Oriannes Fund

Da ist eine Frau. Orianne. Sie geht auf den Flohmarkt und findet Alben mit alten Schwarzweißfotos, die deutsche Wehrmachtsangehörige in den Jahren 1941 bis 1943 größtensteils an der Ostfront gemacht haben. Viele sind in der Ukraine oder in Ostpolen aufgenommen worden. Sie digitalisiert sie und fängt an, sie am Computer zu kolorieren. Sie stellt die Bilder für alle einsehbar auf einer Geschichts-Webpage zur Verfügung. Unzählige Bilder sind es, so kommts mir vor.

1941 Ostfront Russland

Menschen vor Holzhäusern. Frauen mit Kopftuch, die Männer in ihren langen Hemden. Furashki, oder wie heißen sie noch mal, diese typischen Schirmmützen?

Bauernmädchen in bestickter Schürze, barfuß. Ganz viele einfach barfuß. Auch im Winter. Manchmal sehen sie westlicher, weniger russisch oder ukrainisch aus. Männer, die in einer Schlange stehen neben einem Lastwagen. Männer im Unterhemd beim Kartoffelschälen, im Hintergrund ein Akordionspieler. Dann welche mit Aluminiumschüsseln in der Hand. Essensausgabe? Sind es  deutsche Soldaten, doch was machen die Kinder dazwischen, mit Hosenträgern, neugierig. Diese Bilder lösen bei mir viele Fragen aus. Jedes einzelne erzählt eine Geschichte. Aufnahmen von entspannten Menschen, Kindern, die in die Kamera lächeln. Romakinder, polnische Dorfjungs, ukrainische Bauernkinder. Wenn man näher ranzoomt, ist die Kleidung zerschlissen, es gibt Löcher und fleckige Stellen.Wenn ich mich doch besser auskennen würde mit den Uniformen, wie die Menschen damals in Polen oder in Weißrussland ausgesehen haben. Bestimmt kann man anhand der Kleidung und der Details viel herauslesen.
Ich kann die Bilder einfach nur aufnehmen und mit vorstellen, wie es damals war. Abseits der Front. In den Pausen. In den ganz normalen alltäglichen Szenen, die es auch gegeben hat in jenen Jahren. Unheimlich finde ich diese Bilder und irgendwie tröstlich. So seltsam banal.

Vielleicht, wenn diese Bilder verbreitet werden, erkennt jemand wen darauf. Das wäre doch ein Hammer. Ein zufälliger Fund auf dem Flohmarkt und jemand siehts sich im Internet an und sagt, hey, das Foto das haben wir auch, das ist doch Edik.

Danke Orianne, dass du das mit uns teilst! Hier ist nur eine kleine sehr willkürliche Auswahl. Es war nicht das letzte Mal, dass ich deine Sammlung besucht habe!

Hier noch mal der Link: http://geschichte-wissen.de/blog/bilder-der-zivilbevoelkerung-an-der-ostfront-1941/

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1941 Polen 1
1941 Polen

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1941 Ukraine
das ist unterschrieben mit: auf der Flucht
1941 Russische Bevölkerung tanzt
1941 Russland
1941 Russland September
was schreibt er da?
Russland 1941 Bahnhof
Bevölkerung, die am Bahnhof Nahrungsmittel eintauscht.
1941 Sologubowka St Petersburg Leningrad Russland
1941 bei Leningrad

1941 Ostfront Weissrussland

30
Diese Kinder sehen aus, als wären sie unterwegs. Flucht?
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Autor: Scherbensammlerin

Zwei Länder - verschiedene Identitäten - viele Sichtweisen. Ich sammle Informationsscherben über die Vergangenheit und Gegenwart und füge sie zu einem Mosaik aus Worten und Bildern.

6 Kommentare zu „Oriannes Fund“

  1. Hallo Mel:)

    Die Bilder waren für eine Geschichtsarbeit, ich bin Lehrerin. Ich kaufte genau 12 Alben bei einem Händler der sie wiederum von einem Händler kaufte. Das letzte Bild kann ich ziemlich genau einordnen, das sind Wolfskinder, die aus Ostpreussen im Herbst 1945 nahe Berlin von der Polizei aufgegriffen wurden. Alle drei haben keine Angehörige mehr, das Mädchen hatte eine Grossmutter, der Junge mit den blonden Haaren einen älteren Bruder, und beim anderen Jungen wurden die Eltern erschossen. Alles so traurige Schicksale. Die 3 Kinder kamen in ein Kinderheim nahe Berlin, wurden entlaust und gewaschen, die alten verschlissenen Kleider wurden verbrannt, man gab ihnen neue Bekleidung. Leider weiss ich nicht, was aus den 3 geworden ist. Sie dürften meiner Schätzung nach alle ca. Ende 70 Jahre oder älter sein.

    Liebe Grüsse sendet Dir:)

    Orianne

    1. Liebe Orianne,
      danke für die Hintergrundinfo!
      Meine Gedanken wandern immer wieder zu den Bildern.
      Ich hoffe, dass sie bald vielen zugänglich werden und sich daraus nicht nur Geschichten aus der Vergangenheit, sondern Verbindungen in die Gegenwart ergeben.
      Liebe Grüße
      Scherbensammlerin

      1. Liebe Mel:)

        Ich bin Dir ja noch eine Antwort schuldig, ich habe ca. 200 Bilder eingescannt, ich bin aber der Ansicht, dass man einen Teil davon nicht öffentlich machen kann, zu viele Grausamkeiten.
        Koloriert habe ich schon fast 1000 Fotos, aus unseren Familienalben, oder aus dem Sezessionskrieg 1861 – 1856 in Amerika, dazu noch Bilder aus der Grossen Depression 1929 – 1941 in Amerika.

        Liebe Grüsse:)

        Orianne

      2. Liebe Orianne,
        das hört sich nach einem spannenden und zeitfüllenden Projekt an! 1000 Stück. Wow.
        Ich glaube, dass es fast danach ruft mit einem eigenen blog beehrt zu werden. Aber ich will dich nicht gängeln. Du machst ja schon viel.
        Was jetzt kommt ist keine Kritik, denn du richtest dich nach deinem Gefühl, ich meine, dass du die grausamen Bilder aussortiert hast. Es ist eine ehtische Entscheidung, nicht alles ins Internet zu stellen und ich finde es richtig so. Ich merke bloß, dass bei mir ein Zwiespalt entsteht. Ich will sie sehen. Und will sie doch nicht sehen. krass.
        LG
        Scherbensammlerin

      3. Hallo, guten Abend Orianne,

        ddein blog ist ja ein ganz schöner Kontrast zu den historischen Fotos…
        Die kolorierten Bilder sehen farblich schon sehr stimmig aus.
        Überhaupt ist die Qualität der Bilder die ich gesehen habe recht gut.
        Tiefenschärfe und so. Da sehen andere alte Schwarzweiß-Bilder sehr verschwommen und dunkel aus.
        Hat sich denn schon jemand gemeldet, der eine Person erkannt hat?
        LG
        Mel

      4. Guten Abend liebe Mel:)

        Ja, da hast Du Recht, das haben wir schon viele Leute gesagt.
        Die Bilder sind in der Tat sehr unterschiedlich, früher war das fotografieren ja auch schwieriger, ich halte diese Bilder doch alle als Zeitzeugen. Leider hat sich bis jetzt noch niemand gemeldet, aber wer weiss, manchmal gibt es Zufälle, und auf die warte ich.

        Liebe Grüsse sendet Dir:)

        Orianne

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