eine Einladung zu einem Schreibwettbewerb erhalten. Das Thema war: deutsche Weihnachten in Russland. Veranstaltet vom Literaturkreis der Deutschen aus Russland e.V. und von der katholischen Seelsorge in den GUS Staaten.

… mit einem besonderem Blick auf die Wechselbeziehungen von religiösen und gesellschaftlichen Problemen und auf die Fragen nach Gott und der Weihnachtstagen im Leben eines Menschen in der heutigen modernen Gesellschaft …

Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, den Wettbewerbstext, dachte ich, toll, da mach ich mit. Der zweite Gedanke: was soll ich dazu schreiben? Ich habe nie deutsche Weihnachten in Russland gefeiert.

Also habe ich genau das geschrieben:

Ich kann mich nicht erinnern, jemals deutsche Weihnachten in Russland erlebt zu haben. Noch nicht mal russisch orthodoxe Weihnachten. Als ich ein kleines sowjetisches Mädchen war, wurde mir gesagt, dass Leute, die in die Kirche gehen, gefährlich leben. Dass sie verachtet werden und Schwierigkeiten bekommen könnten. Welcher Art Schwierigkeiten, hat mir aber niemand genau erzählt. Meine Kernfamilie hat sich diesem Risiko jedenfalls nicht ausgesetzt. Und zuhause haben wir in guter sozialistischer Tradition am 31. Dezember eine Tanne aufgestellt, unchristliche Gedichte aufgesagt, „Die Ironie des Schicksals“ geguckt und das Väterchen Frost brachte uns unsere Geschenke. Ich weiß noch nicht mal, ob ich als Kind was von Jesus gehört habe. Vielleicht eher an Ostern, wo es dieses Brot gab und man sich zuflüstern musste, Iessus woskress, also Jesus ist auferstanden, und die Augen so aufreißen. Aber ich habe die Bedeutung der Wörter nicht verstanden, sie waren für mich eher so etwas wie eine geheime Formel. Zauberei. Gott wurde oft erwähnt, Gott musste man fürchten, denn er strafte alle, die Blasphemie betrieben. Das Wort „Kaschjunstwo“, also Blasphemie kannte ich von kleinauf. Aber ich vermute, dass die katholische Seelsorge diese Dinge eher nicht wissen will.

Mein Vater kann was zu deutschen Weihnachten in der Verbannung in Sibirien erzählen. Wie sie nach dem Krieg aus Zeitungspapier Baumschmuck gefertigt haben gemeinsam mit der Mutter. Das ist aber auch schon alles, was ich dazu habe. Und das ist noch nicht mal meins.

Andere Dinge, die mir dazu einfallen, will die katholische Seelsorge sicher auch nicht wissen.

Wie ich letztes Jahr kurz vor Weihnachten per Mail ein Foto von meinem Großvater bekommen habe, weil ich innerhalb der Familie nach Bildern gefragt hab, die ihn auch mal als jungen Mann zeigen.

Auf diesem Foto sieht er sogar sehr jung aus, fesch und stolz guckt er aus seiner Uniform.  Mit den Sig-Runen am Kragenspiel. Dass er bei der Wehrmacht war, als er für kurze Zeit während des Krieges nach Deutschland kam, wusste ich. Aber dass er auch bei der Waffen-SS gewesen ist, habe ich nicht gewusst oder hatte es all die Jahre verdrängt.

Waffen-SS. Das zumindest besagt seine Uniform. Hat keiner vor mir was gemerkt? Warum hat niemand jemals darüber gesprochen?

Weils damals eben so war? Die Zeit hart war? Du hast zu viel Phantasie, was soll er schon gemacht haben? Alle waren dabei. Sie mussten ja.

Willkommen im Club, lautete der knappe Kommentar einer deutschen Freundin.

1941 Polen 1
In solchen zu Schreibstuben umgebauten LKWs wurden Volksdeutsche eingebürgert und rekrutiert. Polen 1941

Wie habe ich damals reagiert? Panisch und manisch. Habe angefangen wie wild zu recherchieren. Habe Uniformen und Kragenspiele und Embleme auf Tellermützen verglichen. Und erst einmal festgestellt, dass er nur zum Fußvolk gehörte. Keine höheren Rangabzeichen, die unterste Kategorie. Ich habe aufgeatmet. Doch das muss ja nichts heißen.
Ich habe weiter geforscht und ein Buch im Internet gefunden, bei dem es um Volksdeutsche in der Wehrmacht ging. Leider eine Sackgasse, weil das Buch in so einem Zwischenreich zwischen Faszination für den Krieg und Faktenreichtum dämmert. Fakten über meinen Opa habe ich da leider nicht gefunden.

Ich habe mich bei einem Seminar über Täter in der Familie angemeldet und erst das konnte meine innere Aufruhr ein wenig lindern.

Über Weihnachten habe ich alle Heimatbücher (Text-Sammlungen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland), die bei meinen Eltern zuhause im Schrank standen, durchforstet und nach anderen Russlanddeutschen gesucht, die bei der SS waren. Es scheint allerdings kein sehr gängiges Thema zu sein. Viele Erinnerungen habe ich gelesen, viele Biografien und Memoiren. Alles Opfer. Keine Täter. Von einem Hinweis, dass jemand bei der Wehrmacht oder der SS gewesen wäre, nicht die Spur. Entweder wars wirklich unüblich und mein Opa war ein Einzelfall oder es wird nicht darüber gesprochen. Ist ja auch kein rühmliches Kapitel der Geschichte. Nur in einem Bericht über die Heimholung ins Reich war da dieser Satz, dass alle Deutschen, die mit einem der Trecks durch den Warthegau gekommen sind, im Eiltempo eingebürgert wurden und die halbwegs Kampffähigen unter ihnen eingezogen wurden, in die Wehrmacht, den Volkssturm und eben in die Waffen-SS.

Und in einem anderen Nebensatz wird erwähnt, dass Karl Stumpp, ein hoher SS-Offizier und selbst Russlanddeutscher, damit beauftragt war, die Volksdeutschen in den Ostgebieten zu zählen und statistisch zu erfassen. Vielleicht mit dem Ziel, sie als letztes Aufgebot Hitlers ins Deutsche Reich zu holen? Heimholung ins Reich. Was für ein Euphemismus. Dafür was dann geschah.

Die SS, das war die Schutzstaffel Hitlers, sie war Heinrich Himmler unterstellt und für Sonderaufträge zuständig. Diese Sonderaufträge mag ich mir nicht vorstellen. Die ganze Operation im Ostraum und in den Baltischen Ländern, in der Ukraine und in Ostpreußen stand unter ihrem Kommando. Sie waren ebenso für die Konzentrationslager zuständig. Für den Bau, die ganze Abwicklung, den Mord an Millionen.

Ein Stück meiner Welt ist letztes Jahr ins Wanken geraten. Mein Opa hat bei denen mitgemacht?

Das geht nicht. Ist undenkbar. Wir waren doch Opfer. Seit ich denken kann, heißt es, wir wurden verschleppt und ungerechtfertigt verfolgt, in Russland festgehalten bis lange nach dem Krieg. Wir haben büßen müssen für das, was wir nicht verbrochen haben. Das sind unverrückbare Sätze, mit denen ich aufgewachsen bin. Wie in Stein gemeißelt. Für die Ewigkeit.

Andere haben eine Geburtsurkunde, ich habe eine amtliche Verschleppungsurkunde. Verschleppt am soundsovielten (mein Geburtsdatum) nach Omsk. Sie hatten wohl im Auffanglager an dem Tag als wir kamen, keine Formulare für Kinder mehr und haben mir eine Verschleppungsurkunde ausgestellt. Anders kann ichs mir nicht erklären.

Aber zurück zu meinem Opa. Ich habe wenig Hoffnung, dass ich herausfinde, was wirklich geschah. Wie so viele, die im Krieg gewesen waren, wie so viele seiner Generation, hat er viel geschwiegen und wenig gesagt. Über diese Zeit. Und in Archiven ist auch nicht viel über ihn zu finden.

Wenn ich diesen Text für den Weihnachtswettbewerb wirklich abschicken würde, nach dem ich ihn auf 5 Seiten a 30 Zeilen gebracht habe, würde es heißen: Sorry, am Thema vorbei. Die Frage nach Gott kann ich auch nicht beantworten. Der 26. Januar, der Tag an dem ich die Ausschreibung erhalten habe, war zufällig der Tag, an dem Auschwitz befreit wurde. Wenn irgendwas mich an Gott zweifeln lässt, dann die Tatsache, dass es sowas wie Auschwitz überhaupt gab.

Aber ebenso undenkbar ist es, dass ein naher Verwandter von mir, mein Opa, dass er ein Rädchen in dieser Todesmaschinerie gewesen sein soll. Viel hat er nicht erzählt, aber dass er nie eine Waffe in der Hand hatte, nur Chauffeur und Kammerdiener eines Generals gewesen sei, dass er nie eine Waffe abgedrückt hat in diesen Jahren, das hat er gesagt. Ich will ihm gern glauben. Ein schwacher Trost. Das ganze deutsche Volk war einst voller Chauffeure und voll mit denen, die nichts gewusst haben. Oder nichts gewusst haben wollen. Nun gehören wir dazu. Ich bin angekommen, in der Mitte der Gesellschaft. So sarkastisch das auch klingen mag.

Ich richte nicht. Ich weiß nicht, auf welcher Seite ich gestanden hätte damals. Auf der sicheren Seite?

Mein Los ist, dass ich beides in mir trage. Das Blut der Russen trage ich in mir, die unter den Faschisten gelitten und sie ebenso grausam bekämpft haben. Die Gräueltaten, die russische Soldaten auf deutschem Boden oder die NKWD Männer gegenüber deutschen Zivilisten in Russland verübt haben, stehen denen der Nazis in nichts nach. Gut, die einen können wenigstens sagen, die anderen haben angefangen.

Und ich bin die Enkelin eines Mannes, der Teil der Waffen-SS gewesen ist. Wenn auch nur für kurze Zeit. Teil derjenigen, die damals gedacht haben, auf der richtigen Seite zu stehen. Auf der sicheren Seite. Die Guten sein. Das Böse vernichten.

Täter – Opfer. Opfer – Täter. Die Linien verschwimmen. Manchmal komm ich mir vor, als wäre ich genau dazwischen. Accidently inbetween.

Mein Großvater kam nach Kriegsende in englische Kriegsgefangenschaft und wurde an die Rote Armee ausgeliefert. Er hat in einem russischen Kriegsgefangenenlager überlebt und hat seine Familie wiedergefunden, auf wundersame Weise.
Das Foto, das unmittelbar danach von ihm aufgenommen wurde, zeigt einen Mann in Zivil, der um mindestes 10 Jahre gealtert ist. Er schaut noch immer geradeaus, aber mit einem gebrochenen Blick.

Wostok-Zapad, eine Liebe in Russland

Der Film Восто́к – За́пад, oder auf französisch Est- Oest, wurde 1999 als eine französchisch-ukrainische-russisch-spanisch-bulgarische Produktion gedreht. Die Regie führte Régis Wargnier.

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Alexej versucht Marie zu bremsen.

Er weist so namhafte Schauspieler auf wie Oleg Menschikow (Олег Меньшиков), Sandrine Bonnaire (Сандрин Боннэр) und Catherine Deneuve (Катрин Денёв).

Der Plot spielt kurz nach dem WWII: Stalin ruft alle ins Ausland geflohenen Russen zurück ins Heimatland (es gibt sogar ein Wort dafür: Репатриант, Repatriant). Tausende folgen seinem Ruf. Doch statt eines proletarischen Paradieses empfängt sie der Geheimdienst und alle werden sofort verhört und dann als imperialistische Spione verschickt. So soll die französische Ehefrau (Сандрин Боннэр) des Arztes Alexej (Олег Меньшиков), auch verhaftet werden, doch er verbürgt sich für sie und, anders als die anderen, landen sie mit ihrem kleinen Sohn nicht im Lager sondern in einer Kommunalka in der Provinz.
Ihr französischer Pass wurde vom böswilligen KGB-Agenten zerstört und und somit die Aussicht auf eine Rückkehr zunichte gemacht. Doch Marie gibt nicht auf. Sie kämpft und mithilfe des jungen Sportschwimmers Sascha (Серге́й Бодро́в jr), der auch in der Kommunalka lebt und einer kommunistisch gesinnten Diva aus Paris (Катрин Денёв), bekommt sie die Chance, den eisernen Vorhang zu überwinden. Auch wenn es sie viele Jahre und einige Rückschläge kosten wird.

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Schwimmprofi Sascha ist Maries große Hoffnung

Man könnte sagen, die Kleidung der vierziger Jahre, dieses nostalgische Etwas, das Sandrine Bonnaire nonchalant trägt, ist in dem Film überbetont. Aber abgesehen davon, ist das Setting sehr realitätsgetreu, die Intrigen und Verräter der kommunalen Wohngemeinschaft, die Stumpfheit des stalinschen Behörden und die Tristesse der abblätternden Tapeten kommen sehr gut zur Geltung. Die Darstellung des Lebens im Lager wird uns zwar erspart. Aber ansonsten werden die Brutalität und Willkür des Regimes und die Mitläufermentalität schonungslos gezeigt.

Kein Wunder, denn der Drehbuchautor Rustam Ibragimbekov (viele kennen ihn als Autor von „Urga“) und der Filmemacher Sergei Bodrov sen. haben am Skript mitgewirkt. So kommt es, dass, obwohl die Bilder schön sind, obwohl die Geschichte leicht filmisch verklärt ist, der Film die stalinistische Zeit ohne verwestlichten Blick oder den Hauch von Sowjetpropaganda zeigt. Und spannend erzählt ist er allemal.

Ich denke, dieser Film ist ein wertvolles Stück Aufarbeitung und interassant für alle, die etwas von der Zeit damals spüren wollen. Auch die Sprachen Französisch und Russisch, die in dem Streifen gemischt werden, verleihen ihm ein Stück Authentizität.

Leider ist er nicht auf Amaz-duweißtschonwas oder anderen bekannten Plattformen erhältlich. Aber auf russischen Seiten kann man ihn runterladen.

Es gibt auch kritische Stimmen dazu:

„Wargnier, der bereits in Indochine die Kolo­ni­al­nost­algie mancher Franzosen zerpflückt hatte, insze­niert das Umkippen des Traums in den Alptraum genüßlich. Mit allen Mitteln des Melodrams klagt er die Diktatur an, zwischen den unschul­digen Haupt­fi­guren und den bösen Kommu­nisten bleibt wenig Platz für Grautöne. Der Beweis politisch-korrekter Gesinnung überwiegt allen Realismus“, schrieb Rüdiger Suchsland von Artechock e.V.

Und noch ein Detail: der in Russland sehr bekannte Mime Oleg Menschikow hat 1982 in dem Fernsehzweiteiler „Das Pokrowski-Tor“ („Покровские ворота“) einen jungen Mann in einem ähnlichen Setting gespielt. Also ohne Stalin-Kritik und Franzosen aber sonst war alles da, die Komunalwohnung und die Fünfziger-Jahre. Bloß ganz volksnah, unkritisch naiv und nostalgisch verklärt. Eine Art Doris Day Szenario für Russen. Bewohner der Komunalwohnung als Gutmenschen mit Liebesproblemen. Was für ein Kontrast!