Es war ein weiter Weg bis an die Wolga

Eindruckvolle Räume mit Moderator Ferch
Eindruckvolle Räume mit Moderator Ferch

Was fällt einem Deutschen sofort ein, außer Wodka meine ich, wenn er an Russland denkt? Richtig, die Transibirische Eisenbahn. Dieser Zug scheint seit dem ersten Spatenstich 1891 ein ewig währendes Faszinosum für die Bürger Westdeutschlands zu sein (die im Osten der Republik denken sicher anders, aber sie wurden für diese Doku auch nicht gefragt). Es ist erstaunlich, dass bisher noch keiner von ihnen die Transsib für die Nominierung als das neunte Weltwunder vorgeschlagen hat.

Was allerdings nicht erstaunlich ist: der Luxuszug Zarengold und seine Mitreisende, westdeutsche Rentner*innen mit Freudentränen in den Augen, die sich diese Reise mal eben zum Geburtstag gönnen, nehmen denn auch einen prominenten Teil der Berichterstattung ein über das Thema deutsche Spuren in Russland ein.

Nostalgie im Luxuswagon - das ist Russland!
Nostalgie im Luxuswagon – das ist Russland!

Auch ein Adelsfräulein, das auf den Spuren seiner Vorfahrin, Katharina der Großen wandelt, oder eher durch die Ruinen stolpert, kommt zu Wort und ein preußischer Offizier, der 1812 an dem napoleonischen Feldzug teilgenommen hat, anhand von Tagebuchaufzeichnungen.

Nennt mich nachtragend, nennt mich kleinlich,  aber wenn eine von Anhalt-Zerbst von heute sich hinstellt und sagt, also ich habe viel von meiner Urahnin, auch ich bin furchtlos, erkunde fremde Territorien, da dreht sich mir der Magen um. Ehrlich. Würde sie noch so sprechen, wenn ihre Vorfahren durch das Gulagsystem gejagt, verfemt und dann lange Zeit ihr Schicksal untern Teppich gekehrt worden wäre? Wohl kaum. Egal. Schwamm drüber.

sie wird Juschka genannt wie ihre berühmte Vorfahrin
sie wird Juschka genannt wie ihre berühmte Vorfahrin

Ich bin gerade tendenziös und ungerecht. Stimmt ja, später im Film kommen die Lebensläufe von zwei russlanddeutsche Familien mit den angemessenen Worten zur Sprache. Aber sorry, dieses vornehme Fräulein reden zu hören, ist für mich wie ein Schlag ins Gesicht.

Aber ich will ja nicht meckern, wir Minderheiten neigen dazu, uns schnell übergangen zu fühlen.

Deshalb, Tusch und Applaus: nach genau der Hälfte der Sendung erzählt Heino Ferch (das ist toll, dass sie ihn als Moderator gewonnen haben, wie kommen wir zu dieser Ehre?) von Tausenden Russlanddeutschen, die auf Geheiß der neu gekrönten Zarin ins riesige Land und an die Wolga strömen. Danke allein für diesen Satz:

Was den Russlanddeutschen widerfuhr, das gehört zu den größten menschlichen Katastrophen des 20sten Jahrhunderts.

Das musste mal gesagt werden im deutschen Öffentlich-Rechtlichen. Sonst hätte ich fast gedacht, es ginge allein um die Weiten Sibiriens.

Allerdings entsteht wieder mal der Eindruck, dass es Deutsche nur an der Wolga gab. Nichts davon, dass seit der mittelalterlichen Hanse ein reger Austausch bestand und noch vor den Siedlern an der Wolga zig Tausende Familien deutscher Herkunft in Moskau und später in St. Petersburg lebten und das kulturelle Leben dort entscheidend prägten. Nichts über die Siedlungsgebieten am Kaukasus nichts über Bessarabien oder das Schwarzen Meer.

Super, Alexander von Humboldt, der Durchreisende, wird kurz erwähnt und ein Ingenieur ohne Namen, der am Bau der Transsib beteiligt war, aber wie stark ansonsten der kulturelle Austausch gewesen ist, bleibt möglicherweise aufgrund der Kürze der Sendung (die Transsib ist eben sehr lang) leider auf der Strecke. Der Theaterschaffende Meyerhold, Sofija Tolstaja oder die Ehefrau Tschechows, die Schauspielerin Olga Knipper, um nur einige wenige zu nennen, bleiben außen vor. Ebenso die Tatsache, dass die Kochbuchbibel Russlands und der Sowjetunion von einer Deutschen namens Helene Malochowetz geschrieben wurde. Und viele andere Verbindungen aus Kultur und ähem… Kultur. Denn in der Politik waren Deutsche nicht so zahlreich vertreten. Warum denn bloß? Darüber werden wir auch im Dunkeln gelassen. Naja.

Dass viele intellektuelle Russen nicht nur in Paris gelebt und studiert haben, sondern eben auch in Weimar oder Leipzig und aufklärerische Ideen mitgebracht haben in ein Zarenregime, das auch von Katharina der Großen gestützt wurde. Von wegen aufklärerische Monarchin. Sie hat Schriftsteller, die gegen die Praxis der Leibeigenschaft angeschrieben haben, ebenso nach Sibirien verschickt wie ihre Vorgänger und Nachfahren auf dem Thron.
Davon, dass einer der tonangebenden Dekabristen, Paul (Pawel) Pestel ebenfalls
Deutscher war, was ebenfalls eine wesentliche deutsche Spur in Russland sein könnte, kein Wort. Und vom regen Austausch zwischen den jeweiligen klassenkämpferischen Parteien auch nicht. Ach, das ist wohl grad nicht zeitgemäß…

Es ist ja auch mehr so die Landschaft, welche die Deutschen am riesigen Reich interessiert.

Habe ich Gutes zu berichten über die Sendung? Natürlich. Allein, dass sie von Heino Ferch moderiert wird. Und ein Lob dafür, dass das überhaupt Thema ist.

Nur mit dem wie, habe ich eben so manche Probleme. Ich könnte wetten, dass bei der Mache der Sendung kein einziger Russlanddeutscher beteiligt war.

Enkel und Opa Maier an auf der Wolga
Enkel und Opa Maier an auf der Wolga

Und diese salbungsvolle und bombastische Musik. Wer hat sie bloß ausgesucht? Einiges von Alfred Schnittke wäre sicher angebrachter gewesen. Aber das ist nun Meckern auf höchstem Niveau.

Und da ist ein Satz, der gleich zu Anfang fällt: Deutsche und Russen  – über Jahrhunderte eine mörderische Angelegenheit.

Er ist schlichtweg falsch.

Über Jahrhunderte pflegten sie eine friedliche Koexistenz. Erst seit dem ersten Weltkrieg geht es mörderisch zu. Zugegeben, das wird ja später auch so gesagt… Aber dennoch, der falsche Eindruck bleibt.

Für eine ZDFzeit Doku ist die Sendung also eher etwas schmalbrüstig, aber es ist ja auch ein Stück Infotainment zur Primetime und die Affären Katharinas, ich wusste nicht, dass sie wissenschaftlich belegt sind, interessieren die Zuschauer wohl eben mehr und wie gesagt die Transsib, diese Sehnsuchtsstecke von Moskau nach Wladiwostok. Sollen sie doch lieber einen Film darüber drehen. Ach ja, haben sie schon, es gibt mehr als 1200 Dokumentationen zu diesem Thema auf You-Tube. Aber gut, immerhin ganze 10 Minuten für die Belange von Wolgadeutschen, die 1941 vertrieben wurden und die einer alten Dame, die noch immer in der Gulagstadt lebt, in der ihr Vater einst Sklave war. Besser als das jahrzehntelange Schweigen davor.

In der Ankündigung der Doku „Deutsche Spuren in Russland“ auf der Site von Phönix TV steht:

Für viele Deutsche hatte die große Katharina 1673 ein verlockendes Angebot parat: „Kommt nach Russland und beackert die riesigen brach liegenden Gebiete meines Reichs – und schützt mich vor dem Angriff fremder Mächte.“ Mit einem so genannten „Manifest“ rief sie die deutschen Bauern auf, ihr nach Russland zu folgen.

Gut, in der Jahreszahl ist ein Zahlendreher, aber das ist ja nicht so schlimm. Was mich wurmt, dass der Eindruck entsteht, sie würden aus Spaß und Dollerei und weil ihnen soviel Land versprochen wurde, losziehen. Welchen Verhältnissen sie hier entfliehen wollten, davon ebenfalls kein einziges Wort. Kriegerische Scharmützel, Truppen, die Dörfer verwüsteten und die Erbgesetze, die nur einen Sohn mit Land versorgten, zwangen viele junge Familien zur Ausreise, so war das. Weitere Gründe: religiöse Gemeinschaften wie die Mennoniten konnten ihren Glauben in den deutschen Landen nicht leben, deshalb wanderten sie aus. Und –  weil sie nicht willens waren, der Armme beizutreten und Menschen zu töten. Katharina versprach ihnen die Befreiung vom Wehrdienst.Nach einiger Zeit wurde dies aufgehoben und tausende Mennoniten flohen, nach Kanada oder Südamerika.

So machen die Siedler aber den Eindruck von Wirschaftsflüchtlingen. Doch das ist eh ein Prädikat, das vielen angepappt wird.

Aber das sind wohl unwichtige Details.

Was wir dagegen lernen ist, dass der Russe an sich verschlossen und rustikal ist und wenn man ihn näher kennt, sehr herzlich.

Fazit: es ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Wie gesagt, kommen Russlanddeutsche und ihre Geschichte, anders als in den Jahren davor, überhaupt zur Sprache. Und schließlich haben sie ja auch kein Alleinrecht auf deutsche Spuren in Russland, das muss ich auch zugeben. Aber der Fokus ist dennoch ein etwas verrutschter. Eben so wie Hiesige (Bio-Deutsche aus Westlanden) die Sache wahrnehmen. Und darüber mockiere ich mich.

Deshalb:

bitte das nächste Mal etwas besser und tiefer recherchieren, vielleicht mal einen russlanddeutschen Historiker zurate ziehen und vielleicht die Transsib weglassen?

Ginge das?

Aber die Wagons einer hitorischen Eisenbahn vor dem plietschen Moderator mitten in einer Palastbibliothek zum Stehen zu bringen: das hat schon was…

Deutsche Spuren in Russland, gesendet auf ZDF am 21.2.2016 und im April auf Phoenix TV

https://www.youtube.com/watch?v=7X4Yajqq6Xo

Advertisements

Damals und heute – Nikolaus Rode und Alwina Heinz

Ausstellungseröffnung am 28.8.2015 um 18:00 im Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold.

Kann aus erlittenem Schmerz etwas Neues entstehen?
Ein von Alwina Heinz aufgegriffenes Motiv von Nikokaus Rode

Eine Spiegelung von damals und heute. Eine Künstlerin und ein Künstler, Alwina Heinz, 29-jährig und Nikolaus Rode, der dieser Tage seinen 75sten Geburtstag feiert. Er beschäftigt sich in seinem Werk hauptsächlich mit den durch Vertreibungen und Krieg erlittenen Traumata, den Verlusten und der Suche nach Heimat, in ihren Bildern geht es viel um Identität, um Wurzeln und um den Unterschied zwischen der Geschichte der Ahnen und dem eigenen Erleben. Vergangenheit und Gegenwart treffen hier aufeinander und bilden einen spannenden Bogen – am Ende steht ein „Austausch über Leid, Akzeptanz und Neuanfang in einem Land, in dem man eigentlich wieder zuhause und trotzdem fremd ist.“

Anlass für diese Ausstellung ist der Beginn der Vertreibungen der Deutschen aus der Wolgaregion am 28. August vor 74 Jahren.

28. August bis 31. Oktober
Museum für Russlanddeutsche Kulturgeschichte
Georgstraße 24
32756 Detmold

Öffnungszeiten
Di.-Fr. 14.00 bis 17.00 Uhr
Sa. 11.00 bis 17.00 Uhr

Eintritt: 3,- Euro

Infos:

http://russlanddeutsche.de/menu/veranstaltungen/aktuelle-veranstaltungen.html#64_1440159129861

oder

http://alwina-heinz.de/index.php?/news/

Ende einer Bootsfahrt

Laura Kennington hat heute ihre Durchquerung des längsten europäischen Flusses (so eine russische Onlinezeitung über die Wolga) vorzeitig beendet. An Pfingsten habe ich über sie berichtet und auch einen Plan online gestellt, der den Verlauf der Reise darstellt. Dieser Plan wurde bereits vor zirka drei Wochen abgeschaltet, weil ständig irgendwelche Leute sie ausfindig gemacht und unaufgefordert in ihrem Camp heimgesucht haben.

Der Trip hat mediale Wellen geschlagen und Laura bekam mehr als tausend Nachrichten und Hilfsangebote, noch vor Beginn der Reise. Aber woran das Vorhaben letztendlich gescheitert ist, ist sicher nicht die viele Hilsbereitschaft und Anteilnahme. Obwohl sie sagt, dass sie davon überwältigt sei. Eine Frau ein Boot, einsam auf einem Fluss. So sollte die Reise sein. Aber sie wurde zu einer Jagd auf eine Facebook-Freundin aus Groß-Britannien.

Vielleicht weil sie als Schauspielerin und Sängerin angekündigt war? Ein Promi aus dem westlichen Ausland kommt mit dem Boot, um auf der Wolga zu fahren. Da wollten halt viele mal gucken kommen oder Schokolade vorbeibringen. Die russische Schokolade ist ja auch besonders gut. Und die Wurst erst!

In dem folgenden Film, noch Anfang Juni sagt Laura Kennington: ihre Vorstellung von Russland hat sich ganz erheblich geändert, seit sie in dem Land reist, soviel Gastfreundschaft habe sie nicht erwartet.

www.youtube.com/watch?v=qamVw8zJr_o

Das was sie jetzt, drei Wochen später auf ihrem Blog schreibt, klingt etwas anders. Es scheint unter den massiven Hilfsangeboten und Freundschaftsanzeigen auch konkrete Bedrohung durchgekommen zu sein. Sonst hätte diese Frau, die schon mehrere solcher Abenteuer durchgestanden hat, nicht einfach so die Taschen gepackt.

Ich frage mich, geht die Frauenverachtung in diesem Land soweit, dass die Kerle es nicht ertragen können, dass ein Weib allein auf einem Fluss paddelt? Das macht mich ganz traurig. Ich bin gespannt darauf, was sie in ihren Reisetagebüchern und die Memoiren darüber mal schreiben wird.

Die junge Frau und der Fluss

23. Mai 2015 Tver – Die britische Fitnesstrainerin, Schauspielerin und Abenteurerin Laura Kennington will in einem Kajak dem Lauf der Wolga folgen. Gestartet ist sie vorgestern in der Nähe von Tver und will im August an der Mündung zum Kaspischen Meer ankommen. Das sind insgesamt 2300 Meilen oder 3700 und ein Kilometer.

eine Frau, ein Boot - 2300 Meilen die Wolga entlang
eine Frau, ein Boot – 2300 Meilen die Wolga entlang

Kennington, die als Kind neben Hugh Grant in About a Boy vor der Kamera gestanden hat, nennt diesen Trip Caspian Challenge. Sie hat die Absicht, ganz ohne Hilfe von außen auszukommen, sie nennt es selfsufficiant, das heißt soviel wie auf sich selbst gestellt und nur mit eigenem Proviant und aus eigener Kraft heraus.

Die 28-Jährige wird täglich an die 12 Stunden paddeln und schätzt, dass sie für diese Reise ca. drei Monate brauchen wird. Also Safe the Date! Auf ihren Bericht bin ich schon jetzt sehr gespannt. Übrigens der Hintergrund dieser Reise ist ein wohltätiger Kennington sammelt Geld für Waisenhäuser.

Weitere Infos hier (englisch): http://lauraexplorer.com/project-kairos/adventures/

Hier kann man ihrer Fahrt auf einer Landkarte folgen: http://z6z.co/caspianchallenge

 

Die Kirche im Dorf gelassen – eine fotografische Zeitreise

Wenn da einer ist, der im digitalen Zeitalter mit einer alten Plattenkamera hantiert und ausschließlich mit Nassplattentechnik arbeitet, ist das schon retro. Wenn er damit auch noch Gebäude ablichtet, die seit Jahrzehnten lediglich als Relikte einer verlorenen Welt existieren, so wie die ehemaligen deutsche Kirchen an der Wolga, dann ist es wohl retro hoch zwei. Aber es passt.

Wolga-Kirche_2 Kopie
kaum zu glauben, aber das ist eine Aufnahme von 2012

Der Fotograf Artjom Uffelmann ist vor zwei Jahren zu einer Reise in die Vergangenheit aufgebrochen und ist mit rund zwei Dutzend belichteten Glasplatten von Kirchen aus der Wolgaregion zurückgekommen. Sein Projekt nennt er „Vergessene Zivilisation“. Denn zum Teil existieren die Dörfer nicht mehr, in den ehemaligen Kirchen wird weder jemand gesegnet noch getraut noch konfirmiert. Gras wächst zwischen den Steinplatten und durch die halbverfallenen Wände streift der Wind. Die sakralen Gebäude, die er vorfindet, sind längst Ruinen. Sie wurden nach 1941, nachdem die dort lebenden Deutschen in entlegene Gegenden zwangsumgesiedelt wurden, zunächst als Viehunterstand oder Dorfklub genutzt. Heute stehen nur noch ihre Überreste.

Wolga-Kirche_1 Kopie

Das Verfahren mit dem Uffelmann arbeitet, heißt Ambrotypie und war von 1850 bis 1890 der letzte Schrei in der Fotografie. Es ist ein Direktpositiv-Verfahren: eine Kolidiumschicht wird auf eine Glasplatte aufgetragen und in einer Plattenkamera direkt belichtet und danach sofort entwickelt. Anfangs ist die Glasplatte ein Negativ und nur durch das Auflegen auf eine schwarzlackierte Platte oder schwarzen Samt wird das Bild in ein positiv wahrgenommenes umgewandelt. Uffelmann benutzt lackierte Aluminuimplatten, auf die er das Glas legt, um diesen Effekt zu erzielen. Die so entstandenen Scheinpositive bleiben so und werden nicht vervielfältigt. Es gibt keinen Film als Zwischenmedium und jede Platte ist ein Unikat. Sie kann also weder bearbeitet noch manipuliert werden.

Genau das ist es, was ihn an dieser Technik reizt, dass man nicht mogeln kann. Es ist empfindlicher Prozess. Sekunden und Chemikalien müssen genaustens aufeinander abgestimmt sein, jeder Handgriff muss sitzen. „Du legst dein gesamtes Können, dein Wollen, deine ganze Liebe hinein“, sagt Uffelmann. Der Reisebus, mit dem er unterwegs ist, kann in Windeseile in ein mobiles Fotolabor umgewandelt werden.

Wolga-Kirche_3 Kopie

Ambrotypie kommt übrigens vom griechischen ambrotos, was unsterblich bedeutet. Ein sinnreiches Paradox mit einem unsterblichen Verfahren die Gebäude abzulichten, die für die Ewigkeit gebaut, jedoch nur wenige Generationen überdauert haben. Außerdem wurden viele der Kirchen genau zu der Zeit gebaut, als dieses Verfahren entstanden ist, um 1850.

Wenn er noch einmal zu einem ähnlichen Projekt nach Russland aufbrechen würde, dann nur mit mehr Zeit im Gepäck und der Assistenz eines Ortskundigen. Denn die Suche nach den Kirchen war ein waghalsiges Abenteuer. Die Karten, selbst militärische, die er sich in St Petersburg besorgt hatte, stimmten nicht mit den Gegebenheiten vor Ort überein und er musste zusehen, nachts mit dem Bus aus den Dörfern rauszukommen, weils sonst zu gefährlich geworden wäre.

Schon als Kind hat er seinem Vater beim Vergrößern von Fotos über die Schulter geschaut und so die Grundlagen der Fotoentwicklung gelernt. Mit 12 Jahren kam er Mitte der Neunziger nach Deutschland. Und fühlte sich, wie viele seiner Generation in der neuen Heimat zunächst fehl am Platz. Doch diese Reise in die Vergangenheit seiner Vorfahren hat Arjom Uffelmann verändert. Er sagt, er fühlt sich endlich angekommen und nicht mehr zwischen den Stühlen. Er hat sein Zuhause gefunden. In sich selbst.

Hier das Projekt auf youtube:

Und hier die Website von Artjom Uffelmann: www.photographische-anstalt.de

Übrigens, dieser Tage sind seine Bilder noch im Mannheimer Schloss zu sehen. Und zwar im Ausstellungsraum der Katakomben, also wer dort in der Gegend ist, im Original sind die Bilder sicher noch beeindruckender!