Irgendwo im Nirgendwo – Das deutsche Theater in Temirtau

Im Herbst vergangenen Jahres ist ein Roman über das Deutsche Theater in Temirtau erschienen.

Wo nochmal?

Genau. Temirtau.
Irgendwo im Nirgendwo.

Wo ist das noch genau?

Die Geschichte dieses Theaters erinnert entfernt an Herzogs Film Fitzcarraldo, in dem ein Exzentriker, verkörpert durch Klaus Kinski, ein Opernhaus mitten im peruanischen Dschungel bauen will. Doch das war nur ein Film. Fiktion.

Das Theater, das Eleonora Hummel ihren Roman „Die Wandelbaren“ beschreibt, hat jedoch wirklich existiert. Es hat in den Achtziger Jahren einen kurzen Auftritt hingelegt, sozusagen ein Gastspiel in der Sowjetunion gegeben. Und das ausgerechnet in einer Metallurgen-Stadt in der kasachischen Steppe. Wie es dazu kam, zeichnet die Autorin in ihrer gewohnt lakonischen und trockenen Art in diesem Roman nach. Sie beschreibt die Entwicklung der unwirklich klingenden Geschichte anhand der Lebenswege einiger Mimen und entführt uns in eine andere Welt und eine andere Zeit.

Der Roman beginnt mit der Rekrutierung der angehenden Schauspieler und Schauspielerinnen. Zum Teil vom Feld weg. Schildert ihre Ausbildung in einer renommierten Schauspielschule in Moskau, in der sie neben Schauspielkunst, Theatergeschichte und Fechten auch noch ihre Muttersprache erlernen. Denn nach Jahrzehnten der Unterdrückung und systematischen Zerschlagung der deutschen Sprache und Kultur in der SU, ist wenig da, auf dem das Nationaltheater aufbauen könnte. Doch da die Oberen der Partei 1975 nun mal beschlossen hatten, dass es an der Zeit wäre, dass auch die Deutschen ein nationales Theater haben sollten, wurde alles in Bewegung gesetzt, um das zu erreichen. Wenn sie schon nicht eine eigene Republik bekommen.

Recht bald war den hospitierenden Deutschlehrern aufgefallen, dass die muttersprachlichen Kenntnisse bei den Studenten sehr ungleich verteilt waren. Sie bestätigten gegenüber der Hochschulleitung, dass der auf unserer Seite vereinzelt vorhandene, rudimentäre Wortschatz für die Bühne nicht zu gebrauchen war. Mit diesen für Goethes und Schillers Werke unzumutbaren Dialekten unterschiedlicher Färbung, mit diesem Mischmasch an Mundarten sei einfach kein ernstzunehmendes Theater zu machen. Die Dozenten erklärten uns, man habe nicht nach Moskau geholt, um uns für Bauernschwänke auf Jahrmärkten auszubilden. Wir sollten die Bühne eines Nationaltheaters bespielen. Ob uns klar sei, was das bedeute?“
S 105

Aber sie schaffen es. Sie stellen ein Ensemble auf die Beine, Stücke werden geschrieben, umgeschrieben, Klassiker eingeübt.

Plakat für die Diplomaufführung im Malyi Theater in Moskau. Auf dem Plan: Die Ersten, ein Stück von Alexander Reimgen.

Die Charaktere des Romans sind fiktiv, basieren aber auf erlebter Geschichte. Die Autorin hat im Vorfeld viele Interviews mit den Ehemaligen geführt, hat viele persönliche Geschichten und Anekdoten gesammelt und daraus etwas eigenes geschaffen. Das Besondere: sie lässt die Handvoll Protagonisten (Emilia, Violetta, Arnold und Oswald) im Wechsel die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählen. Sie begleitet sie über mehr als 15 Jahre hinweg. Bis zu ihrer letzten Wandlung, nach der Ausreise in das neue Leben in Deutschland.

Dort, wo das Wissen der Protagonisten nicht ausreicht, führt Hummel weitere Personen ein, einen Stadtbilderklärer, der einen Rundumschlag über die Geschichte macht, einen Impresario, der das Theaterschiff durch die Unbilde der sowjetischen Realität führt. Die fast noch absurder ist, als jedes Theaterstück von Samuel Beckett. Zum Beispiel auf Gastspielreisen an Orte, in denen Deutsche leben.

Zum Frühstück gab es nichts. Rudi sagte: Selbstversorgung. C‘est la vie. Geht hinaus und seht zu, wie ihr satt werdet. Abends hatten wir versäumt, uns von den Bauern nach der Aufführung etwas mitgeben zu lassen, Frischwaren wie Brot, Milch, Schmand und Speck. Nach jeder Vorstellung landeten die floralen Gaben in der Hotelbadewanne oder verwelkten auf der Gepäckablage im Theaterbus. Im Lebensmittelladen in der Nähe des Hotels verstaubten die Regale ohne Ware. Nur georgischer Rotwein hatte die Zeiten überdauert, wer weiß, aus welchem Grund. Wir schmissen unsere Scheine zusammen und kauften alle fünf Flaschen. Oswald schlug vor, uns in Gruppen aufzuteilen, um die Chancen auf Essensbeschaffung zu vergrößern (wie Partisanen auf Geheimmission).“
S 295

Wie gesagt, der gesamte Roman ist aus der Ich-Perspektive von wechselnden Akteurinnen und Akteuren erzählt. Es ist eine sehr große Herausforderung, die Geschichte des National-Theaters und die wechselvolle Geschichte der DaR ganz ohne Metaebene zu erzählen, ganz ohne eine allwissende Stimme aus dem Off.

So entsteht ein vielstimmiger Chor. Wenn das nicht theaterhaft ist, weiß ich auch nicht. War das nicht so, früher, im antiken griechischen Theater? War da nicht auch ein Chor, der ein Drama vorgestellt hat, Figuren, die sich aus der Masse lösen, was sagen, singen und dann wieder in der Masse verschwinden? So ähnlich wirken die Episoden in „Die Wandelbaren“. Sie haben ihre eigenen Wünsche, Ziele und Hintergründe. Treten aber in die Gruppe zurück, um die Geschichte vorwärts zu bringen.

Das Foto aus dem Jahr 1985 zeigt das Ensemble des Deutschen Theaters Temirtau in Kasachstan

Bald reift der Plan heran, die Diplomstücke bei den Olympischen Spielen in Moskau aufzuführen, 1980, als die gesamte Welt nach Moskau schaut. Sie bekommen eine zusage, üben fleißig. Doch, wie nicht anders zu erwarten:

„Irgendwann stand das Programm fest, unsere Stücke tauchten darin nicht auf. Wie war das möglich? Ein Fehler im Programm? Dann musste neu gedruckt werden! Ignatjewa verordnete sich plötzlich Schweigen, ließ den Enttäuschten und Ratlosen ausrichten, dass sie das Gastspiel eines anderen Jahrgangs begleiten müsse und wünschte uns weiterhin viel Glück und Erfolg.“
S195

Als Eliteabsolventen hatten wir die Flügel ausgebreitet, mit Adleraugen die Metropolen des Landes nach Jagdgründen abgesucht – um in Termirtau zu landen, wo es keine Beute für uns gab.
S195

Die Stadt der Metallurgen grüßt ihre Gäste!

[…] keine Olympischen Spiele, keine Hauptstadt, keine blühenden Apfelbäume, keine malerischen Bergketten am Horizont von Alma-Ata …
Stattdessen erwarteten uns Stahl, Rost, Kalk, Asbest, Zement und qualmende Schornsteine an der Seite von Hochöfen.
S196

Schlote und Kultur, durchaus vereinbare Gegensätze.

Nach der elitären Ausbildung in Moskau landen die verheißungsvollen Kulturträger der deutschen Minderheit mittendrin im Nirgendwo. In einer Metallurgen Stadt, wo die Luft so dreckig und giftig ist, dass die Wäsche nach wenigen Stunden an der Leine grau wird. Eine Ortschaft mit 250 Tausend Einwohnern, von denen ca. zehn Prozent deutscher Abstammung sind. Ein Provisorium, wie es ursprünglich von offizieller Seite heißt. Aber ein Provisorium, das sich verfestigt. Wie so oft in der Union der Sowjetischen Sozialistischen Republiken.

Und dennoch. Allein damit, dass sie adeutsches Theater auf Deutsch gemacht haben, damit, dass sie bei den Gastspielen durch kleine Orte und Dörfer getingelt sind mit Schwänken im Dialekt und alten Volksweisen, haben die Schauspieler des deutschen Theaters aus Temirtau den Leuten ein Stück Identität wiedergegeben.

Absurdes Theater kennen wir eigentlich von Beckett und Ionesco. Doch die Geschichte dieses Theaters ist auf allen Ebenen an Absurdität kaum zu übertreffen. Und dennoch sie ist real. Beziehungsweise, war ein Jahrzehnt lang real existierend – von 1980 bis 1990. Bis die gerade erst erstarkten Strukturen zusammenbrechen und alle, auch die Schauspieler nach und nach in den Westen ausreisen. Kurz zuvor gab es noch die Hoffnung auf eine vollständige Rehabilitierung der deutschen Minderheit, auf eine erneute deutsche Republik an der Wolga. Doch dieser Wunsch zerschlägt sich, es folgt eine massive Ausreisewelle. Diese Seite der Geschichte ist hierzulande wohlbekannt.

Das andere klingt so phantastisch, dass ein Lokalreporter, der bei der Buchvorstellung im Oktober vergangenen Jahres dabei gewesen ist, als erstes gefragt, das ist jetzt aber ausgedacht, oder? Das beruht doch nicht auf einer wahren Geschichte.

Doch tut es.

Es ist irgendwie unwirklich über ein Theater zu schreiben, eine Rezension zu diesem Buch zu machen, in einer Zeit, in der die Theater wie ausgestorben sind. Unwirklich. Was hoffentlich nicht so bleiben wird!

 

Eleonora Hummel, Die Wandelbaren
Müry Salzmann Verlag
464 Seiten
ISBN 978-3-99014-196-0
EUR 24,00

Wer sich weiter informieren möchte:

–  2018 ist das Buch „Schicksal eines Theaters“ von Rose Steinmark dazu veröffentlicht.

„Das Schicksal eines Theaters“

–  im Deutschlandfunk ist am 28.8. um kurz nach 20 Uhr ein Feature von Mirko Schwanitz dazu zu hören:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-unglaubliche-geschichte-eines-deutschen-theaters.3720.de.html?dram%3Aarticle_id=481516

An der schönen grünen Wolga

Trügerische Idylle. Wolken über Wolga.

Jedes Mal im Frühling, so schreibt es die russische Zeitung Nowaja Gazeta, wenn das Eis schmilzt und sich die Stau-Becken an der Wolga füllen, wird ein ehemaliger deutscher Friedhof überschwemmt und die halb zerfallenen Särge ragen förmlich aus dem Wasser. Es fehle an Geld, die Ufer zu befestigen.

Wer unten am Wasser steht, und sich die hoch aufragenden Lehmwände des Ufers anschaut, sieht dort die morschen Holzkisten stecken, zwischen deren Latten noch die alten Knochen zu sehen sind. Manche der Särge fallen auseinander, dann liegen die Gebeine blank am Ufer, wo die gelben Wellen sie hin und her wiegen. (Fotos in der Komsomolskaya Prawda aus dem Jahr 2009).

Was haben diese leeren Augen gesehen? Was haben sich die Leute, die durch das Manifest Katharina II angelockt wurden, zu Lebzeiten erhofft? Welche Sorgen hatten sie gehabt? Womit hatten sie zu kämpfen?

Eine, die sich in ihrem neuen Roman des Schicksals der ersten Siedler an der Wolga (bzw. ihrem Zufluss, dem Karaman) annimmt, ist die in Berlin lebende Butorin Antonina Schneider-Stremjakowa.

Ihr historischer Roman‚ Eisberge der Kolonisierung – Zur Geschichte der Wolgadeutschen in den Jahren 1763 bis 1830‘ ist in diesem Jahr auf deutsch erschienen. Seit zwei Jahren ist es als ‚Айсберги колонизации‘ bereits in russischer Sprache auf dem Markt.

Es ist die Geschichte von Kaspar Schneider und seinen Nachkommen, die eines schönen Tages in der Nähe von Metz aufbrechen, um ins Unbekannte zu ziehen. Sie erhoffen sich nicht nur ein besseres Leben. Kaspar will konkret das Leben seines Sohnes Lorenz retten, der sonst als Fremdsöldner an irgendeinen König verkauft werden würde.

Sie wissen, dass die Reise in den Osten kein Zuckerschlecken wird, aber und dass ist die große Masse des Eisbergs, der unter dem Wasserspiegel liegt, das was sie dort antreffen, die Strapazen und Katastrophen haben die Neusiedler nicht erwartet.

Ich habe den Roman bei einem Besuch meinem Vater zum Durchblättern gegeben. Er hat ihn genommen und zwei Tage nicht mehr aus der Hand gelegt. Es regnete. Die Sonne schien. Wir anderen sind spazieren gegangen oder haben Eis gegessen. Er saß in seinem Sessel und las und las und stand nur zum Essen und zum Schlafen auf.

Wenn er etwas lobt, sagt er normalerweise nie etwas außer einem knappen: gut. Und auch dieser Roman bekam das Prädikat gut. Als ich weiter fragte, kamen ein paar mehr Sätze: ‚…leicht zu lesen, leicht zu verstehen. Und die Fakten kenne ich schon. Aber wie diese Leute diese Fakten auch am eignen Leib erlebt haben, das lese er hier zum ersten Mal.‘

‚Bitter‘, sagte mein Vater noch dazu. ‚Sie [Katharina II] hat sie eingesetzt als lebende Schilder gegen die Angriffe. Der Tataren [an der Krim], der Kirgisen [an der Wolga]. Ohne nichts waren sie dem ausgesetzt, mit bloßen Händen.‘

Und dennoch verlieben sich die Menschen, heiraten, streiten sich, kriegen Kinder, begraben ihre Toten. Eine lange Abfolge von Schicksalen umfasst das Buch, über einen Zeitraum von fast 70 Jahren.

Als Kulisse für diesen Reigen dient die Abwanderung aus Deutschland, damals vor den napoleonischen Kriegen und die Ankunft in der Fremde und die entbehrungsreichen Jahre an der Wolga.

Die Autorin Antonina Schneider-Stremljakowa stammt von einem wolgadeutschen Chronisten der damaligen Zeit ab, der fast so heißt wie sie: Anton Schneider. Seine Urenkelin Antonina hat bereits sein Buch „Mariental XVIII-XIX“ übersetzt und in Deutschland herausgegeben. Beidsprachig, auf Russisch und auf Deutsch. Darin kommt sowohl die Legende vom Kirgisen-Michel als auch das Stammesregister und die minutiöse Beschreibung einiger der wirklichen Bewohner des Dorfes. So wird auch der Vorsteher Peter Pfannensiehl beschrieben, der auch im Roman eine Rolle spielt. Über Missjahre wird berichtet, wie viele Rubel jeder für den Bau einer neuen Kirche gespendet hat und sogar lange Gedichte aus der Feder von Anton Schneider kommen vor. Eine Fundgrube an Informationen.

Ausgehend von der Vorlage, den Fakten, die ihr der Vorfahr liefert, schafft Antonina Schneider ein lebendiges Bild von den täglichen Sorgen, dem Ankämpfen gegen Hunger und Wetter und die Angriffe der Nomadenvölker.

Ihr Spott über die sackartige Kleidung der Einheimischen: «Schafmützen auf Schafköpfen», war schnell verflogen; dafür dachten sie sich den Spruch aus: «ein Pelz im Winter, recht groß – sonst bist du schnell das Leben los».

Doch der Frost verstand keinen Spott: die Einen erfroren im Dorf, andere auf dem Weg dahin. Sie hatten überhaupt keine Vorstellung, wie sie an warme Kleidung, Schuhwerk, Skier und Schlitten herankommen sollten. Aber die knackende Kälte lehrte sie selber Pelzwerk herzustellen. S 75

Und immer wieder taucht der Fluss auf, nicht die Wolga, sondern sein Nebenarm, der große Karaman, an dessen Ufer sich die Schneiders mit ihren Nachbarn angesiedelt haben. Sie fangen Krebse, beobachten den Eisgang, im Sommer baden sie, sie jagen Saigas und Wildpferde in der Steppe.

Wieder was gelernt: solche Saiga-Antilopen haben die Siedler in der Steppe erlegt

Schneider-Stremjakowa hat dieses Buch, wie alle ihre Werke, auf Russisch verfasst. Sie kam sehr spät nach Deutschland und betrachtet sich als ‚Trägerin der russischen Sprache‘.

So geht sie im Roman gleich an mehrere Stellen darauf ein, dass die Kolonisten doch bitte russisch lernen sollen und ihren Kinder die Sprache des Gastlandes beibringen, damit sie nicht wie auf einer Insel leben.

Auf dem Rückweg überlegte Lorenz, dass nur zwei Menschen von der Übersiedlung profitiert haben: Maria-Theresa und Stefan – sie sind in die Stadt umgezogen, haben den Status des Kleinbürgertums erlangt, haben Russisch gelernt; während die Siedler in der Kolonie von einem Augenblick zum nächsten zu rechtlosen „niederen Leibeigenen-Bauern“ geworden sind. „Die Kinder sind rechtlos und auch noch des Russischen nicht mächtig, – dachte er, das Pferd antreibend. – Sie sind hilflos. Ich muss wenigstens meinen Kindern intensiv russisch beibringen“. S 240

Abgesehen von ihrer Tätigkeit als Romanautorin, betreibt Schneider-Stremjakowa ein Literaturportal derjenigen deutschen Autorinnen aus Russland, die in russischer Sprache schreiben.
Portraits und Texte von Lyriker
innen und Prosaschreibenden wie Hugo Wormsbecher, Katharina Kucharenko, Lydia Rosin und Alexander Schmidt und vielen anderen hat sie dort gesammelt, aus der Zeit in der Sowjetunion und welche, die auch in Deutschland ihre Ziehsprache nicht vergessen haben und sich darin genauso gut ausdrücken können.

Historisch gesehen, ist dieses Buch ein wichtiges Dokument, aufbauend auf den genauen Aufzeichnungen des Urahns, Anton Schneiders. Es ist wie ein Lehrbuch mit verteilten Rollen. Viel vom Leben der damaligen Kolonisten scheint hindurch: ihre Religiosität und Kirchenhörigkeit, der Überlebenskampf.

Die Autorin schafft es, die Leser*innen in eine andere Zeit zu versetzen. Es wäre für die Geschichte aber sicher angenehmer, sie hätte sich eine Person herausgegriffen, hätte ein Leben gefüllt und die Geschichte noch stärker verdichtet. So entsteht ein Eindruck vom Leben im Schnelldurchlauf.

Noch immer finden die Toten an der Wolga keine Ruhe. Und was trauriger ist, es scheint niemanden so richtig zu interessieren. Seit der Deportation von 1941 leben deren Nachkommen nicht mehr dort. Doch die ersten Siedler haben durch diesen Roman wieder Gesicht bekommen und Namen. Sie heißen Antoinette und Lorenz, Johannes und Kitty, Matthias Zwinger und Louise.

Und wir können uns ein besseres Bild davon machen, wie sie dort gelebt haben, an der schönen grünen Wolga.

Erste Kolonisten – Gemälde von Kurt Hein

Antonina Schneider-Stremjakowa
Eisberge der Kolonisierung
Historischer Roman. Zur Geschichte der Wolgadeutschen in den Jahren 1763 bis 1830
erschienen 2017, 292 Seiten, € 17, –
ISBN: 978-3-939290735