Ein paar eingeritzte Buchstaben

Zwei unbeholfen eingeritzte Buchstaben auf einem Klappmesser deuten auf ein Geheimnis hin, dem die Protagonistin von Eleonora Hummels Roman „Die Fische von Berlin“ auf die Spur kommt.

Familie Schmidt lebt in Kasachstan und steht kurz vor der Ausreise nach Deutschland. Ihre jüngste Tochter Alina verbringt viel Zeit mit ihrem Großvater, mit dem sie ein besonderes Band verbindet.

„Was hast du mit dem Großvater zu tuscheln?“ fragte Großmutter mit ihrer erzieherischen Stimme.
„Wir tuscheln nicht. Er erzählt mir von seiner Jugend.“
„Von seiner Jugend gibt’s nichts zu erzählen.“

Doch Alina lässt nicht locker und erfährt nach und nach, was es mit den Fischen von Berlin auf sich hat und welches Familiengeheimnis sich hinter dem Messer verbirgt, das der Großvater stets bei sich trägt. Sie taucht tief in die Odyssee ihrer russlanddeutschen Familie ein. Dabei findet sie ein Fotoalbum auf einem Dachboden und beobachtet, wie sich ihre Schwester von einem Fastmatrosen den Kopf verdrehen lässt.

Berlin: Angler an der Friedrichsgracht. Foto: Rudolph 21.4.1949

Aufreihen von Tatsachen oder künstlerischer Ausdruck?

Eleonora Hummels Romandebüt von 2005 kommt daher wie ein autobiografischer Bericht. Aber anders als viele Bücher der Erinnerungs- und Erlebnisliteratur hat die Autorin ein Werk geschaffen, das eigenständig ist und sich über die reine Erfahrung erhebt.

In einem Interview von 1979 spricht Regisseur Andrej Tarkowskij darüber, welchen Einfluss die Kindheit auf das Leben eines schöpferischen Menschen haben kann. Dass es eine wichtige Erfahrung ist und dass eine intensive Kindheit ausreicht, um Stoff für viele Werke zu bilden. Er sagt aber auch, dass es keine Kunst sei, die Erlebnisse eins zu eins zu erzählen. Sie brauchen ein transformatorisches Moment, eine Verdichtung in der Sprache oder eine Form, die aus der erlebten Geschichte einen Film oder einen Roman macht.

Der Autorin gelingt genau das. Sie benutzt die Familienanekdoten, die sich in den Schicksalen der Deutschen aus Russland in vielen Punkten gleichen und macht etwas daraus, das über das Offensichtliche hinaus geht.

Manchmal habe ich den Eindruck, unsere Leute sind getrieben, die schweren Schicksale in Worte zu kleiden, damit die Erinnerung nicht verlorengeht. Es ist wie ein innerer Auftrag und diese Autoren und Autorinnen fangen oft mit der Geschichte der eigenen Familie an. Aus der Aneinanderreihung von echten Erlebnissen und Anekdoten entsteht dann häufig nicht mehr als eine ausführliche Familienchronik. Viele dieser Bücher wirken so, als seien sie aus einer Opferhaltung geschrieben, sie verzichten nicht auf ein gewisses Selbstmitleid oder haben einen vorwurfsvollen Ton. Was hier angeklagt wird, das Schicksal oder die ignorante Leserschaft, kann man nicht immer deuten.

Der Roman von Eleonora Hummel steht in angenehmen Konstrast zu diesen Erlebnisbiografien, die zweifelsohne ihre historische und therapeutische Berechtigung haben.

Sie schafft es, in ihrem Erstlingswerk Dinge auszusprechen, die oft schwer auszuhalten sind. Es ist schon harter Tobak, den sie wenn nicht direkt leicht, aber in einer schnörkellosen Sprache leichthin erzählt. Sie verdichtet viel und bereits hier ist ihr typischer, lakonisch-zielsicherer Stil zu spüren. Eleonora Hummel beherrscht die Kunst der Andeutungen, kann vieles ungesagt lassen oder zwischen den Zeilen verstecken. Mit Auslassungen und kühlen Untertreibungen lässt sie uns die Zeit dennoch in ihrer ganzen Härte spüren.

Hier einige Erinnerungen von Alinas Großvater in der Zeit des zweiten Weltkrieges:

Mutter erschien mir so klein und zart in ihrem schwarzen Kleid, dass ich nicht wagte, sie in den Arm zu nehmen. Wir nahmen uns nie in den Arm. Im Dorf hatte man andere Dinge zu tun. S 120

Hinter ihr stand meine Schwester, die die Frau eines Volksfeinds war. Sie legte ihr schwarzes Kopftuch zusammen, das gefaltet aussah wie die Flügel eines Raben. S120

Bevor ich zum Mobilisieren ging, gab ich Mutter die paar Münzen, die noch in meiner Hosentasche waren. „Nimm sie für eine neue Kuh“, sagte ich. Sie stand regungslos da, ich drückte ihre Hand auseinander und legte die Münzen hinein. So blieb sie stehen, die Münzen in der offenen Hand und neben ihr der kläffende Hund, den man ihr statt der Kinder gelassen hatte. S121

Von der Thematik, von der geschichtlichen Verankerung hat es ein wenig mit dem Roman „Die Köchin von Bob Dylan“ von Markus Berges gemein. Sprachlich besitzt das Buch eine ganz eigene Kraft und auch die Umsetzung unterscheidet sich. Es ist deutlich zu merken, dass da nicht eine Schriftstellerin aus der Distanz ein Thema betrachtet, das sie sorgsam in Archiven recherchiert hat oder aus Erzählungen kennt. Sie hat das sowjetische Schulsystem selbst erlebt und kennt Menschen und Gegebenheiten aus persönlicher Erfahrung.

Die Autorin pickt beispielhaft die Geschichte einer deutschen Familie aus Russland aus. Letztendlich ist es aber unser aller Geschichte. Sie hätte so zumindest sein können. Es ist ein schwerer Stoff, der leicht mit knappen, treffenden Worten ohne viele Schnörkel erzählt wird. Das nimmt ihm zwar nicht seine Tragik, ermöglicht es uns aber das Erzählte überhaupt aufzunehmen. Hin und her Getriebene Menschen. Das Schweigen der Älteren. Das alles kennen wir Deutschen aus Russland nur zur genüge. Und auch lang verschüttete Geheimnisse, die aus heiterem Himmel auftauchen, weil sich jemand plötzlich erinnert.


Eleonora Hummel

Die Fische von Berlin
Steidl Verlag, Göttingen 2005
223 Seiten, € 18.00

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Zwei Mütter, eine Waise – eine Rezension

Es ist die Geschichte eines Waisenkindes und beginnt in der Sowjetunion irgendwo Mitte der Fünfziger Jahre. Straßenkinder bzw. Waisenkinder sind nach wie vor ein sensibles und unerfreuliches Thema in dem Land, das sich jetzt Russische Föderation nennt.

Besonders dann, wenn die Eltern gar nicht tot sind, sondern in einem Straflager leben. Und besonders dann, wenn sie scheinbar ohne juristisch nachvollziehbare Gründe für Jahrzehnte weggesperrt worden sind.

Und dennoch nimmt sich Eleonora Hummel gerade dieses Themas an und baut daraus eine Geschichte. Inspiriert wurde In guten Händen, in einem schönen Land von einer wahren Begebenheit.

Drei Leben, drei Stränge werden aus drei Perspektiven erzählt. Aus der Sicht der „Waisen“ Vika Makarowa, die glaubt ihre Mutter habe wirklich etwas verbrochen. Aus der Sicht ihrer leiblichen Mutter Olessia Lepanto, die eigentlich nur zum Theater berufen war und ihr Kind im Gulag zu Welt bringt, es aber nicht behalten darf. Und aus der Sicht einer Leidensgenossin der Mutter, Nina Belikowa, die früher entlassen wird und verspricht, das Kind ausfindig zu machen und sich darum zu kümmern.

In Ansätzen ähnelt der Plot dem Stück Der kaukasische Kreidekreis von  Bertholt Brecht. Das Schema scheint ähnlich zu sein, zwei Frauen, ein Kind. Aber natürlich macht die Autorin etwas ganz eigenes daraus.

Wie beschreibe ich die Sprache dieses Romans, darüber habe ich lange Zeit nachgedacht.

Schon ab der ersten Seite kommt die Prosa verdichtet-poetisch daher. Da heißt es: Das Fensterbrett ist ein Ort der Wünsche.

Aber Poesie deckt hier bei Weitem nicht alles ab. Lakonisch wäre wohl der Ausdruck für diesen Tonfall oder eine leicht distanzierte Ironie und eine genaueste Beschreibung der Wirklichkeit.

Es sind drei Melodien, drei innere Monologe, die zu einem Ganzen verflochten werden. Was auf den ersten Blick leicht kategorisch wirkt, denn Vika tritt permanent als ich-Erzählerin auf, ihre Mutter redet ausschließlich in der zweiten Person von sich (was anfangs ungewohnt ist) und über Nina Belikowa wird folgerichtig in der dritten Person gesprochen.

Aber das ist nur ein äußeres Muster, eine Struktur. Bemerkenswert ist, dass durch den gesamten Roman hindurch der Ton niemals anklagend oder wehleidig wird. Obwohl alle drei Frauen Opfer des großen Terrors geworden sind und sicher Grund hätten zu verzweifeln und anzuklagen.

Wahrscheinlich ist dieser distanzierte, beschreibende Ton eine Möglichkeit über das Nicht-Sagbare zu reden. Die Wirklichkeit wird wie durch ein Vergrößerungsglas gezeigt.

Die Autorin lenkt die Aufmerksamkeit auf ein scheinbar unbedeutendes Detail wie einen Fussel am Kleid. Einen kleinen Fleck, der mit dem Finger bedeckt werden muss.
Das Unerträgliche an den Lebenssituationen wird nicht explizit ausgebreitet, schwingt aber mit.

So kann ich mich als Leserin auf dieses schwere Thema einlassen.

Ich habe das Buch auch meiner Tante ausgeliehen. Sie sagt, sie hat vieles aus Russland wiedererkannt (das kann ich bestätigen auch wenn mir aufgefallen ist, dass in der Straßenbahn so ein Kasten zum Kartenabstempeln hängt. War das in echt so? Bei uns gab es dafür noch die echte Konduktorinnen, aber vielleicht trifft diese Luxusvariante auf Charkiv ja zu). Meine Tante jedenfalls erinnert sich noch an die Heimkinder, die in der Schule immer nur unter sich bleiben. Als wäre eine Trennmauer zwischen ihnen und den anderen, als wären sie Nichtberührbare. Die mit den kurzen Haaren. Manchmal sogar kahlgeschoren, auch die Mädchen, das ist die Hauruck-Methode um Läusen vorzubeugen oder deren Beseitigung zu erleichtern. Und natürlich musste das von Mädchen und auch von Jungs als Makel erlebt worden sein – und als Erkennungszeichen der Aussätzigen. Aber ich schweife ab, denn Eleonora Hummel geht nicht so weit, sich bei diesem Klischeehaften Bild aufzuhalten und es auszuwalzen.

Waisen in den Hungerjahren um 1920
Waisen in den Hungerjahren um 1920
Jahreswendfest im Waisenhaus
Jahreswendfest im Waisenhaus

Es ist mein Film. Seit ich das Buch lese, habe ich öfter an dieses Bild vom russischen Heimkind denken müssen. Große, traurige Augen, großes Gesicht, schmaler Hals und dieser kahle Kopf.

Zum Glück kehrt Eleonora Hummel solche vordergründigen Klisches nicht in den Mittelpunkt.

Er geht nicht gleich unter die Haut, dieser Stoff, aber er wirkt lange nach. Durch die distanzierte Haltung ist es nicht so, dass ich mit angehaltenem Atem über die Schrecknisse und Erniedrigungen lese und innerlich die Augen zudrücken muss. Und das ist die Kraft dieses Romans. Ich bin hineinversetzt, kann das alles aufnehmen ohne dass es mich hinwegschwemmt, ich verstehe etwas von der Zeit, erkenne die Zustände und die Zusammenhänge. Die Geschichte der Verfolgung von sogenannten Kulaken und Intellektuellen leuchtet auf. Sie werden aus der Geschichte heraufgeholt.

Hier ein Zitat, in dem die Liebe zum Detail deutlich wird:

Als es wieder soweit ist, bringt Jewgenia einen Korb voll Piroggen mit süßer Füllung mit, bestehend aus Nachtschattenbeeren vermischt mit gleichen Teilen aus Mehl und Zucker. Die zugeklebten Teigränder haben bei aller Sorgfalt dem Fruchtsaft nicht überall standgehalten, da, wo er ausgetreten ist, sind die Piroggen mit klebriger violetter Masse bedeckt. Man muss den Teller unterstellen, damit der Saft abtropfen kann. Er lässt sich nur schwer aus der Kleidung herauswaschen. (S. 158)

(Das Dilemma kenne ich zu gut, nur mit Erdbeerfüllung, ich habe beim Lesen den Geschmack der zerkochten Erdbeeren glatt im Mund, vermischt mit geschmolzener Butter allerdings. Denn es waren Wareniki und nicht Piroggen, aber dennoch. Etwas wird hier getriggert.)

Und noch ein Detail, in dem die leichte Ironie deutlich wird:

Von unserem Sommerquartier aus gehen wir mit Laternen auf Nachtwanderung durch den Wald, sitzen am Lagerfeuer, bis alle nach Bückling stinken, baden im See, spielen Volleyball ohne Netz. (S. 143)

Mir fällt auf, dass die ironischen/lakonischen Gedanken oft in den Abschnitten mit Vikas Perspektive vorkommen. Aber nicht immer, wie man bei Olessias Erinnerungen sieht:

Der Ermittler kramte in deiner Akte, warf dir ein Blatt hin.

„Was ist das?“

Du erkanntest in deiner Handschrift den ersten Gesang aus der Hölle.

Vor einer Ewigkeit hattest du, um dich auf die Schauspielschule vorzubereiten, aus der Bibliothek deiner Eltern Dantes Göttliche Kommödie, die zweisprachige Ausgabe, gerettet, sorgfältig auf Italienisch abgeschrieben und am Spiegel befestigt, um den Text beim Zähneputzen vor Augen zu haben. Sie hatten die Abschrift offenbar bei der Durchsuchung deines Zimmers als Beweisstück eingepackt.

„Das ist ein Gedicht.“

„Ein Gedicht, sieh an. Worum geht’s denn in diesem Gedicht?“

„Um die Hölle, es stammt ja nicht aus meiner Feder.“

„Soso. Wer hat’s denn gedichtet?“

„Dante.“

„Und weiter?“

„Allighieri.“

„Ali…wer? In welcher Beziehung stehst du zu diesem Dante, und wieso schreibt er über die Hölle? Gefällt’s ihm bei uns nicht?“ (S. 79)

Aber hier ist die Situation absurd. Nicht die Haltung der Protagonistin. Für ein bloßes Gedicht schuldig zu werden. Unvorstellbar. Und dennoch geschieht so etwas auch heute.

Noch eine Besonderheit des Buches, rein optischer Natur, aber bemerkenswert, wie ich finde… Auf dem Buchcover ist eine junge Frau zu sehen. Es ist in Wirklichkeit auch ein Antlitz aus einem Gulag. Das Bild stammt von Ursula Rumin, die in den Fünfzigern aus Berlin nach Russland verschleppt und in ein Lager in Workuta kam, wo sie wegen Spionage zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Sie saß 15 Monate davon ab. 1953, nach dem Tod Berijas wurde Rumin freigelassen und hat einige Bücher über diese Erfahrung publiziert. Auch sie hatte ein Kind, das sie erst im erwachsenen Alter kennengelernt hat. Ob sie es selbst auf dem Cover ist, weiß ich allerdings nicht.

Eine fremde Stimme zum Roman von Eleonora Hummel: (aus dem Tagesspiegel von vor drei Jahren)

Die erzählerische Stimme des Kindes erzeugt im Dreiklang dieser bewegenden Innenansichten den intensivsten Widerhall: unversöhnlich und radikal egozentrisch. Viktoria will endlich ein Zuhause haben und der Ödnis des Kinderheims entkommen, in dem es nicht einmal gestattet ist, am Fensterbrett auf Besuch zu warten. Sie kann nicht wissen, dass ihre Mutter zu Unrecht verurteilt wurde. Ihr ist nur gesagt worden, dass sie sich nicht an die Gesetze gehalten hat – so entstehen Ablehnung und unbegründeter Hass. Die Heimerziehung gemäß der politischen Linie führt im Laufe der Jahre zu der Überzeugung: „Ich bin in guten Händen, in einem schönen Land.“ Für Viktoria sind Erkenntnis und Versöhnung mit ihrer Mutter erst nach Jahrzehnten möglich.

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Eleonora Hummel
„In guten Händen, in einem schönen Land“
im April 2015 als Taschenbuch im Ullstein Verlag erschienen, (vorher bei einem anderen Verleger…)

Broschur
352 SeitenISBN-13 9783548287249

http://www.ullsteinbuchverlage.de/nc/buch/details/in-guten-haenden-in-einem-schoenen-land-9783548287249.html

…als E-Book:

http://www.buecher.de/shop/sowjetunion/in-guten-haenden-in-einem-schoenen-land-ebook-epub/hummel-eleonora/products_products/detail/prod_id/41848873/

…und mehr über die Autorin:

http://www.eleonora-hummel.de/

Die Venus als Leitstern

 

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Giorgione – Schlafende Venus

Eine junge Frau wartet in einem Berliner Bahnhof auf einen Zug aus Warschau, der eine Stunde Verspätung hat. Sie fühlt sich leicht vergrippt, kann jedoch nicht einfach weggehen, denn diejenige, die ankommen wird,  ist ihre ältere Schwester, die sie seit zehn Jahren nicht gesehen hat. Alina, die Protagonistin des Romans von Eleonora Hummel ist bereits als Kind Anfang der achtziger Jahre mit ihren Eltern aus der Sowjetunion nach Dresden ausgesiedelt, ihre Schwester Irma zog es dagegen vor, bei ihrem Mann Sergej zu bleiben. Ein Jahrzehnt später, die Mauer ist längst gefallen, treffen die ungleichen Schwestern aufeinander.

Das ist der Rahmen der Handlung, aufgefüllt wird sie mit Rückblenden auf die eigene Ausreise aus der Sowjetunion, Lebenserinnerungen, die von der Oma erzählt werden und Gedanken an eigene Erlebnisse der letzten zehn Jahre. Auf dem Gleis stehend und wartend, denkt Alina an ihren Freundeskreis, ihren Liebhaber und Samstagabende in den Clubs, sie lässt Stationen ihrer Selbstfindung passieren und landet immer wieder beim Scheitern, bei den Brüchen in ihrem Leben. Sie beschreibt beispielsweise, wie sie sich zum Künstlerischen berufen fühlt, aber im Beruf der technischen Zeichnerin verharrt.

Die Venus ist dabei so etwas wie ihr Leitstern. Sie verortet Alina auch wenn sie die Orte wechselt.

Die Venus im Fenster ist nicht das aktuelle Buch von der Autorin und auch nicht ihr viel gelobter Erstling. So wie ein Sandwich-Geschwisterkind liegt es genau dazwischen und sollte die Beachtung bekommen, die es verdient.

Ich habe die verhaltene oder teilweise ablehnende Kritik zu diesem Buch gelesen und frage mich, für wen es eigentlich geschrieben wurde. Eine Rezensorin konnte mit dem Thema des Wartens am Bahnhof  nicht viel anfangen, eine andere hat die sehr langen Monologe der Großmutter kritisiert.

Für mich ist gehören diese Dinge unbedingt in das Buch, sie sind stimmig. Allein der Bahnhof und seine Metaphern. Ankommen, nicht ankommen, Wartehalle, Gleis, Durchfahrt, Übergang.  Aber vielleicht liegt es auch daran, dass sich bei mir und der Protagonistin (und der Autorin) ein Großteil des Lebenslaufs und des Hintergrunds überschneiden. Zum Beispiel erleichtern mir viele der Details, wie die Weißgoldohringe der Schwester, die Kommentare der Mutter oder auch die Rückblenden in die Stalin-Ära eine konkrete Zuordnung und knüpfen an meine eigene Geschichte an.

Doch Oma Erika bietet ihrer Enkelin keine unterhaltsame Geschichtsstunde. Wie unbeteiligt monologisiert die alte Frau über ihre Erlebnisse vor dem Krieg und danach. Sie stellt sich oft als Opfer da, aber sie klagt das System nicht an, höchstens ihren Bruder, der den Ehemann angeblich zu dubiosen Taten verführt hat. Ihre Erzählweise ist typisch, wie einen Schwall gießt sie ihre Worte über der Zuhörerin aus, aber ohne jegliche Emotion. Wie so oft üblich, spaltet sie als Traumatisierte ihr eigenes Erleben von dem Erzählten ab. Und das ist für die Zuhörer nur schwer auszuhalten. Und für die Leser möglicherweise auch.

So fühlt auch die Protagonistin ihrem Singsang ausgeliefert:

Immer wieder überkam mich die Versuchung, mir die Hände auf die Ohren zu pressen und ‚hör auf‘ zu sagen. In mir wuchs der Wunsch, eine Abwehr zu errichten gegen diese traurigen Geschichten von verlorenen Heimaten, eine Glaswand, an der sie abprallen würden ohne die Möglichkeit, tiefer einzudringen. … Oma Erika erzählte und im Grunde war es egal, ob ich zuhörte oder nicht, es war bereits ein Teil von mir. (Seite 160)

Die Enkelin kann sich nicht wehren. Sie ist schon infiziert und hat diese unausgesprochenen Emotionen verinnerlicht. Alina gehört bereits der nächsten oder sogar übernächsten Generation der Vertriebenen an. Und hat ihre eigene Auswanderung, ihre eigene Umpflanzung erlebt, die sie noch nicht verdaut hat. Von einem vor Gesundheit strotzenden Kind verwandelt sie sich in eine kränkelnde und fast hypochondrische Erwachsene, der es schwer fällt, Fuß zu fassen. Sie wandelt fast unbeteiligt durch die Welt, trifft Menschen, aber sie berühren sie nicht. Sie nimmt alles genaustens wahr, aber sie lässt sich nicht hineinziehen in ihr Treiben. Alina lebt sich nicht aus, bleibt zögerlich, hat Sehnsüchte, setzt sie aber nicht um. Sie wirkt angepasst. Vielleicht zu sehr?

Ist das eine Folge ihrer eigenen Migration oder sogar eine Auswirkung des Grauens, das die Generationen vor ihr erlebt haben? Oder einfach ihre Art, sich der Fremde und dem Leistungsdruck zu verweigern? Krankheit und Nichthandeln als Ausweg.

Die psychosomatischen und psychischen Zusammenhänge bleiben nur angedeutet, Eleonora Hummel geht subtil vor, sie beschreibt einen Zustand, sie gibt keine expliziten Erklärungen oder eindimensionalen Lösungen vor. Die Autorin bleibt selbst im Hintergrund, lässt Oma Erika monologisieren, lässt Alina ihre Handlungen ausführen ohne ihre Motive zu werten oder zu erörtern.

Und das ist eindeutig eine Stärke dieses Romans.

Allerdings muss man man schon genau lauschen, um die Botschaft zu erhaschen. Und vielleicht fehlen den einheimischen Lesern  (und Literaturkritikerinnen) manchmal die passenden Codes dazu. Es gibt eine Stelle, da fällt es mir besonders auf, dass Menschen, die nicht in Sowjet-Russland gelebt haben, den Sinn nicht komplett erfassen können:

Rudis Vater hieß Fritz, und das war der Grund, warum die Familie bereits in den Siebziger Jahren in die DDR ausgereist war. Kein guter Name für einen anständigen Sowjetbürger, aber Fritz hat sich zeitlebens geweigert, ihn ändern zu lassen. (Seite 178)

Für einen nicht russisch sozialisierten Leser, würde der Satz mit einem beliebigen deutschen Namen wie Hans oder Albert ebenso funktionieren. Der Witz aber ist, dass in Russland alle Deutschen einheitlich als Fritzen beschimpft wurden und das Fritz dort ein Synonym zu Faschist war und ist. Diejenigen, die in Russland geboren sind, und insbesondere die Deutschen, die dort nach dem zweiten Weltkrieg gelebt haben, können ermessen, wie viel Hass und Verachtung in dieser Bezeichnung liegt und so ein Name durchaus ein Grund sein kann, das Land zu verlassen.
Vielleicht wäre an dieser Stelle noch eine winzige Erklärung hilfreich, nur ein Satz und kein soziogeschichtlicher Ausflug.  Denn so ist es mit vielen Büchern: der Sinn entsteht im Kopf des Lesenden und kann nur damit gefüttert werden, was dieser weiß. Alles genauestens aufzudröseln würde den Fluss der Erzählung nur behindern.

In solchen Momenten drängt sich mir die Frage nach der Zielgruppe auf. Für wen wurde dieses Buch geschrieben? Etwa nur für Aussiedler, die jede Feinheit davon verstehen und jede Situation nachvollziehen können? Schade nur, dass es gemeinhin von ihnen heißt, sie würden nicht so häufig zu Büchern greifen. Bei diesem verpassen sie jedenfalls eine ganze Menge. (Vorurteile lassen grüßen, beweist mir das Gegenteil!)

Ich glaube eher, dass durch die Themen der Entwurzelung, der Suche nach dem eigenen Weg und dem Ankommen in einem neuen Land ‚Venus am Fenster‘ für viele Anknüpfungspunkte bieten kann. Allein dieses Gefühl der 80iger Jahre, das da beschreiben wird,  dass das eigentliche Leben nie da stattfindet, wo man sich gerade aufhält. Wie in einer großen Wartehalle. Wobei wir wieder beim Bahnhof wären.

Wenn ich mir an dem Roman etwas anders gewünscht hätte, dann das Ende. Mir kommt es so abrupt vor. Es wäre mir lieber, wenn Irma und Alina noch tiefer in den Konflikt gehen würden. Denn ich kann mir vorstellen, dass diese zehn Jahre und die verschiedenen Lebensentwürfe die beiden Schwestern auf so existentielle Art trennen und sie aufeinanderprallen lassen wie die tektonischen Platten vom St. Andreas Graben. Statt dessen gehen sie sehr behutsam miteinander um. Sie knallen nicht. Und da, wo die Diskrepanzen anfangen könnten sichtbar zu werden, hört die Geschichte auf.

Doch das gehört vielleicht auch zum Konzept des Buches.

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Eleonora Hummel, Die Venus im Fenster

Roman

Steidl Verlag, Göttingen 2009
ISBN 9783865218780
Gebunden, 217 Seiten, 18,00 EUR

Minderdichtung? Das sitzt.

Agraridylle? Zwangsarbeiter am Weißmeerkanal
Agraridylle? Zwangsarbeiter am Weißmeerkanal

Vor einigen Wochen, als wieder Vollmond war, habe ich mich furchtbar aufregen müssen. Auf einer Tagung für russlanddeutsche Autoren und Journalisten in Schweinfurt hat ein älterer Herr, ein Prof. Dr. phil. habil. Dr. h.c. mult. referiert, der dieser Literaturgattung schon vor dreizehn Jahren schlechte Kritiken beschert und sie sogar als Minderdichtung bezeichnet hat.

Damals ist sein Aufsatz in dem Band Die andere deutsche Literatur, Istambuler Vorträge, erschienen. Und 2014  hat er seinen Text noch einmal eins zu eins im BIZ-Boten (Magazin des Institutes für ethnokulturelle Bildung, das in Moskau erscheint) publiziert, ohne ihn an die Entwicklungen der letzten Jahre anzupassen. Dort schreibt er Sätze wie:

Wenn man […] einen Blick auf die Seiten der zwischen teuer gestalteten Buchdeckeln gesammelten dichterischen Ergüsse wirft, bleibt die Erinnerung an Schillers Votivtafel über den Dilettanten nicht aus, in der es heißt:
Weil ein Vers dir gelingt in einer gebildeten Sprache,
Die für dich dichtet und denkt, glaubst du schon Dichter zu sein

Er bemerkt außerdem, in Russland hätten diese Autoren aus Angst vor Repressionen sich ‚ins Familiäre, in die Agraridylle [geflüchtet], in die der Natur und [hielten] Abenteuer eines Ferkels, das in die Jauchegrube stürzt und mithilfe von Nachbarn gerettet wird, für literaturfähig.‘

Seine Schlussfolgerung lautet:

Der russlanddeutschen Literatur ist aufgrund ihrer Subjektivität, ihrer thematischen (gefeiert wird die Agraridylle des 19. Jahrhunderts) und formalen Anachronie (bevorzugt wird gegenwärtig die Sonettform, ohne dass die Texte in dieser Form eine dialektische Struktur aufwiesen) und ihrer sprachlichen Schwächen, die zwischen einem „Küchendeutsch“ und erahnter Orientierung an den Klassikern des 18. Jahrhunderts sich hin und herwinden, der Platz einer Minderdichtung zuzuweisen.

Auch auf der Tagung steht er zu seinem Urteil, dass diese Gattung literarisch nicht überzeugend sei, dilettantisch geschrieben und rückwärtsgewandt. Allerdings lenkt er am Schluss ein, dass in den letzten Jahren wohl eine Entwicklung stattgefunden hätte, die erfreulich sei, weg von den schweren Themen.
Das hätte er im letzten Almanach des Literaturkreises bemerkt.

Am Tag darauf kam Herr Proffessor Graf von Nayhauss, so hieß der Redner, noch einmal dazu, um den rückwärtsgewandten Dilettanten kurz etwas über den Sinnhorizont des Autors und den Sinnhorizont des Lesers anhand eines Diagramms näherzubringen. Da habe ich mich vollends in den Film Club der Toten Dichter versetzt gefühlt.

Ansonsten war die Tagung super organisiert, die Autoren durften im Rathaus eine Lesung geben und es gab Seminare dazu, wie man die neuen und die alten Medien nutzt, um mehr Öffentlichkeit zu gewinnen.

Mit Abstand von fast einem Monat betrachtet, kann ich sehen, dass Herr von Nayhauss selbst nicht unbedingt alle Nuancen der Werke russlanddeutscher Autoren wahrnehmen kann, zumindest nicht die derer, die auf russisch geschrieben sind, denn er selbst beherrscht diese Sprache nur rudimentär und war bloß einige Male in Moskau oder Kasachstan. Und da er weder die russische noch die russlanddeutsche Kultur kennt, trotz seiner von ihm ins Spiel gebrachten russlanddeutschen Großmutter väterlicherseits, die 1909 nach Schlesien gezogen ist,  könnte er die den Texten immanenten Assoziationen und doppelbödigen Andeutungen sowieso nicht nachvollziehen.
Jedoch gleich allen Autoren eine mangelnde Variation im Versmaß und fehlende Wahrnehmung der Nuancen der deutschen Sprache zu bescheinigen, ist sehr pauschal und entspricht sicher nicht der Realität und auch nicht einer fundierten wissenschaftlichen Arbeitsweise.

Zurecht hat sich die Schriftstellerin und Journalistin Nelli Kossko über den Satz empört, die russlanddeutschen Autoren würden sich im eigenen Elend suhlen, und zwar im Zusammenhang mit dem Aufgreifen der Vertreibungsthematik und den Deportationen. Die Semantik dieser Worte rückt diese, ihrer Meinung nach, unverdienterweise in die Nähe eines Schweinestalls und das sei ein deutliches Vergreifen im Ton. Soviel zu Nuancen.

Der Grund für seine Wortwahl und seine Ablehnung der Thematik mag darin begründet sein, dass Nayhauss der Kriegskindergeneration angehört und selbst ein Flüchtlingskind war. Es wäre also nicht verwunderlich, dass er das explizite Schmerz-Beschreiben der Erlebnisgeneration nicht ertragen kann. Möglicherweise kann er nicht anders als alles, das auf das Leiden in dieser Zeit hinweist, abzublocken und kleinzureden.

Eine lange und wechselvolle Geschichte wird das euphemisch genannt, worauf die Deutschen in Russland zurückblicken können. Wenn Menschen, die Traumata dieses Ausmaßes erfahren haben, darüber schreiben, dann ist es nicht immer glatt und kunstvoll. Nicht jeder kann Worte für das Unaussprechliche finden. Aber wenn es geschieht, dass jemand versucht zu sprechen, worüber so viele schweigen, dann kann man doch allein das honorieren. Diese Worte haben einen ganz anderen Wert, nämlich den des Erinnerns, des Bewahrens für die künftigen Generationen und der Bewältigung. Und wenn die Sprache hakt und die Plots nicht ausgeklügelt sind, wenn stört es? Vielleicht darf man an diese Schriften nicht das Maß von hoher Literatur anlegen. Naive Malerei hat doch auch ihren Platz in der Kunstgeschichte.

Und last but not least gibt es in den letzten Jahren durchaus auch neue Stimmen, neue Autoren, die das Bild erweitern dürften. Wie zum Beispiel Eleonora Hummel, Artur Rosenstern oder Max Schatz, um nur einige wenige zu nennen. Sie sind in jungen Jahren nach Deutschland eingewandert und man kann ihnen zumindest keine mangelhafte Kenntnis der deutschen Sprache vorwerfen. Immerhin sagte Günter Grass über Hummel, sie sein die einzige weibliche Autorin in Deutschland, die er lesen mag.

Ich weiß nicht, ob es an dem Vollmond lag oder an dem, was oder wie der Literaturkritiker es gesagt hat. Es sind Sicherungen durchgebrannt. Nicht nur bei mir. Allerdings meinten viele nach diesem Bad der Gefühle, dass in der Literatur Kritik zum Geschäft gehöre und es professionell wäre, damit gelassen umzugehen. Ich kann darin leider nichts Professionelles sehen, mir kommt es höchst masochistisch vor, gerade diesen Kritiker einzuladen. Und das zu einem Treffen, wo Schreibende aus mehreren Generationen versammelt sind. Der ersten Zusammenkunft dieser Art seit 2006.

Eigentlich kann ich aus heutiger Sicht diesen ganzen Auftritt nur als Satire betrachten, zumal Herr Professor Hans-Christoph Graf v. Nayhauss nach Beendigung des offiziellen Teils zu fortgeschrittener Stunde, ein schönes Gedicht rezitiert hat, um uns triefnasigen Russlanddeutschen mal zu zeigen, wie man auf eine lustige, positive Art dichten kann. Er kennt überhaupt viele Verse alter Meister auswendig und zitiert sie sehr ausgiebig. Diesmal wars:

Ritter Prunz zu Prunzelschütz

Das war der Prunz zu Prunzelschütz:
Er saß auf seinem Rittersitz
mit Mannen und Gesinde
inmitten seiner Winde.


Die strichen, wo er ging und stand,
vom Hosenleder über´s Land
und tönten wie Gewitter-
so konnte das der Ritter.

In Augsburg einst, zu dem Turnier
bestieg er umgekehrt sein Tier
den Kopf zum Pferdeschwanze
und stürmte ohne Lanze.

Doch kurz vor dem Zusammenprall
ein Donnerschlag – ein dumpfer Fall-
Herr Prunz mit einem Furze
den Gegner bracht´ zu Sturze.


(die übrigen 8 Strophen spare ich mal aus.)


Jetzt weiß auch ich wie lustig geht, vielen Dank! Traurig finde ich allerdings, dass Herr von Nayhauss bis heute so ziemlich der einzige Kritiker ist, der sich dieser Literaturgattung überhaupt zuwendet. Weder Helmuth Karassek noch Iris Radisch haben sich je damit befasst, dabei behauptet sie von sich, es wäre ihr ein Anliegen, die osteuropäische Literatur bekannter zu machen.

Ein Gutes hat diese Debatte: ich habe mich gefragt, warum ich so wenig über die russlanddeutsche Literatur weiß. Und habe mir vorgenommen, in Zukunft mehr davon zu lesen und mir ein eigenes Urteil zu bilden. Der erste Schritt ist getan, ich habe in Schweinfurt einige Autoren persönlich kennengelernt und habe über andere, die nicht mehr Leben, viel gehört.

Einer der Anwesenden, Edmund Mater beschäftigt sich übrigens seit sechs Jahren damit, in einer vielbändigen Online-Enzyklopädie alle Deutschen aus Russland zu versammeln, die jemals etwas publiziert haben. Und zwar egal wo sie leben, egal in welcher Sprache sie schreiben oder ob es belletristische Werke oder Sachthemen sind. Hier der Link zu den bisher erfassten acht Bänden des Autorenlexikons: http://www.edarmer.de/autorenlex_de.html

Er kommt mittlerweile auf über 6000 Einträge und sein digitales Nachschlagewerk wird täglich von mehreren Tausend usern aus aller Welt angefragt und heruntergeladen. Nur in diesem Land scheint das Interesse marginal zu sein.

Die Domaine http://www.rusdeutsch-autoren.de/ ist längst erloschen, man kann sie aber vom Inhaber erwerben, für knappe 300,- Euro. Der Literaturkreis der russlanddeutschen Autoren ist seit 20 Jahren aktiv und bringt Anthologien hervor, veranstaltet Lesungen. Der Gang zur hiesigen Stadtbücherei war jedoch ernüchternd. Ich gebe ein paar Namen in die Suchmaschine ein und es kommen statt Heinrich Rahn, Heinrich von Kleist. Statt Viktor Heinz, eine Operette von Lehar und bei Max Schatz erscheint die DVD vom kleinen Hobbit (lieber Max, das sollte keine Anspielung sein!). Klassiker wie Dominik Hollmann, Nelli Däs, Ida Bender oder Theodor Kröger sind überhaupt nicht vorhanden, aber Eleonora Hummel ist im Bestand. Sogar mit zwei Romanen. Mit den Fischen von Berlin und der Venus am Fenster. Damit fang ich mal an.

Wie nennt man diesen Zustand? Unterrepräsentiert? Ich schau jedenfalls, wohin mich die Reise führt. Und – um mal eine subtil-literarische Metapher zu benutzen: der letzte Drops ist noch nicht gelutscht!

die Beste Reaktion auf eine feindliche Kritik: lächeln und vergessen. Navokov
Die Beste Reaktion auf eine feindliche Kritik –  lächeln und vergessen.  Vladimir Nabokov